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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Inflation rauf – aber Draghi hält an Nullzinsen fest

Kommentar: Auswandern zu Trump?

Die Inflation kehrt zurück, gleichzeitig hat EZB-Chef Draghi in der Pressekonferenz am Donnerstag betont, noch lange an seinen Nullzinsen festhalten zu wollen. Für Sparer heißt das: Jetzt wird‘s richtig teuer.

„Nicht überzeugend“ findet Mario Draghi den jüngsten Anstieg der deutschen Inflationsrate auf 1,7 Prozent. Es werde deshalb auch keine Abkehr von der Nullzinspolitik geben, erklärte der Chef der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Vielen Bundesbürgern droht damit jetzt doppeltes Ungemach: Ihr Erspartes wirft auch künftig keine Zinsen ab. Gleichzeitig aber zehrt die wieder rapide anziehende Teuerung kräftig an der Kaufkraft des Geldes, das sie fürs Alter zurückgelegt haben.

Immer fataler werden damit die Wirkungen von Draghis Rosskur. Die Flut billigen EZB-Geldes hat es Europas Krisenländern erlaubt, unpopuläre Reformen zu verschleppen. Deshalb springt dort die Konjunktur auch nach Jahren des Herumdokterns nicht an, und folglich auch nicht die Teuerung. Was Draghi wiederum zu dem irrigen Schluss verleitet, mit seiner falschen Therapie fortzufahren.

Das einzige, was „nicht überzeugend“ ist, ist diese ausschließlich für die Finanzminister und die Schuldenstaaten gemachte europäische Geldpolitik. Die Jahre bis 2019, wenn Draghis Amtszeit endet, dürften für Sparer noch sehr, sehr teuer werden. Wenn sie Rendite erwirtschaften wollen, müssen sie mit ihren Finanzanlagen schon in den Dollarraum auswandern. Auf diese „Migranten“ wartet Donald Trump, der sonst mit Flüchtlingen herzlich wenig anfangen kann, mit offenen Armen.

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