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Daumen hoch: SPD-Bürgermeisterkandidat Matti Müller (Mitte) ist optimistisch, was seine Chancen in Herrsching angeht.

Kommunalwahl 2020 in Herrsching

Matti Müller ist Bürgermeisterkandidat der SPD

Kommunalwahl 2020: Die Herrschinger SPD hat den 52 Jahre alten Matti Müller am Freitagabend zu ihrem Bürgermeisterkandidaten gewählt.

HerrschingSPD-Listenkandidatin Kerstin Bernecker sieht in ihm eine „Riesenchance“, SPD-Gemeinderat Hans-Hermann Weinen hatte dagegen „Zweifel“. Bei einer Enthaltung wählten 14 von 15 Genossen den 52 Jahre alten Rechtsanwalt Matti Müller am Freitagabend im Restaurant Ammersee-Blick zu ihrem Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl 2020.

Dabei musste der zweifache Familienvater aus Augsburg in der Aufstellungsversammlung des SPD-Ortsvereins gleich lokalpolitisch Stellung beziehen. „Was halten Sie vom Alkoholverbot ab 22 Uhr an der Seepromenade?“, fragte Adrian Fuchs. Der 21-jährige Listenkandidat machte keinen Hehl daraus, dass er die Entscheidung des Gemeinderats nicht unterstützt. Nach einer kurzen Einweisung durch Ortsvorsitzenden Werner Odemer schüttelte Müller einen Teil der Antwort sozusagen aus dem Juristenärmel: Die Polizei könne nur für Ruhe sorgen, „wenn das Gesetz gebrochen wird“, sagte er. Ihn überrasche allerdings, dass sich der Ratsbeschluss gegen die Jugendlichen richte.

Kommunalwahl 2020: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?

Darauf reagierte Gemeinderat Weinen umgehend: „Das stimmt nicht“, sagte er. Das Verbot gelte für alle. Und Müllers Vorschlag, einen Jugendsozialarbeiter als Prävention gegen Randalierer und Schmierfinken loszuschicken, sei in Form eines Streetworkers bereits auf den Weg gebracht.

Derzeit lebt Müller mit seiner Familie in Diedorf bei Augsburg. Herrsching sei für ihn ein „nicht so bekannter Ort“, gab er zu. Auch den Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1999 kenne er nicht, den er im Falle seiner Wahl aber neu auflegen wolle. „Ich gehe davon aus, dass das Klimathema nicht eingebaut ist“, mutmaßte er in seiner Rede.

Lokalpolitisch werden die Genossen den Augsburger bis zur Wahl noch auf Vordermann bringen müssen. Dennoch sieht Müller sein Leben außerhalb der Landkreisgrenze als Chance. „Ich habe den Blick des Außenstehenden“, gab er sich selbstbewusst. Er könne neutral agieren und habe den „unverstellten Blick und Überblick durch Erfahrung“. Erfahrung etwa aus seiner Zeit als Bürgermeister im schwäbischen Oettingen von 2008 bis 2014 (wir berichteten). „Die Behörden nutzen es aus, wenn man nicht weiß, was im Gesetz drinsteht“, sagte der Bürgermeisterkandidat. Als Anwalt kenne er die Paragrafen nicht nur, sondern verstehe sie.

Als Themen nannte er Verkehr, Klimaschutz, Wirtschaftsförderung „für Jobs vor Ort“, Förderung der Vereine oder bezahlbares Wohnen. Und er lege Wert auf Bürgerbeteiligung. „Gemeinsam mit den Bürgern möchte ich eine Vision für Herrsching in 20 Jahren entwickeln.“ Mit seiner Vorstellung erntete Müller viel Zustimmung. Nur Weinen ist zurückhaltend: „Meiner Meinung nach fehlt der Heimatbezug“, sagte er. Und er fand es problematisch, dass der SPD-Kandidat nicht auf der Liste für den Gemeinderat steht.

Alle Bürgermeisterwahlen 2020 im Kreis Starnberg

Wer kandidiert wo? Wir bieten Ihnen einen Überblick über alle Bürgermeisterwahlen 2020 im Landkreis Starnberg.

VON MICHÈLE KIRNER

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