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Katrin Habenschaden: „Die Situation wird jeden Tag desolater“

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Von: Christian Deutschländer

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Katrin Habenschaden, Grünen-Politikerin in München
Katrin Habenschaden, Grünen-Politikerin in München © Marcus Schlaf

Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Grünen-Politikerin Katrin Habenschaden Klartext über den öffentlichen Nahverkehr ihrer Stadt.

München - Während Markus Söder in der S4 Richtung Innenstadt fährt, sitzt Katrin Habenschaden (41) in der S4 in der Gegenrichtung. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat kandidiert 2020 als Oberbürgermeisterin. Sie pendelt seit Jahren jeden Tag von Aubing in die Innenstadt.

Wie war’s heute am Bahnsteig – zugig? Kalt? Lang?

Na klar: Es ist immer zugig, im Winter immer kalt. Und die S-Bahnen sind immer öfter unpünktlich. Ich weiß gar nicht mehr, welches Problem es heute wieder gab.

Was hätten Sie Markus Söder heute gesagt, wenn er in genau Ihrer S-Bahn aufgetaucht wäre?

Ich hätte ihn gefragt, warum der Ausbau – gerade auf der S4 – seit Jahrzehnten so verzögert wird. Von einem Verkehrsminister zum nächsten, in Bund und Land, wird das verschoben. Immer mal wieder gibt es Zusagen. Ich erlebe aber, dass die Situation jeden Tag desolater wird. Bei den Ausbauten passiert auf dieser Strecke gar nichts, auch nicht beim barrierefreien Ausbau für Mütter mit Kinderwagen und für Rollstuhlfahrer.

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Wird’s jenseits der S4 insgesamt besser in Münchens ÖPNV?

Der Ausbau in der gesamten Region hält nicht mit dem Bevölkerungswachstum in München und mit den steigenden Pendlerströmen mit. Da bringt uns auch die Planung der zweiten Stammstrecke erst mal gar nichts. Im Gegenteil: Alle Maßnahmen an den S-Bahn-Außenästen werden um 10, 20 Jahre verzögert, weil die neue Stammstrecke alle Ressourcen bei Planung und Geld bindet. An die solitäre Wirksamkeit des Projekts glaube ich nicht. Dabei sind wir erst in einem frühen Planungsstadium.

Woran hakt es denn? Der Staat pumpt doch Milliarden ins Münchner System.

Da bin ich mir nicht so sicher. Der Bund zum Beispiel investiert seit Jahrzehnten viel zu wenig ins Schienennetz. In der Schweiz sind die Ausgaben für die Schiene im Bundesetat zehnmal so hoch, in Österreich fünfmal so hoch wie bei uns. Da sieht man schon die falschen Prioritäten in Berlin.

Es hakt doch auch in München selbst. Jetzt, nach Planungsbeginn der Stammstrecke, fällt dem Rathaus plötzlich ein, man brauche eine U-Bahn-Linie U9. Dummerweise kreuzt sich die mit der Stammstrecke.

Naja, die U9 als Entlastungs-U-Bahn für die Innenstadt macht schon Sinn. Es ist auch richtig, dann auf Vorrat einen Halt am Hauptbahnhof einzuplanen. Was bei der U9 in Wahrheit fehlt, sind die Finanzierungszusagen der anderen Ebenen. Hier bräuchten auch wir im Stadtrat mehr Planungssicherheit.

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Interview: Christian Deutschländer

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