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Merkur-Redakteur Alexander Weber.

Zum Tag der Einheit

Kommentar zu Steinmeiers Rede: Unbequeme Wahrheiten

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Bei seiner ersten Rede zum Tag der deutschen Einheit setzt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf klare Worte und keine Festtagsrhetorik. Das lobt auch Merkur-Redakteur Alexander Weber.

Berlin - In den ersten Monaten seit seinem Einzug ins Berliner Schloss Bellevue blieb der neue Präsident trotz der sich verschärfenden politischen Konfrontation im Land blass und unauffällig. Doch diese Rede Frank-Walter Steinmeiers wird über den Tag der deutschen Einheit 2017 hinaus nachwirken. Das Staatsoberhaupt verzichtet weitgehend auf Festtagsrhetorik und lenkt stattdessen den Blick auf die (bitteren) Realitäten unseres Landes neun Tage nach der Bundestagswahl.

Er erwähnt die vielen Bürger, die sich nach eigener Aussage nicht mehr wiedererkennen in ihrem Land, in dem 27 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs neue, versteckte Mauern entstanden sind: zwischen Arm und Reich, Stadt und Land, offline und online. Steinmeier fordert dazu auf, die „Wirklichkeit der Welt mit den Möglichkeiten des Landes“ in Übereinstimmung zu bringen. Konkret: eine Neubewertung in der Migrationspolitik.

Und: Steinmeier betont die Sehnsucht der Menschen nach Heimat in einer sich immer schneller drehenden Welt. Dieses Elementargefühl dürfe man nicht den Nationalisten der Blut-und-Boden-Ideologie überlassen, mahnt der Präsident. Auch die neuen Bundestagsabgeordneten nimmt er in die Pflicht: Sie müssten zeigen, dass Argumente mehr zählten als Wut und Empörung. Steinmeier spricht unbequeme Wahrheiten aus. Aber überfällige.

Alexander Weber

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