Amtsinhaber Reiter (SPD) hatte Podiumsdiskussion wegen Terminen abgesagt

Duell der Herausforderinnen: Frank (CSU) und Habenschaden (Grüne) erklären ihre Visionen für München

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Wo kann in München günstiger Wohnraum entstehen, wie soll eine Verkehrswende gestaltet werden? Die beiden OB-Kandidatinnen Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Grüne) gaben bei einer Podiumsdiskussion der Privatbank Donner & Reuschel im Rahmen des Perspektivtages Antworten auf diese Fragen.

  • Gegen den seit 2014 regierenden Münchner Oberbürgermeister (OB) Dieter Reiter (SPD) treten als Favoriten auf eine Stichwahl Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Grüne) an.
  • Bei einer Podiumsdiskussion sprachen Frank und Habenschaden über ihre Visionen für die Stadt.
  • Auch Amtsinhaber Dieter Reiter sollte beider Podiumsdiskussion teilnehmen, ließ sich aber aus Termingründen entschuldigen.

München – Der ein oder andere Münchner dürfte am Wochenende Post von der Stadt bekommen haben. Das Kreisverwaltungsreferat hat die Wahlbenachrichtigungen verschickt. Am 15. März sind mehr als 1,1 Millionen Münchner aufgerufen, einen neuen Stadtrat und einen Oberbürgermeister zu wählen – möglicherweise auch einen neuen. Chancen darauf, Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) vom Thron zu stoßen, rechnen sich Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Grüne) aus. Welche Ideen die Herausforderinnen haben, darüber sprachen sie am Samstag bei einer Podiumsdiskussion der Privatbank Donner & Reuschel im Rahmen des Perspektivtages vor rund 300 Zuhörern im Hotel Andaz. Dieter Reiter hatte aus terminlichen Gründen abgesagt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis und Rathaus-Reporter Klaus Vick.

Die beiden Duellantinnen Kristina Frank (li.) und Katrin Habenschaden stellten sich auch den Fragen der Zuschauer.

Die Zukunft des Wohnens und des Verkehrs in der Stadt, das sind die zentralen Fragen, auf die der künftige Rathaus-Chef Antworten finden muss. Einig sind sich die beiden Politikerinnen, dass München weiter Wohnungen bauen und dass es eine Verkehrswende geben muss. Allein über die Ausgestaltung scheiden sich die Geister.

Kommunalwahl 2020 in München: Verkehrswende als ein Hauptthema

„Eine gute Verkehrswende gaukelt nicht vor, dass der Platz so beibehalten werden kann“, sagte Katrin Habenschaden. Sie möchte den Raum neu verteilen, den ÖPNV stärken, um damit mehr Leute zum Umsteigen zu bewegen. „Zurzeit ist er noch keine Alternative.“ Würde Habenschaden Oberbürgermeisterin, das Auto-Tunnel-Projekt Landshuter Allee wäre passé. „Tunnel werden nichts am Verkehrsaufkommen ändern. Das sieht man am Luise-Kiesselbach-Tunnel. Da staut sich der Verkehr dennoch, das Einfädeln ist schwieriger geworden, und die Schadstoffe verschwinden nirgendwo hin.“ Man müsse sich fragen, ob man die Gelder für die Baukosten nicht umschichten und beispielsweise in den Ausbau des Nahverkehrs investieren könne.

Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis moderierte die Veranstaltung gemeinsam mit Rathaus-Reporter Klaus Vick.

Kristina Frank freilich hat da einen anderen Ansatz: „Wir wollen dreidimensional denken. Mit dem Landshuter- Allee-Tunnel schaffen wir nicht nur die Autos unter die Erde, sondern auch Flächen oberirdisch.“ Frank verwies auf den kosmetischen Effekt des Tunnelbaus. „Wir vereinen ein Viertel. Wie gut das funktionieren kann, sieht man am Petueltunnel.“

Bei der Verkehrswende will die Kommunalreferentin auf ein Miteinander statt ein Gegeneinander setzen. Und sie forderte ein Gesamtkonzept für die Stadt ein. „Wir lehnen ein Stückwerk ab. Es ergibt keinen Sinn, wenn man lediglich in Abschnitten denkt, ohne zu berücksichtigen, wohin sich der Verkehr verlagert.“ Verkehrswende bedeute für sie auch, dass der ÖPNV radikal vergünstigt werde und die U-Bahn rund um die Uhr fahre. Dass die U-Bahn nachts ihren Betrieb einstelle, sei einer Großstadt wie München nicht würdig.

Kommunalwahl 2020 in München: Das sagen Frank und Habenschaden zur Bauentwicklung

Unwürdig sei auch der Gedanke, die Stadt solle nicht mehr bauen. „Das ist nicht münchnerisch“, sagte Frank. Man brauche eine gute Bewältigung der Bugwelle, die Rot-Grün geschuldet sei. „Aber eine Mauer brauchen wir nicht.“ Sie will aber genau hinschauen, jedes Viertel einzeln betrachten. Das gelte auch für Hochhäuser. „Innerhalb des Mittleren Rings passt das für mich nicht.“

Rund 300 Zuhörer verfolgten die Podiumsdiskussion.

Hochhäuser seien ohnehin keine Lösung für den Bau günstiger Wohnungen, sagte Habenschaden. „Die sind in der Entstehung sehr teuer. Aber an geeigneten Stellen können wir es vertragen.“ Beispiel sei das mögliche Neubaugebiet im Münchner Nordosten. Dort gebe es viele ökologisch hochwertige Flächen. „Wenn man von den 600 Hektar nur einen Teil bebauen kann, dann muss man in die Höhe, selbstverständlich abgestimmt auf die umgebende Bebauung.“ Denn: Der Bedarf nach bezahlbaren Wohnungen sei hoch. „Wir haben über 9000 Menschen auf der Vormerkliste, weil die in München keine Wohnung finden.“

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In dem Zusammenhang streben beide Kandidatinnen auch eine verzahntere Zusammenarbeit mit den Anrainer-Landkreisen an. Frank: „Das Stadtoberhaupt lässt sich auf den Regionalkonferenzen nur sehr, sehr wenig blicken.“ Habenschaden sagte: „Wir wollen einen Regionalrat schaffen. Verkehr, Wasser, Luft – diese Themen machen an der Stadtgrenze nicht halt.“

Rathaus-Reporter Klaus Vick.

Auf die Frage der beiden Moderatoren, ob sie bei einer eventuellen Stichwahl gegen Dieter Reiter dann die andere Kandidatin unterstützen würden, schmunzelten beide und erklärten: „Schaun wir mal.“ Für den Fall, dass bei der OB-Wahl ein Kandidat nicht mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt, findet am 29. März eine Stichwahl statt. Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis hatte bereits zu Beginn der Veranstaltung gewitzelt, dass es München mit den beiden sympathischen und kompetenten Herausforderinnen jedenfalls besser ergehe als den armen Thüringern. „Schau mer mal, wie oft wir am Ende wählen müssen.“

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Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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