CDU-Triumph in Nordrhein-Westfalen

Kommentar: Sieg trotz Laschet

Die CDU gewann in Düsseldorf nicht wegen Laschet, sondern trotz Laschet. Das herausragende Ergebnis für Christian Lindner zeigt, wie viel mehr für die Union mit einem charismatischeren Kandidaten möglich gewesen wäre. Ein Kommentar von Mike Schier.

Es birgt eine gewisse Ironie: Armin Laschet, jener biedere Parteisoldat, der die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel noch stur verteidigte, als die Kanzlerin längst eine radikale Kurskorrektur vollzogen hatte – jener Armin Laschet also versetzt der SPD den größten anzunehmenden Tiefschlag. Hannelore Kraft, die trotz mäßiger Regierungsbilanz jahrelang wie eine Inkarnation der Arbeiterseele an Rhein und Ruhr wirkte, ist entzaubert – wohl auch, weil sie unbeirrt am überforderten Innenminister Ralf Jäger festhielt. Ausgerechnet die Innere Sicherheit mutierte zu einem Gewinnerthema Laschets. Noch so eine Ironie.

Die CDU gewann in Düsseldorf nicht wegen Laschet, sondern trotz Laschet. Das herausragende Ergebnis für Christian Lindner zeigt, wie viel mehr für die Union mit einem charismatischeren Kandidaten möglich gewesen wäre. Umso schlimmer fällt die Bilanz für die SPD in ihrer Hochburg aus: ein Desaster, das den zuletzt kaum sichtbaren Martin Schulz in schwere Depressionen stürzt. Allein die unberechenbaren Stimmungslagen dieses Wahljahres verbieten es, seine Kandidatur bereits für gescheitert zu erklären. Doch Schulz, der sich lange von infantilen Jubelchören seiner Partei blenden ließ, muss radikale Konsequenzen ziehen. Personell. Strategisch. Inhaltlich.

Die große Siegerin heißt Angela Merkel. Die Kanzlerin hat sich mit ihrer stoisch-rationalen Art das alte Urvertrauen der Deutschen zurückerarbeitet, das sie mit ihrer emotional geleiteten Flüchtlingspolitik verspielt hatte. Damit verschieben sich auch die Machtverhältnisse in der Union, wo zuletzt oft die CSU die Linie vorgab. Horst Seehofer fährt nun am Sonntag unter geänderten Vorzeichen nach Berlin, um nach der CSU-Vorstandsklausur mit Merkel das Wahlprogramm abzustecken. Die Kanzlerin ist wieder die Chefin. Zumindest bis 24. September.

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