In Bayern stehen die Kommunalwahlen an. (Symbolbild)
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In Bayern stehen die Kommunalwahlen an. (Symbolbild)

Wer bringt Botschaft gut herüber?

Kommunalwahl 2020: Wahl-Plakate im Experten-Check - das „pfiffigste“ hat ein alter Bekannter, doch die AfD hat ein Alleinstellungsmerkmal

  • Sascha Karowski
    vonSascha Karowski
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Tausende Wahlplakate verkünden in der Stadt politische Botschaften und zeigen Gesichter. Wie unterschiedlich das erfolgt, erklärt Kommunikationswissenschaftler Professor Carsten Reinemann von der LMU in München.

München - Dass in München am 15. März Kommunalwahlen sind*, ist an den Straßen längst ersichtlich: Tausende bunte Bilder mit werbewirksamen Dreizeilern prangen dort und machen Wahlwerbung. „Die vielleicht wichtigste Funktion der Plakate ist, die Menschen überhaupt darauf aufmerksam zu machen, dass bald eine Wahl stattfindet“, sagt Professor Carsten Reinemann, Leiter des Instituts für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität.

Dabei haben die Parteien unterschiedlich viel investiert. ÖDP und CSU haben rund 7500 Plakate aufgehängt, die SPD 5000. Bei den Grünen sind es 2600. Ob ein Plakat gelungen ist oder nicht, liege im Auge des Betrachters, sagt Reinemann. „Plakate bieten Bürgern und Medien auch Anlass für Debatten. Von daher gilt: Jede Aufmerksamkeit ist erst mal gut - auch wenn es Kritik gibt.“ Was der Münchner Kommunikationswissenschaftler von den Plakaten hält, erklärt er hier.

CSU

Ein klassisches Personenplakat, das die Kandidatin bekannt machen soll. Hier hat sie ja Nachholbedarf. Direkter Blick in die Kamera, aber vielleicht etwas zu nah. Die Farbwahl ist stimmig in CSU-blauen Schattierungen. Der als vage kritisierte Leitspruch „Wieder München werden“ vermittelt mit der Typografie doch subtil eine Botschaft, die die Wählerschaft der CSU wohl verstehen wird.

Das Wahlplakat der CSU.

Grüne

Auch hier gilt: Bekanntheit ist das Ziel. Bei der Farbe weiß man, mit wem man es zu tun hat. Die inhaltliche Botschaft aber ist noch subtiler als bei der CSU. Man nimmt wohl an, Wähler wissen, was aus Sicht der Grünen jetzt besonders zählt.

Das Wahlplakat der Grünen.

SPD

Das pfiffigste Design, farblich stimmig. Viel weiß - und damit in der Stadt auffällig. Trotz nur drei Worten viel Botschaft vermittelt. Versprechen gehalten, politisch agiert und dabei den Kernwert der Sozialdemokratie vertreten. Das soll herüberkommen.

Das Wahlplakat der SPD.

ÖDP

Stimmiges Plakat, bei dem die Person hinter den Inhalten zurücktritt. An Outdoor-Hersteller oder Kletterhallen erinnernde Typografie, die passende Fluss-Szenerie, der Verweis auf die Bürgerentscheide und die Nennung des Berufs, der Kompetenz vermitteln soll. Passt.

Das Wahlplakat der ÖDP.

FDP

Das typische Design der FDP und ihre bundesweite Botschaft mit bayerischen Rauten und akademischen Titeln umgesetzt. Inhaltlich ebenso vage wie bei der CSU - nur mehr nach vorn gerichtet. Vor allem farblich ein Hingucker.

Das Wahlplakat der FDP.

München-Liste

Eine unbekannte Liste, die nicht davon ausgehen kann, dass sie jeder mit Inhalten verbindet. Deshalb eine richtige Entscheidung für deutlich mehr Inhalt mit recht wenig Person, aber inklusive E-Mail-Adresse und Website. Eigentlich zu voll - vor allem, wenn man nur vorbeifährt -, aber angesichts der Umstände das Beste, was man machen kann.

Das Wahlplakat der München-Liste.

Die Linke

Wieder ein Personenplakat mit zumindest rhetorischem München-Bezug. Look und Lederjacke passen zur Linken im Westen. Der eingeführte, recht große Parteien-Schriftzug verspricht Wiedererkennung.

Das Wahlplakat der Linken.

Freie Wähler

Wieder zumindest etwas mehr Inhalt in der Abgrenzung zu den Regierenden. Janker und Gestik unterstützen die Botschaften. Die Ähnlichkeit von „Damit München München bleibt“ zum Leitsatz der CSU-Kampagne kommt wohl nicht ganz von ungefähr.

Das Wahlplakat der Freien Wähler.

Bayernpartei

Hier macht man nicht viele Worte. Mit Frauenkirche, bayerischem Löwen, Fahnen und Janker ist wohl alles gesagt. Die Stammwähler wissen Bescheid.

Das Wahlplakat der Bayernpartei.

AfD

Hoher Wiedererkennungswert durch die bekannte Farbe und das Design. Als einzige zeigt die Partei einen QR-Code, der zu einem Youtube-Video führt. Interessant, weil Social Media für die AfD besonders wichtig sind. Ansonsten ein Plakat mit Schwerpunkt auf dem Kandidaten, in dem die Themen - mit Ausnahme des Verweises auf die Kompetenz - klein ganz unten angerissen werden. Keine krassen Töne, die in München unpassend wären.

Das Wahlplakat der AfD.

Das Kandidaten-Karussell vor der OB-Wahl in München nimmt Fahrt auf, wie merkur.de* berichtet. Auch eine Übersicht über die Kandidaten gibt es aus auf dem Portal. Vor der Kommunalwahl greifen neue Regelungen, die auch die Wahlplakate betreffen - auch dies thematisiert merkur.de* 

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Sascha Karowski

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