Kommentar zur Wahl

Ergebnis in Schleswig-Holstein: Der Schulz-Effekt ist verpufft

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München/Kiel - Die SPD hatte einen schönen Plan: Auf dem Weg zum großen Triumph bei der Bundestagswahl wollte sie die Aufbruchstimmung erst in Saarbrücken, dann in Kiel und Düsseldorf zu Wahlerfolgen nutzen. Doch nun ist die Euphorie weg.

Das schwache Abschneiden im Saarland verbuchte man noch als Betriebsunfall, aber der herbe Dämpfer am Sonntag versetzt die Genossen in Schockstarre. Die Euphorie ist weg, der Schulz-Effekt verpufft. So schnell sein Stern stieg, so schnell stürzt er wieder ab.

Doch es wäre zu einfach, die Pleite in Schleswig-Holstein allein dem schmerzhaft geerdeten „Gottvater“ anzulasten. In Kiel setzten die Wähler vielmehr eine Gesetzmäßigkeit der jüngsten Landtagswahlgeschichte außer Kraft: Überall waren zuletzt die Amtsinhaber bestätigt worden – ganz gleich, wie die jeweilige Partei in den bundesweiten Umfragen stand. Torsten Albig muss das Ergebnis deshalb als Quittung für den eigenen, gehörig missratenen Wahlkampf nehmen. Seine Karriere dürfte beendet sein.

Doch was ist die Lehre aus diesem Paukenschlag? Die unbefriedigende Antwort: Es gibt keine. Der Wahlgang in Schleswig-Holstein liefert nur einen neuen Beweis für die volatile Stimmung im Land. Die Krise Angela Merkels, der Hype um die SPD, die Schwäche der Grünen, der AfD-Höhenflug – im seltsamen Wahljahr 2017 scheint keine politische Tendenz von Dauer. Schon NRW kann die Stimmung wieder drehen. Dennoch dürften die Koalitionsverhandlungen im Norden aufmerksam verfolgt werden. GroKo? Jamaika? Ampel? Alles hätte Signalwirkung.

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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