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Georg Anastasiadis

Kampf um CDU-Parteivorsitz: Laschet und Spahn bilden Tandem

Kommentar: Zwei gegen Merz

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Als Tandem wollen Armin Laschet und Jens Spahn ihren Rivalen Friedrich Merz besiegen. Das soll Stärke suggerieren, ist aber auch ein Eingeständnis ihrer Schwäche. Ein Kommentar von Merkur Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Im Team wollen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und der aufstrebende Gesundheitsminister Jens Spahn den Rivalen Friedrich Merz im Kampf um den CDU-Vorsitz schlagen. Darin liegt ein Versprechen – nämlich die widerstrebenden Parteiflügel zusammenzuführen –, aber auch ein Eingeständnis: Einzeln ist keiner der beiden stark genug, um es mit dem Schwergewicht Merz aufzunehmen. Der dritte Bewerber – Norbert Röttgen – hat in diesem Ringen nur die Außenseiterrolle.

Die Wahl, die die CDU-Delegierten am 25. April treffen müssen, für die Partei und für das Land, ist in jeder Hinsicht grundstürzend: Es ist eine Wahl zwischen Kontinuität, für die das Tandem Laschet/Spahn steht – und Aufbruch. Zwischen Partei-Establishment – und Basis. Es geht darum, ob die CDU den Grünen Stimmen abjagen soll – oder der AfD. Ob sie eine Partei der linken Mitte sein will oder – wie vor Merkel – auch wieder das konservative Bürgertum umwirbt. Ob sie sich über den weiteren Ausbau des Sozialstaats definiert – oder wieder mehr über Rechtsstaat, Marktwirtschaft und Grenzschutz redet. Zur Wahl stehen zwei, die sich am Dienstagvormittag bei ihrer Vorstellung locker plaudernd als Seelentherapeuten einer verwundeten Partei empfahlen – und einer, der mit messerscharfen Ansagen sogleich in die Anführer-Rolle schlüpfte. Der kühne Plan, Merz mit einem Posten in Merkels Kabinett abzufinden, konnte nicht aufgehen.

So treibt die Partei, die nach 15 Jahren Merkel-Herrschaft in der „tiefsten Krise ihrer Geschichte“ (so die zutreffende Diagnose des Gesundheitsministers Spahn) steckt, dem nächsten Abgrund entgegen. Ein Quäntchen Trost fand die CDU zuletzt in der Hoffnung, dass sich Sieger und Besiegte nach der Wahl am 25. April über die tiefen Gräben hinweg die Hände reichen. Doch deutet darauf wenig hin. In der Bundespressekonferenz ließ Merz jetzt durchblicken, dass er sich für den Fall einer Niederlage dem neuen Parteichef Laschet als Vize angeboten habe. Doch sei das mit dessen Festlegung auf Spahn nun hinfällig. 

Der nordrhein-westfälische Landesvater mag sich als Teamspieler sehen. Aber im Team des möglichen Wahlsiegers Laschet ist kein Platz mehr für Merz. Der sagt nun, er spiele auf Sieg, nicht auf Platz. Und ein wenig schwingt darin auch eine leise Drohung mit. 

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