München entgegen bundesweitem Trend

Können Jusos die SPD auf Kurs bringen? „Im sehr reichen München ist Geld da“

  • Klaus Vick
    VonKlaus Vick
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Die Münchner Jusos blicken allen Widrigkeiten der SPD zum Trotz zuversichtlich auf die Kommunalwahl 2020. Mit mehr Leuten als 2014 will man in den Stadtrat. Eine Kernforderung handelt vom ÖPNV.

  • Bundesweit erlebt die SPD sinkenden Zuspruch - Münchner Jusos stemmen sich dem entgegen.
  • Dickes Grundsatzprogramm für mehr Erfolg bei der Stadtratswahl München 2020.
  • Mit diesen Agenda-Punkten möchten die Jusos bei den Wählern punkten. 

München - Es gibt einfachere Ausgangspositionen. Die SPD taumelt gerade von Wahldebakel zu Wahldebakel, die Bundespartei liefert ein Bild der Zerrissenheit ab, Juso-Chef Kevin Kühnert polarisiert mit der Enteignungsdebatte – und gerade bei Jungwählern haben die Sozialdemokraten komplett den Rückhalt verloren. Düstere Aussichten also auch für die Kommunalwahl am 15. März 2020?

Die Münchner Jusos sehen das nicht so. Im Gegenteil. Im vergangenen Sommer haben die Jungsozialisten bei ihrer Unterbezirkskonferenz ein 120 Seiten dickes Grundsatzprogramm beschlossen. Der Juso-Vorsitzende Christian Köning berichtete umgehend bei einer Pressekonferenz von einer Aufbruchstimmung. Und fügt hoffnungsfroh an: „Wir kämpfen für eine sich erneuernde SPD.“ Über mangelnden Rückhalt bei jungen Menschen können sich zumindest die Münchner Jusos nicht beklagen. Binnen weniger Jahre ist die Mitgliederzahl von 1000 auf 1400 gewachsen.

Kommunalwahl 2020: So viele Jusos wie nie auf Münchner SPD-Liste

Entsprechend stark wollen sie auch im Stadtrat repräsentiert sein. 17 Nachwuchsleute werden im Oktober für die 80 Kandidaten umfassende SPD-Liste antreten – so viele wie noch nie. Sechs davon sollen nach den Vorstellungen der Jusos einen aussichtsreichen Listenplatz bekommen. Und sie hoffen dabei auf ein Machtwort von OB Dieter Reiter, der sich in der Vergangenheit mehrmals für eine Verjüngung der Kandidatenriege ausgesprochen hatte.

Wie viele Jusos letztlich einziehen werden, hängt natürlich vom Wahlergebnis der SPD ab. Aber auch da sind die Jungsozialisten optimistisch. Ziel sei es, den Stimmenanteil von rund 30 Prozent zu wiederholen. „Wir glauben daran“, erklärt die stellvertretende Juso-Vorsitzende Lena Odell (34).

Die Dolmetscherin, der Soziologe Köning (30), die IG Metall-Kassiererin Stefanie Krammer (31) sowie die Studenten Benedict Lang und Darryl Kiermeier (beide 24) sind die Spitzenkandidaten der Jusos. Eine ihrer Kernforderungen ist ein ÖPNV zum Nulltarif, weil dies aus sozial- und umweltpolitischer Perspektive sinnvoll sei. „Das wird nicht von heute auf morgen gehen“, sagt Köning. „Aber lasst uns bei einkommensschwachen Gruppen anfangen.“ Ferner sprechen sich die Jusos für eine autofreie Innenstadt oder auch für ein Festhalten an der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) Nordost aus.

Stadtratswahl 2020: „Wir leben in einer reichen Stadt, in der Geld da ist“

Ein weiterer wichtiger Punkt im „Roten Faden 2020“ der Jusos ist der gezielte Bau von Azubi-Wohnheimen. Stefanie Krammer hält es überdies für wichtig, dass Unternehmen bei der Neuausweisung von Gewerbeflächen dazu verpflichtet werden, Mitarbeiterwohnungen zu schaffen. Ein Vorschlag, den unlängst auch der von FC-Bayern-Legende Uli Hoeneß unterstützte OB Reiter ins Spiel gebracht hatte. Weiter auf der Agenda der Jusos: ein neues Schwimmbad für den Münchner Norden, eine flächendeckende Versorgung mit Hebammen oder auch mehr Personal für die Sozialbürgerhäuser. „Die Sozialdemokratie muss sich um Bedürftige kümmern, sonst hat sie keine große Existenzberechtigung“, erklärt Köning. Ob die Verwirklichung all dieser Forderungen nicht auch sehr viel kostet? „Wir leben in einer sehr reichen Stadt, in der Geld da ist“, antwortet der Juso-Chef.

Die Spitzenkandidaten der Münchner Jusos für die Stadtratswahl: (v. li.) Benedict Lang, Lena Odell, Christian Köning, Darryl Kiermeier und Stefanie Krammer strahlen Zuversicht aus (nicht auf dem Bild ist Barbara Likus).

Darryl Kiermeier wünscht sich unterdessen, dass in der Stadt mehr Platz für Kreative geschaffen wird, wobei er der Rathausspitze nicht vorwirft, dass die Kultur kein Gehör fände. „Aber da geht noch mehr“, sagt er. Benedict Lang hält eine bessere digitale Infrastruktur an den Schulen für notwendig. 

Die Jusos wollen indes keine Kritik an der Rathausfraktion oder der Stadtpartei üben. Lang: „Die SPD hat München entscheidend mitgeprägt.“ Aber, so ergänzt Köning: Es gehe auch darum, auf den gesellschaftlichen Wandel und die sich verändernde Stadt zu reagieren und neue Ideen zu präsentieren. Und dazu, da sind sich die Jusos einig, sei vor allem eines notwendig: „Wir müssen auf die Menschen zugehen“, betont Lena Odell.

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