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Kam schon bei seinem Amtsantritt als Bürgermeister gut zurecht: Alfons Besel, Rathauschef in Gmund, ist ein Verwaltungsprofi. 

Der Gmunder Bürgermeister Alfons Besel (FWG) im Interview

„Fachleute im Rathaus sind das A und O“

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In 14 von 17 Gemeinden im Landkreis Miesbach werden neue Bürgermeister gewählt. Alfons Besel (FWG) in Gmund kann sich entspannt zurücklehnen, denn er steht nicht zur Wahl. 

Gmund – 2018 hatte Besel die Stichwahl gegen den Mitbewerber Franz von Preysing (CSU) mit 53,26 Prozent gewonnen. Bis 2024 bleibt er erst mal im Amt. Der 53-Jährige ist Verwaltungsfachmann und kennt sich schon von Berufs wegen bestens mit der Führung eines Rathausbetriebs aus. Rund hundert Personen arbeiten für die Gemeinde, im Rathaus gibt es 22 Voll- und Teilzeit-Beschäftigte. Wir haben mit Alfons Besel darüber gesprochen, wie ein Bürgermeister Einfluss auf die Gemeindeverwaltung nehmen kann.

Herr Besel, etliche Bürgermeister, die ringsum gewählt werden, haben mit dem Thema Verwaltung nicht viel am Hut. Wie wird man eigentlich ausgebildet zum Bürgermeister?

Der bayerische Gemeindetag bietet eine Seminarreihe für neu gewählte Bürgermeister an, da kann man sich verwaltungstechnisch die Grundlagen holen. Zudem gibt’s von der bayerischen Verwaltungsschule entsprechende Fortbildungslehrgänge, wo man sich einen soliden Grundstock erarbeiten kann.

Vier Wochen, und dann kann man’s?

Oh nein! Nach drei bis vier Seminaren zu Themen wie Baurecht, Finanzwesen und Kommunalrecht sollte man zwar schon im Sattel sitzen, denn man hat keinen Welpenschutz, ist ab dem ersten Tag im Amt Entscheidungsträger und damit voll verantwortlich für alles. Man wird in gewisser Weise ins kalte Wasser geworfen. Schon deshalb braucht’s eine gute Verwaltung. Ohne die geht’s nicht. Respekt habe ich schon, wenn einer aus einem fremden Beruf kommt, allerdings haben auch Handwerksmeister gute Kenntnisse, was Recht und Personalführung betrifft.

Sie hatten es da relativ einfach.

Ja, bei mir ging’s ohne Probleme, da ich 13 Jahre Geschäftsleiter in Gmund und zuvor schon 17 Jahre dort im Bauamt war. Dann war ich ja Abteilungsleiter im Landratsamt. Ich war also gut vorbereitet und hatte kein Problem mit dem Verwaltungsmanagement.

Was haben Sie konkret geändert im Rathaus, als sie Bürgermeister wurden?

Ich habe nichts Wesentliches geändert, weil ich die Verwaltung ja selber 13 Jahre lang mitgestaltet habe. Kleinigkeiten habe ich dennoch eingeführt, zum Beispiel einmal im Monat eine Personalbesprechung, wo alle im Rathaus zusammenkommen und ich über Sitzungen, Vorhaben und politische Ziele informiere, damit die Verwaltung mit im Boot ist. Zudem haben wir einen Jour-Fix mit unseren Kindergarten- und Krippenleiterinnen. Darüber hinaus nimmt man als Bürgermeister auch im täglichen Miteinander Einfluss. Wir haben einen offenen Ton hier und ein ausgezeichnetes Team, wofür ich sehr dankbar bin.

Alle Mitarbeiter wissen, was zu tun ist. Läuft ein Rathaus von alleine?

Schon mit meinem Vorgänger Georg von Preysing habe ich ein Fortbildungsbudget eingeführt. Uns war klar, dass gute Fachleute im Rathaus das A und O für eine Gemeinde sind, auch im positiven Sinn für jeden Gemeindebürger. Denn je besser er hier im Rathaus beraten wird, desto stärker ist seine Position gegenüber Fachbehörden.

Sind diese Fortbildungen Pflicht?

Nein, das haben wir für uns entschieden. Ich muss jeden tarifrechtlich gleich bezahlen, und da ist es mir doch lieber, wenn ich gut ausgebildetes Personal habe. Wir Gemeinden leiden genauso wie die freie Wirtschaft unter einer überbordenden Bürokratie, wo man viel Zeit und Energie vertut, damit die Regelungen rechtskonform umgesetzt werden.

Da tut man sich als Verwalter leichter.

Es gilt der Satz: Gelernt ist gelernt.

Was würden Sie den neuen Bürgermeistern raten und wünschen?

Aus Sicht des Bürgermeisters, dass er hinter jedem Mitarbeiter auch den Menschen sieht. Und aus Sicht des Verwalters, dass er ein qualifiziertes Personal vorfindet, beziehungsweise, dass er dafür sorgt, dass sich die Leute qualifizieren können.

Müssen Sie sich auch fortbilden?

Ich besuche immer wieder Fortbildungen, zum Beispiel zu Verkehrsrechtsfragen, zu Haftungsfragen oder zu kommunalrechtlichen Neuerungen. Es gibt immer wieder Änderungen im Rechtswesen, da sollte ein Bürgermeister schon Bescheid wissen, weil jede Entscheidung rechtlich fundiert sein muss. Lebenslanges Lernen ist sowieso mein Prinzip.

Sind Sie zufrieden, wie es seit Ihrem Amtsantritt läuft?

Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Zu Beginn musste ich mich erst in die repräsentative Rolle des Bürgermeisters einfinden. Dagegen bringen die neuen Aufgaben erstaunlich schnell die Wende vom Verwaltungsmenschen per se zum Gestalter.

Zu dieser Serie

Bis zur Kommunalwahl am 15. März sind wir in jeder der 17 Städte und Gemeinden im Landkreis zu Gast, um die Bedeutung kommunalpolitischer Themen an praktischen Beispielen zu erläutern.

Alle Infos und Termine zur Kommunalwahl lesen Sie hier.

Alle News und Themen zur Kommunalwahl 2020 im Landkreis Miesbach finden Sie auf unserer großen Themenseite.

gr

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