Kommentar zur Sicherheitskonferenz

1350 kleine Gipfel: Das hat die Siko gebracht

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Die Regierenden ziehen ab mit ihren Blaulicht-Limousinen, hinterlassen erschöpfte Organisatoren, durchfrorene Polizisten – und viele Fragen. Ist die Welt besser nach dieser Siko? Die Antwort ist komplizierter, als manche auf den Gegendemos draußen und auch auf den roten Teppichen drinnen denken. Ein Kommentar.

Drei Februartage lang erlebte die Welt eine Münchner Unsicherheitskonferenz. An ihrem Ende stehen ein paar wackelige, aber wichtige Erkenntnisse für den Westen. Nummer eins: Die USA, obwohl geführt von einem Präsidenten im Fieberwahn, bekennen sich zur Nato, konkret zur Beistandsverpflichtung in Artikel 5 und zur Präsenz in Europa. Sie verlangen mehr Eigenbeitrag von den Partnern und sind dabei nicht nachgiebig. Nummer zwei: Europa wird seine Verteidigungsbudgets erhöhen, allen voran Deutschland, aber nicht in dem Ausmaß, wie es die USA sich erhoffen. Tatsächlich ergeht sich diese Siko nicht in reinen Rüstungs-Fantasien, sondern bezieht Krisenprävention, Entwicklungsgelder, Flüchtlingshilfe ein in das wachsende Paket, das Europa zu schultern hat. So klingt das durchaus vernünftig.

Wer den Siko-Saal für eine Quasselstube oder ein Eitelkeiten-Kabinett halten will, wird in manchen Auftritten Belege dafür finden. Wichtiger ist eine andere Zahl: Am Rande der Konferenz, abseits der Kameras, notierten die Organisatoren 1350 bilaterale Treffen. 1350 Mini-Gipfel, 1350 Dialoge. Wenn das größte Risiko der internationalen Politik darin liegt, gar nicht miteinander zu reden: Ja, dann hat die Münchner Siko die Lage unserer Welt zumindest ein bisschen stabilisiert.

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