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Peter Gauweilerist seit 2013 Vize-Chef der CSU

Interview mit Peter Gauweiler

„Freunde, geht zu den Nichtwählern hin“

München - Die Aufholjagd der CSU bei den Kommunalwahlen ist in der Summe ausgeblieben. Wie geht’s weiter? CSU-Vize Peter Gauweiler über das Wahlergebnis, seinen Chef Seehofer und dessen Karriere-Ende 2018.

Was lehrt uns die Niederlage über die Zukunft von Seehofer? Wir fragen Parteivize Peter Gauweiler (64) aus München.

Unter 40 Prozent für die CSU bei der Kommunalwahl, das schlechteste Ergebnis seit fünf Jahrzehnten – zufrieden?

(lacht) Man ist als stellvertretender Parteivorsitzender ein Stück weit zum Schönreden verpflichtet. Also: Die CSU ist in etwa auf dem Stand der Kommunalwahl von 1990. Kommunalwahlen in Bayern bewegen sich immer auf einer anderen Ebene als Wahlen für Bund und Land. Sie sind weniger Parteiwahlen als örtliche Persönlichkeitswahlen.

Fehlen in zu vielen Orten geeignete CSU-Persönlichkeiten? Kandidieren zu viele Blässlinge?

Wir haben eine Reihe eindrucksvoller Persönlichkeiten, die Bayern im Kommunalen vertreten. Aber es gibt eben auch katastrophale Ergebnisse in vermeintlichen Hochburgen. An manchen Orten hat die CSU auch das zusätzliche Problem, dass starke Freie Wähler uns Stimmen kosten. Das sind ja bestimmt keine Linken, sondern nahe Verwandte der CSU und – wie sich vor wenigen Monaten gezeigt hat – wieder treue Wähler der CSU auf Bundes- und Landesebene.

Schockt Sie die niedrige Wahlbeteiligung?

Auch wenn uns das aufregt: Es gibt ein Recht, unpolitisch zu sein. Auch das ist Freiheit, niemand wird zum Wählen gezwungen. Wenn wir aber jetzt in der Stichwahl eine Stadt wie München holen wollen, rufe ich meiner CSU zu: Liebe Freunde, kümmert euch mehr um die Nichtwähler. Wir müssen zu denen hingehen, die gar nicht wählen waren.

Ihr Parteichef hat in einem koketten Satz gesagt, er fühle sich fit für eine Kandidatur 2018, stehe aber zu seiner Rückzugs-Ankündigung. Sie haben ihn gleich angefeuert: Soll Seehofer länger bleiben?

Ich fand die Idee sehr gut. Wir alten CSUler haben schon großen Respekt, wie er die Partei 2008 aus ihrem Loch herausgeholt hat.

Meinen Sie’s ernst oder wollten Sie gemeinsam nur ein bisschen die vielen Kronprinzen erschrecken?

Wir haben uns da nicht abgesprochen. Seine möglichen Nachfolger haben jetzt herausragende Aufgaben, ganz wichtige Querschnittsministerien. In dieser exekutiven Führung können sich Politiker bewähren. Das wird sich in den kommenden Jahren weisen.

Was an Seehofer oft vermisst wird, ist die klare Linie, das große Ziel – auch gegen Widerstände. Erkennen Sie es?

Sie kennen ja den alten, halb ernsten Satz von Strauß: Manchmal müssen wir unsere Grundsätze so hoch hängen, dass wir zur Not auch mal unten durch laufen können. Seehofer hat schon ein ganz klares Prinzip: Die Parteinahme für die kleinen Leute. Da kann ihm keiner was vormachen. Und diese Parteinahme hat er wieder zu unserem Markenzeichen gemacht.

Die in letzter Zeit stets wachsende Kritik perlt an ihm ab?

Der Blitz schlägt gern in einen starken Baum ein und nicht in eine Topfpflanze.

Zusammenfassung: Christian Deutschländer

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