Gefährliche Rhetorik

Kommentar zur Nordkorea-Krise: Gefährliche Eskalation

  • schließen

Die Rhetorik der Hauptbeteiligten an der Nordkorea-Krise hat eine extrem beunruhigende Dimension angenommen. Pjöngjang droht Washington mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam und mit einem „totalen Krieg“. Merkur-US-Korrespondent Friedemann Diederichs kommentiert.

Donald Trump ist ebenfalls kein Feind von verbalen Muskelspielen. Er hatte kurz unlängst auf weitere Drohungen Nordkoreas eine Reaktion „mit Feuer, Wut und Macht“ in Aussicht gestellt.

Die Gefahr einer militärischen Eskalation ist deutlich gestiegen, nachdem Trumps Vorgänger Obama die Atom- und Raketentests Nordkoreas, seiner „weichen Diplomatie“-Philosophie folgend, acht Jahre lang ausgesessen hatte. Ein Waffengang wäre zweifelsohne der Super-GAU, zumal die Bereitschaft von Nordkorea, nukleare Sprengsätze einzusetzen, nur schwer abschätzbar ist. Auch deshalb dürfte US-Außenminister Rex Tillerson seit Wochen unermüdlich von der „globalen Aufgabe“ sprechen, um diese „globale Bedrohung“ zu stoppen.

Das Problem ist, dass die Interessen wichtiger Staaten in diesem Konflikt gegenläufig sind und UN-Sanktionen offenbar wenig Eindruck machen. China, das nach Ansicht vieler Analysten den Schlüssel zum Frieden in der Hand hält, hat in der Vergangenheit die nuklearen Aktivitäten Pjöngjangs indirekt gefördert. Peking dürfte weiterhin Interesse an einer geteilten koreanischen Halbinsel haben – und eine atomar bewaffnete unantastbare Diktatur als Garantie für diesen Status sehen. Was also bleibt für das Weiße Haus abseits starker Worte und eines Waffengangs? Andere bisher vernachlässigte Optionen könnten in den Vordergrund rücken – wie eine Rückstationierung der 1991 aus Südkorea abgezogenen US-Atomwaffen. Oder eine Unterstützung und Ermunterung Japans, ein Nuklearwaffen-Arsenal aufzubauen, um China zu einer harten Entscheidung zu Nordkorea zu zwingen. Das mögen wenig erfreuliche Alternativen sein – doch sie sind besser als ein konventioneller Krieg, der schnell aus dem Ruder laufen könnte.

Lesen Sie hier einen ausführlichen Bericht zur Nordkorea-Krise: Neuer Eklat zwischen USA und Nordkorea - Gabriel warnt vor einem Krieg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Agenturen für Arbeit gaben Hinweise an Verfassungsschutz
Wer einem Mitarbeiter im Jobcenter als möglicherweise extremistisch auffällt, muss mit der Weiterleitung des Verdachts an den Verfassungsschutz rechnen. Die Linke …
Agenturen für Arbeit gaben Hinweise an Verfassungsschutz
News-Ticker zu Angela Merkel in München: Wie heftig werden heute die Proteste?
Am Freitag findet auf dem Münchner Marienplatz das Wahlkampf-Finale der Unions-Parteien statt. Wie heftig werden die Proteste gegen Kanzlerin Angela Merkel?
News-Ticker zu Angela Merkel in München: Wie heftig werden heute die Proteste?
Lahmer Gaul: Ist der Bundes-Trojaner „weitgehend unbrauchbar“?
Der „Bundestrojaner“ des BKA sorgte einst für heftige Diskussionen. Medienberichten zufolge ist das gefürchtete Programm aber kaum zu etwas zu gebrauchen.
Lahmer Gaul: Ist der Bundes-Trojaner „weitgehend unbrauchbar“?
May: EU-Ausländer müssen sich während Brexit-Übergangsphase anmelden
Mit Spannung war die Brexit-Rede Theresa Mays am Freitag erwartet worden. Tatsächlich schlug die britische Regierungschefin sehr versöhnliche Töne an.
May: EU-Ausländer müssen sich während Brexit-Übergangsphase anmelden

Kommentare