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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

BR-Umfrage sieht Finanzminister weit vorn

Kommentar: Söders Macht

Auf Biegen und Brechen versucht Horst Seehofer zu verhindern, dass sein Finanzminister Markus Söder ihn als Ministerpräsident und CSU-Chef beerbt. Die neue Umfrage des BR zeigt: Es liegt nicht mehr in Seehofers Macht, den ungeliebten Rivalen zu verhindern. Alles was er kann ist, den Wechsel noch eine Weile hinauszuzögern.

„Die Wahrheit liegt in der Wahlurne“, lautet der Lieblingssatz des Bayern-Regenten Horst Seehofer. Wenn das stimmt, dann hat der Souverän dem CSU-Chef die Entscheidung, wer ihn eines Tages in seinen Ämtern beerben soll – und wer auf gar keinen Fall –, aus der Hand genommen: Mehr als die Hälfte der CSU-Wähler will Markus Söder in die Staatskanzlei einziehen sehen. Das ist ein Paukenschlag.

Nicht beantwortet ist damit allerdings die Frage, wann der ungeduldige Finanzminister den Umzugsservice beauftragen kann. Die Bürger mögen sich „ihren“ Wunschnachfolger für Seehofer aussuchen können – aber der Ingolstädter selbst entscheidet über den Zeitpunkt der Machtübergabe. Und der dürfte in Anbetracht der herzlichen Abneigung, die Seehofer für Söder empfindet, deutlich jenseits der nächsten Landtagswahl im Herbst 2018 liegen. Vieles spricht außerdem dafür, dass nur der alte Fuchs Seehofer selbst die absolute Mehrheit der Wählerstimmen tatsächlich einfahren kann, die die BR-Umfrage der CSU aktuell in Aussicht stellt.

Noch einen weiteren Fingerzeig für Seehofer enthält die Umfrage: Der Plan, seinem gen Berlin strebenden Innenminister Joachim Herrmann als Mitgift den CSU-Vorsitz mit auf den Weg zu geben, steht vor dem Scheitern. So sehr der tüchtige und umsichtige Herrmann Merkels neue Bundesregierung bereichern dürfte, so wenig wird Söder zulassen, dass an ihm vorbei jetzt noch Fakten geschaffen und Ämter vergeben werden. An seiner (Parteitags-)Macht kommt auch ein Seehofer nicht mehr vorbei.

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