Eine Frau trägt ein Werbe-T-Shirt für den Wahl-O-Mat.
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Einen Wahl-O-Mat gibt es für die Kommunalwahl 2021 in Hessen zwar nicht. Aber regional gibt es Alternativen.

Welche Partei wählen?

Wo gibt es einen Wahl-O-Mat für die Kommunalwahl 2021 in Hessen?

  • Robert Märländer
    vonRobert Märländer
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  • Jonas Napiletzki
    Jonas Napiletzki
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Viele Wähler:innen nutzen einen Wahl-O-Mat, um sich vor Wahlen zu orientieren. Bei der Kommunalwahl in Hessen stehen alternative Tools zur Verfügung.

Wiesbaden - Bei Wahlen in Deutschland orientieren sich Millionen Menschen gerne am Wahl-O-Mat. Das bekannte Online-Tool zeigt übersichtlich an, mit welchen Parteien ein Wähler die meisten inhaltlichen Schnittmengen hat. Wenn am 14. März 2021 die Kommunalwahlen in Hessen stattfinden, werden sich womöglich viele Wähler:innen so einen Wahlhelfer wünschen. Ganz so einfach wie bei anderen Wahlen ist das aber nicht, wenn es um die Ämter in Städten, Gemeinden und Landkreisen geht.

Wahl-O-Mat für die Kommunalwahl 2021 in Hessen?

Ganz kurz gesagt: Nein, den „originalen“ Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es nicht für die Kommunalwahlen 2021 in Hessen. Das liegt keineswegs am Bundesland Hessen, sondern an der Art der Wahl. Bei Kommunalwahlen ist prinzipiell kein Wahl-O-Mat verfügbar. Das liegt daran, dass nicht alle Wähler:innen an der Wahlurne über die gleichen Themen abstimmen können.

In der Kommunalpolitik geht es darum, wer in der eigenen Stadt oder Gemeinde beziehungsweise im ganzen Landkreis das Sagen haben soll. Mit einem einheitlichen Wahlhelfer für das ganze Bundesland kommt man deshalb nicht weit. Ein Wahl-Tool kann immer nur ganz konkret den Wähler:innen in einer einzelnen Region helfen.

Wahl-O-Mat-Alternative „VOTO“ für vier hessische Städte

Inzwischen gibt es auf kommunaler Ebene immer wieder Initiativen, die das Konzept des Wahl-O-Mats auf die kleinere Ebene übertragen. Sie können deshalb regional begrenzt als Alternative zum Wahl-O-Mat fungieren. Ein Beispiel dafür gibt es auch bei der Kommunalwahl 2021 in Hessen. Für die Städte Frankfurt am Main, Fulda, Marburg und Offenbach am Main soll die App „VOTO“ weiterhelfen.

Die Bedienung von „VOTO“ und die anschließende Auswertung der Antworten sind eng an das Vorbild Wahl-O-Mat angelehnt. Auch bei diesem Wahlhelfer erhalten Wähler:innen eine Reihe von Thesen vorgelegt, die sie beantworten sollen. Die örtlichen Kandidat:innen haben das gleiche getan, wodurch sich die Übereinstimmung zwischen den Antworten der Wähler:innen und der Kandidat:innen errechnen lässt. Hier liegt der wesentliche Unterschied zum Wahl-O-Mat, der die Parteien um ihre Antworten bittet. Für die Kommunalwahl in Hessen sind es die Kandidaten, die im Mittelpunkt stehen. Auf den Stimmzetteln in Hessen können die Wähler:innen später auch die Kandidat:innen einzeln ankreuzen.

Entworfen wurden die Thesen von jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren, die aus den oben genannten Städten kommen. Sie wurden dabei von Politikwissenschaftlern und Lokaljournalisten unterstützt. Das entspricht ungefähr der Vorgehensweise, die es auch bei jedem neuen Wahl-O-Mat gibt.

Frankfurt am Main: Wahl-o-Mat-Alternative „Wahl-Kompass Frankfurt 2021“

Einwohner der Bankmetropole Frankfurt am Main können zudem den „Wahl-Kompass“ der Frankfurter Rundschau nutzen. Die Wahl-O-Mat-Alternative der Tageszeitung wurde von der Universität Münster entwickelt und ermittelt interaktiv, welche Listen den Nutzer:innen gefallen könnten.

Das Prinzip funktioniert ähnlich wie das des Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Frankfurter Rundschau hat dafür alle Listen angeschrieben, die bei der Kommunalwahl am 14. März in Frankfurt antreten - und anschließend 30 Thesen erstellt, zu denen Wähler:innen Stellung nehmen können.

Das Besondere bei der Wahl-O-Mat-Alternative für Frankfurt ist die grafische Darstellung des Ergebnisses in einer Art Koordinatensystem. Während die horizontale Achse im Wahl-Kompass die eigene Position und die der Parteien mit den Endpunkten „links“ und „rechts“ einstuft, unterscheidet die vertikale Achse zwischen der Nähe zu „progressiv“ und „konservativ“.

Links und Rechts bezieht sich dabei auf wirtschaftliche und soziale Themen, „zu denen allgemein zum Beispiel Steuern, soziale Gerechtigkeit, öffentliche Investitionen und Kontrolle der Wirtschaft zählen“. Diese Begriffe seien an verbreitete Definitionen in der Politikwissenschaft angelehnt, schreiben die Entwickler. Vereinfacht gesagt bedeute „links“ in dem Wahl-Tool, dass der Staat viel Kontrolle über gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse hat und „rechts“, dass sich der Staat aus der Wirtschaft heraushält und jeder für sich selbst verantwortlich ist.

„Konservativ“ meint dem Anbieter zufolge, dass man traditionelle Werte- und Lebensvorstellungen vertritt, beispielsweise bei Familienbildern, Veränderungen kritisch sieht und Zuwanderung ablehnt. „Progressiv“ stehe für Offenheit bezüglich alternativer Lebensweisen und Werte, Multikulturalismus und den ökologischen Umbau der Gesellschaft. „Zu den Themen auf dieser Achse gehören vor allem Fragen aus den Bereichen Glaube/Ethik, Zuwanderung und Ökologie.“

Wahl-O-Mat-Alternative: Zwei Ergebnisse - Unterscheidung zwischen politischer Nähe und Fragen-Übereinstimmung

Die Entwickler der Universität unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Kersting und Jan Philipp Thomeczek betonen: „Der Wahl-Kompass ist ein wissenschaftliches Projekt der politischen Bildung und mit keinerlei Parteien, Kandidatinnen/Kandidaten oder Regierungsmitgliedern verbunden.“

Am Ende der 30 Fragen erhalten Nutzer:innen zwei Ergebnisse: Zum einen die räumliche Einordnung im Koordinatensystem, bei dem die umliegenden Parteien angezeigt und die nächstliegende hervorgehoben wird. Zum anderen erhalten Nutzer ähnlich wie beim Wahl-O-Mat der Bundeszentrale ein Ranking, das die Partei mit den meisten Übereinstimmungen an die Spitze stellt.

Die Berechnung der eigenen Position im Koordinatensystem sowie die der Parteien erfolgt laut dem Wahl-Kompass über den Durchschnittswert der jeweiligen Antworten. Hier seien zwei Faktoren ausschlaggebend: welcher der zwei Bereiche die Aussage angehört (dies werde im Vorfeld durch wissenschaftliche Verfahren festgelegt) und wie stark die Nutzer:innen der Aussage zustimmen.

Die Berechnung der Übereinstimmung im Ranking erfolgt indes auf einer anderen Basis als diejenige, die zur Berechnung der “nächsten Partei” im Koordinatensystem herangezogen wird. Daher „ist es möglich, dass diese Ergebnisse voneinander abweichen“. (rm/nap)

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