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Die Politik tummelt sich im Netz: Ein – nicht vollständiger Überblick – über die Facebookprofile einzelner Kandidaten und Parteien. Eine gute Gelegenheit, die Politiker auch privat kennenzulernen.

Kommunalwahl 2020

Virtuelle Wählerwerbung: Die Landkreis-Politiker auf Facebook

Das Facebook-Publikum wird älter, viele junge Menschen nutzen lieber andere Plattformen. Ältere Menschen haben das soziale Netz für sich entdeckt. Politiker auch.

Erding Die Sinnhaftigkeit von Wahlplakaten wird in Zeiten von Nachhaltigkeit und sozialen Medien immer wieder hinterfragt. Ein Blick auf die Facebook-Seiten und Profile der Kandidaten und Parteien zeigt einerseits, wie intensiv der Wahlkampf digitalisiert ist, und andererseits eine Gemeinsamkeit zwischen Facebook und Politik: Beides ist bei älteren Menschen beliebter als bei jungen. Und auch die Zielgruppe der Wahlkämpfer sind nicht unbedingt die 20-Jährigen. Mit einer Ausnahme.

Die Partei Dorfen gibt sich keine Mühe, seriös zu wirken. Warum auch? Die Satirepartei, die einen 21-jährigen Studenten ins Rennen ums Dorfener Bürgermeisteramt schickt, überlegte bei ihrer Aufstellungsversammlung, einen Hund auf die Stadtratsliste zu setzen. Dementsprechend schauen auch die Posts auf Facebook aus. Niemand im Wahlkampf teilt so viele Memes. Das sind Medieninhalte mit meist humoristischen und aufheiternden oder gesellschaftskritischen Aussagen, ein Phänomen der Netzkultur. Es ist genau der Auftritt, den man von einer Gruppe erwartet, die in Dorfen LSD ins Trinkwasser mischen und einen Tiefseehafen bauen will. Besonders oft wettert die Seite übrigens gegen die AfD.

AfD verbreitet Fake-News

Die Seite der Rechtspopulisten ist übrigens die mit den meisten Likes: Über 2600 Menschen folgen ihr. Keine andere Partei im Landkreis hat mehr Abonnenten. Der AfD-Kreisverband Erding ist aber gleichzeitig auch die einzige Seite, die offensichtliche Lügen auf Facebook verbreitet. In einer Stellungnahme zur Silvesterpredigt des Erdinger Stadtpfarrers schreibt AfD-Mann Wolfgang Kellermann, den rechtsextremen Mord am hessischen CDU-Politiker Walter Lübcke relativierend: „Vergessen Sie bitte nicht, dass wir mindestens genausoviele links motivierte Straftaten und sehr viele Straftaten von Merkels Gästen haben!“ Ein Blick auf die Statistiken des Bundesinnenministeriums zeigt: Im Jahr 2018 wurden über 20 000 politische Straftaten aus der rechten Szene registriert. Die Zahl der linksmotivierten Kriminalfälle liegt bei knapp 8000. Einer ausländischen oder religiösen Ideologie können rund 3000 Fälle zugerechnet werden.

Facebook? Was ist das?

Nicht wirklich mit Facebook beschäftigt haben sich dagegen wohl die Parteien und Wählergruppierungen in Ottenhofen. Keine von ihnen hat eine Facebook-Seite.

Ähnlich die Lage in Oberding. Die Wählergruppen der fünf Ortschaften sind auf Facebook nicht präsent. Die CSU schon, der letzte geteilte Beitrag ist sechs Jahre alt.

Erding Jetzt und die CSU Moosinning-Eichenried haben dagegen je zwei Facebook-Seiten: eine aktuelle und eine alte, auf der schon lange Funkstille herrscht. Kurios ist es auch bei der SPD Isen. Auf der Marktratsliste der Genossen sind 14 Kandidaten aufgestellt, die Facebook-Seite hat allerdings nur sieben Likes. Bei der AWG Forstern stehen 19 Kandidaten immerhin 19 Follower gegenüber. Immerhin 23 Personen folgen der Wählergemeinschaft Gemeinsames Neuching – obwohl die Seite nicht ganz so leicht zu finden ist. Sie heißt nämlich schlicht WGN Neuching.

Mit dem Elektroauto durch Moosinning

Nachhaltig unterwegs sind die Parteifreien und SPD Moosinning-Eichenried: Mit einem Elektroauto fuhren die Seitenbetreiber in der letzten Dezemberwoche in alle Moosinninger Gemeindeteile und teilten Fotos, auf denen die Ortsschilder und besagter Wagen zu sehen sind.

Deutlich weniger Wahlkampf gibt es auf den privaten Profilen der Bürgermeisterkandidaten. Viele schreiben gar nichts oder teilen ihre Beiträge nicht-öffentlich. Bei einigen gibt es aber auch wenig Privates, und alles dreht sich um die Kommunalwahl.

Zwei Kandidaten auf einem Foto

Eine Mischung aus allem ist auf dem Profil der Bockhorner Kandidatin Sabine Huber (CSU und Unabhängige Bürger Bockhorn) zu sehen. Dort kann man auch bestaunen, wie friedlich der Wahlkampf in Bockhorn wohl vorangeht: Die CSU-Frau teilte ein gut gelauntes, freundschaftliches Foto mit Walter John (Grünbacher Liste) beim Austernverkauf. John kandidiert ebenfalls in Bockhorn.

Erstaunlich ist auch, dass auf dem Profil von Kalle Oefele (Die Partei) keine öffentlichen Beiträge zu finden sind, wo seine Partei doch so aktiv ist. Oefele scheint Wert auf seine Privatsphäre zu legen – und auf Nazifreiheit, wie es in seinem Titelbild zu sehen ist. Strikt zwischen Politischem und Privatem trennt wohl auch Alexander Gutwill (SPD). Der 41-Jährige ist der einzige Bürgermeisterkandidat, der seinen Wahlkampf nicht über ein Profil, sondern eine eigene Seite betreibt.

Max und Max – Die (fast) identischen Profile

Im Großen und Ganzen sind sich die meisten Kandidatenprofile und Parteiseiten aber inhaltlich ähnlich. Die Profile von Erdings und Finsings Bürgermeistern sind sogar fast identisch. Nicht nur das, beide haben auch noch den gleichen Vornamen. Sowohl Erdings OB Max Gotz (CSU) als auch sein Finsinger Kollege Max Kressirer (Wählergruppe Eicherloh-Finsingermoos) haben ein Profilfoto und ansonsten nur ein Titelbild, das das Erdinger beziehungsweise Finsinger Rathaus zeigt. Alles andere haben sie gar nicht oder nicht-öffentlich geteilt. Gotz galt lange als erklärter Gegner der sozialen Medien, die er schon mal als „asoziale Medien“ schalt. Und dennoch hat er erst vor wenigen Tagen ein Profil angelegt. Bisher hat Gotz nur einen Videoblog auf der Stadt-Homepage. Auch Landrat Martin Bayerstorfer ist noch neu bei Facebook. Anfangs stellte er dort seine Familie vor. Mittlerweile stellt er Bilder von Terminen ein und verlinkt Artikel.

AfD-Mann seit 23 Jahren Republikaner

Ein bisschen kontraproduktiv für seine Partei ist das Profil des Taufkirchener AfD-Kandidaten Martin Huber. Aktiv ist er auf Facebook offenbar nicht mehr, sein letzter öffentlicher Beitrag ist aus dem Jahr 2013. Darin heißt es, er sei seit 23 Jahren Mandatsträger der Republikaner.

Auch das deutlich jugendaffinere Instagram wird zur Wahlkampfbühne. Täglich kommen neue Gruppierungen und Kandidaten dazu. Posten kann man hier aber nur Bilder.

Mayls Majurani

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben hat der Landrat?

Service

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Erding, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Erding.

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