Die Saarlandwahl als Stimmungstest

Kommentar: Annegrets Abwehrschlacht

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Die Saarlandwahl am Sonntag ist ein Stimmungstest. Auf der einen Seite eine als quasi bereits wiedergewählt geltende CDU-Ministerpräsidentin, auf der anderen Seite der Hype um Schulz. Ein Kommentar. 

Für die Saarländer geht an diesem Sonntag ein asymmetrischer Wahlkampf zu Ende. Normalerweise – aber was ist in diesen Zeiten schon normal? – könnte CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer dem Auszählen der Stimmzettel mit großer Gelassenheit entgegensehen. Seit sechs Jahren regiert sie das jüngste westliche Bundesland an der Grenze zu Frankreich, und Umfragen bescheinigen ihr eine Zufriedenheit der Bürger von 75 Prozent. „s’Annegret“, so nennen die Saarländer die Christdemokratin in ihrer typischen Art, punktete mit landespolitischen Themen vom schwierigen Bergbau-Erbe bis zu Schulfragen ebenso wie mit ihrer bodenständigen, unaufgeregten Persönlichkeit. Alle Zeichen standen auf Wiederwahl. Biser kam.

Der Hype um Martin Schulz, die neue Lichtgestalt der SPD, hat die Wahllandschaft an der Saar umgepflügt. Sieben Prozent haben die Sozialdemokraten in Saarbrücken seit der Nominierung von Schulz zugelegt, die bisherigen Koalitionäre SPD und CDU liegen plötzlich Kopf an Kopf. Kramp-Karrenbauer findet sich in der unangenehmen Situation wieder, die erste Abwehrschlacht der Christdemokraten gegen Kanzlerin Merkels populären Herausforderer führen zu müssen, obwohl der gar nicht zur Wahl steht. Siegt die CDU-Ministerpräsidentin, erlebt der Umfrage-König aus Würselen den ersten realpolitischen Dämpfer. Verliert sie, werden die Sozialdemokraten ihren Erfolg an der Saar als Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Merkels im Herbst bejubeln. Und Kramp-Karrenbauer, die einst nervenstark ihre Jamaika-Koalition aufkündigte, um ein stabileres Bündnis mit der SPD zu formen, wird offenbar nervös. Ihre vollmundige Ankündigung, keine türkischen Minister im Saarland auftreten zu lassen, obwohl gar keine Veranstaltungen angekündigt waren, ist ein Indiz dafür.

Und noch eine Personalie sorgt für Zündstoff: Oskar Lafontaine, der immer noch beliebte einstige „Saar-Napoleon“ der SPD, setzt als Spitzenkandidat der Linken alles daran, mit seinen früheren Genossen die erste rot-rote Koalition in einem westlichen Bundesland zu bilden. Noch ein Testlauf für die Wahl im Bund.

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