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Christian Ude wird auf seinen Platz im Bayerischen Landtag verzichten.

SPD muss sich neu sortieren

Was kommt nach Ude?

München - Die bayerischen Sozialdemokraten müssen sich nach der Landtagswahl ohne ihren Spitzenkandidaten neu sortieren. Wenn es der bekannte Münchner Oberbürgermeister nicht geschafft hat, der CSU an den Karren zu fahren, wer soll es in Zukunft schaffen?

Christian Ude wird am Dienstag Post bekommen, vielleicht auch erst am Mittwoch. Vom Landeswahlleiter. Darin wird stehen, dass es der Münchner OB wenige Wochen vor seinem 66. Geburtstag in den 17. Bayerischen Landtag geschafft hat. Ude, als Spitzenkandidat für die SPD angetreten, wird die Wahl aber nicht annehmen – genau so hatte er es angekündigt. Ein Nachrücker von der Liste wird auf seinen Platz im Plenum rutschen. „Damit macht man sich wahnsinnig beliebt“, scherzt Ude am Montag in München. Er wirkt gelöster als am Sonntagabend, scheint sich von den mäßigen 20,6 Prozent erholt zu haben.

Nun: Die Nachrücker-Personalie steht wohl am Dienstag fest, wenn die Reihenfolge auf den Wahlkreislisten endgültig ausgerechnet ist. Deutlich komplizierter dürfte das Personalproblem der Bayern-SPD sein, wenn Ude sich jetzt wieder auf seinen Münchner Oberbürgermeister-Sessel zurückzieht. Und so lautete die Frage der Wahlnachlese: Wenn es der bekannte, beliebte Ude schon nicht geschafft hat, der CSU an den Karren zu fahren – wer bitte soll in fünf Jahren das Wunder schaffen?

Pressestimmen zur Wahl: "Der Super-Horst"

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Schon länger wird der recht erfolgreiche Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly als aussichtsreicher Kandidat gehandelt. Doch jetzt, so kurz nach der Wahl, bleibt die SPD eine konkrete Antwort schuldig. Generalsekretärin Natascha Kohnen gibt zu: „Die Kraft, die die SPD gewonnen hat, geht auf Christian Ude zurück.“ Landeschef Florian Pronold daneben nickt. Und Markus Rinderspacher tippt auf seinem Handy herum, bleibt auch dann wortkarg, als er seine erneute Kandidatur als Fraktionschef bestätigt. Möglicherweise wird es personelle Konsequenzen in der ersten Partei-Riege geben. Allerdings frühestens in eineinhalb Jahren, sagt Pronold. Dann nämlich wird der Landesvorstand neu gewählt. Bis dahin stehen drei Wahlen ins Haus: Bundestagswahl, Kommunalwahl, Europawahl. „Darauf konzentrieren wir uns“, sagt Pronold ausweichend. Eine erneute Organisationsreform wie vor vier Jahren, um die SPD auf dem Land zu stärken und an der dortigen CSU-Übermacht zu kratzen, schließt er aber nicht aus.

Ansonsten versucht die SPD, das Ergebnis der Landtagswahl in ein gutes Licht zu rücken. Er möchte, sagt Ude, ja gar nix schönreden. „Aber man muss es als das sehen, was es ist – eine Kehrtwende.“ Damit hat er schon Recht: Erstmals seit 1998 holten die Sozialdemokraten im Freistaat wieder mehr als 20 Prozent. Nur: Ursprünglich war Ude mit dem Ziel „25 Prozent“ ins Rennen gegangen.

Jubel und Tränen: Landtagswahl Bayern in Bildern

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Die Bundes-SPD gab ihm das Gefühl, das Ergebnis zu schätzen, berichtet Ude. Gleich in der Früh war er nach Berlin geflogen, hatte sich neben Parteichef Sigmar Gabriel gestellt und erklärt, dass die CSU eigentlich gar nicht so richtig gewonnen habe: „Das Regierungslager hat sieben Abgeordnete weniger“, sagt Ude. Die SPD hingegen hätte vier Mandate dazugewonnen. Und außerdem habe man aus der Opposition heraus alle wichtigen Themen durchgesetzt: Abschaffung der Studiengebühren, sanfter Donauausbau. 14 Minuten dauert der Auftritt, dann drückt Gabriel Ude zum Abschied einen Strauß mit roten Gerbera und Rosen in die Hand. Vielleicht war das auch ein vorgezogener Abschied von dem SPD-Traum, dass der historische Machtwechsel in Bayern halt dann in fünf Jahren in Erfüllung geht.

Carina Lechner

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