Armin Laschet (M, alle CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, applaudiert zwischen Bodo Kimpel (l), Kreisverband Recklinghausen, und Andreas Hollstein, Oberbürgermeister-Kandidat Dortmund, bei der Auftaktveranstaltung des Kommunal-Wahlkampfs der CDU Ruhr.
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Armin Laschet (Mitte) startete am 7. August mit der Ruhr-CDU in den NRW-Wahlkampf - das zugehörige Foto sorgte schon damals für Spott.

Enge Rennen in den Metropolen

Sorgen für SPD und CDU bei Kommunalwahl in NRW: In diesen Städten wird es richtig knapp

  • Florian Naumann
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In NRW sind im September Kommunalwahlen - auch bundespolitisch ein brisanter Termin. Für die CDU könnte es bittere Niederlagen geben. Aber auch die SPD bangt.

+++ Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen +++

+++ Ergebnisse für das Ruhrparlament +++

Dortmund/Düsseldorf - Eigentlich gelten Kommunalwahlen als ein Sonderfall unter den Urnengängen in großen, repräsentativen Demokratien wie der deutschen: Es geht um regionale Fragen, um Politiker, die im täglichen Leben der Wähler auftauchen - und wenig um „große" Parteipolitik. Doch wenn am 13. September in NRW Stadt- und Gemeinderäte und Bürgermeister gewählt werden, ist alles etwas anders.

Kommunalwahl 2020 in Nordrhein-Westfalen: Große Bedeutung auch für Laschet - und die SPD

Zum Beispiel bei der SPD: Eigentlich wollte die Partei mit ihrer Kanzler-Nominierung und einem klaren Kurs Richtung Rot-Rot-Grün wieder „vor die Welle" kommen. So würde man es vielleicht mit Blick auf das Corona-Virus sagen. Nur, dass die Wahl-Welle der Sozialdemokraten beileibe kein exponentielles Wachstum zu zeigen droht. Sondern die stolze Partei seit Jahren sachte hinabspült. Nun richten sich bei den Sozialdemokraten alle Augen auf NRW. Ein Flop im Herzland wäre bitter.

Auf der anderen Seite steht die CDU - und nicht zuletzt Armin Laschet. Der NRW-Ministerpräsident will an die Bundesspitze seiner Partei. Doch schon der Wahlkampfauftakt missglückte. Und auch Gesundheitsminister Jens Spahn erlebte einen bitteren Auftritt. Eine Wahlniederlage quer durchs Land könnte auch als Votum zur Corona-Politik gesehen werden. Und damit ein herber Rückschlag sein. Wichtig ist die Wahl auch für die Grünen. Umfrage-König war die Partei schon oft. Doch echte Gewinne in den Stadträten wären ein bedeutsames Signal.

Umfrage vor der NRW-Wahl: Grüne im Aufwind - bittere Ergebnisse für GroKo-Parteien?

Umfragen zeigen gut eine Woche vor dem Wahltag tatsächlich vor allem die Grünen im Aufwind* - SPD und CDU könnten Schwierigkeiten bekommen, sich als klare Sieger zu inszenieren. Anzudeuten scheint sich aber auch: Vielerorts wird das Rennen um die Bürgermeistersessel ein knappes werden. Stichwahlen könnten in so einigen Großstädten folgen. Wie die Lage in den wichtigsten Großstädten ist? Hier ein Überblick:

Kommunalwahl in NRW: SPD bangt um "Herzkammer" Dortmund - Herausforderer mit schmerzhafter Bekanntheit

Sorge gibt es bei den Sozialdemokraten um ein symbolträchtiges Bürgermeisteramt: Das in Dortmund. Wie ernst die SPD die Lage nimmt, zeigt das Promi-Aufgebot, das sie in die Stadt entsendet. Olaf Scholz war schon dort. Am Dienstag (1. September) kam Parteichef Norbert Walter-Borjans sogar schon zum zweiten Mal vorbei.

In Dortmund ist die Lage für die SPD durchaus prekär: Der langjährige SPD-OB Ullrich Sierau tritt nicht mehr an. Nach einer von den Ruhr Nachrichten und Radio 91.2 in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage aus dem Mai kommt ihr Kandidat Thomas Westphal auf 35, CDU-Kandidat Andreas Hollstein auf 31 Prozent. Der WDR sah Anfang September aber zumindest im Stadtrat spürbar vorne. Hollstein, bislang Bürgermeister im sauerländischen Altena, ist bundesweit bekannt geworden, als er sich in der Flüchtlingskrise dafür einsetzte, mehr Asylbewerber aufzunehmen. Deswegen hatte ein psychisch Kranker ihn mit einem Messer attackiert. Westphal ist bisher Wirtschaftsförderer der drittgrößten NRW-Stadt.

Wahl 2020 in NRW: Laschet droht Tiefschlag in der Heimatstadt Aachen

Besonders interessieren dürfte Armin Laschet der Ausgang in seiner Heimatstadt Aachen. Viel Freude könnte ihm das Ergebnis aber nicht bereiten, glaubt man der am Freitag (4. September) veröffentlichten WDR-Umfrage. Im Bürgermeisterrennen führt mit Sibylle Keupen eine Grüne - und zwar mit 35 Prozent recht spürbar vor CDU-Mann Harald Baal (26 Prozent) und SPD-Kandidat Mathias Dopatka (24 Prozent).

Selbst wenn sich Baal in die Stichwahl rettet, könnten Dopatkas Stimmen der Grünen in Amt und Würden helfen. Bitter ist das auch, weil seit 2009 mit Marcel Philipp ein Christdemokrat der ehemaligen Reichsstadt vorsteht. Er tritt nicht mehr an.

Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen: Kölns Wahlkampf im Zeichen der Sicherheit - OB unter Polizeischutz

In Köln, der einzigen Millionenstadt im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands ist die OB-Wahl besonders prestigeträchtig - und von einer besonderen Konstellation geprägt. Amtsinhaberin Henriette Reker ist zwar parteilos, wird aber von CDU und Grünen unterstützt. SPD-Kontrahent Andreas Kossiski ist Polizist - und setzt auf das Thema Sicherheit. Umfragen verheißen aber Gutes für Reker: Sie lag zuletzt deutlich vor Kossiski.

Reker selbst war 2015 im Oberbürgermeister-Wahlkampf von einem rechtsextremistischen Attentäter mit einem Messer in den Hals
gestochen und lebensgefährlich verletzt worden. Auch diesmal gibt es Drohungen aus den sozialen Netzwerken, wie Anfang September bekannt wurde. Reker erhielt darauf Polizeischutz für den Wahlkampf.

Wahl 2020 in NRW: SPD und Grüne im Clinch - der CDU-Kandidat kommt ausgerechnet aus Köln

Anders die Vorzeichen auf der anderen Seite des Rheins, in Düsseldorf. Mit Thomas Geisel gibt es hier einen SPD-Amtsinhaber. Er machte zuletzt mit Plänen für ein Großkonzert in Corona-Zeiten Schlagzeilen - und sorgte damit für Unruhe bis in die Bundespolitik hinein. Bei den Europawahlen hatten aber auch die Grünen stark abgeschnitten, sie schicken mit dem Abgeordneten Stefan Engstfeld einen durchaus ernstzunehmenden Kontrahenten ins Rennen.

Lachender Dritter könnte der CDU-Mann Stephan Keller sein. Er hat allerdings einen Malus - er kommt ausgerechnet aus dem verhassten Köln. Glaubt man der jüngsten WDR-Umfrage, dann wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben: Keller und Geisel lagen laut der Erhebung von Infratest-dimap gleichauf bei 31 Prozent.

Kommunalwahl im Westen: Brisante Lage in Münster - ehemalige Partner im Wahl-Kampf

Münster ist ein besonderes Pflaster: Die westfälische Stadt ist bekannt für ihre zahlreiche Studentenschaft. Auch die Ausgangslage im Rennen um den OB-Posten ist brisant. Zuletzt regierten CDU und Grüne gemeinsam - doch das Bündnis zerlegte sich langsam selbst. Nun treten Oberbürgermeister Markus Lewe und der Grüne Peter Todeskino gegeneinander an. Die Grünen sorgten mit der Forderung nach einer autofreien Innenstadt für einen Paukenschlag.

Die SPD versucht die Oppositionsrolle zu nutzen. „5 Jahre regiert, 5 Jahre nix passiert. Schwarz-Grün abwählen" lautet ein Wahlkampfslogan von OB-Kandidat Michael Jung. Ein Frontalangriff auf beide Partner der Stadt-Koalition. Laut einem aktuellen Trend des "Münster-Barometers" der Münsterschen Zeitung werden die drei Kandidaten das Rennen unter sich ausmachen. Die WDR-Erhebung sieht Amtsinhaber Lewe mit 50 Umfrage-Prozenten als klaren Favoriten - Chancen auf die Stichwahl hat demnach vor allem Todeskino.

Kommunalwahl NRW: 2015 fiel Bonn an die CDU - nun könnten die Grünen übernehmen

Andere Vorzeichen gibt es in Bonn. Dort ist der CDU-Mann Ashok-Alexander Sridharan seit 2015 in Amt und Würden - nach 20 Jahren SPD-Regentschaft. In der einstigen Bundeshauptstadt hat er aber auch eine prominente Herausforderin. Die sozialdemokratische Kandidatin Lissi von Bülow ist die Tochter eines früheren Ministers aus der Ära Helmut Schmidt: Andreas von Bülow war zwei Jahre lang Ressortchef für Forschung und Technologie.

Doch es bahnt sich eine Überraschung an: Besser als von Bülow schnitt in der letzten Umfrage die Grüne Katja Dörner ab. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, könnte sie Sridharans Kontrahentin werden. Und mit den Stimmen der SPD-Wähler dann durchaus das Rennen machen.

NRW-Wahl im September: Auch in Wuppertal machen Schwarz und Grün gemeinsame Sache

Spannend wird der Wahlabend wohl auch in Wuppertal. Hier machen Grüne und CDU einmal mehr gemeinsame Sache. Dennoch ist das Rennen um das Bürgermeisteramt denkbar eng: Die WDR-Umfrage sah den Grünen Uwe Schneidewind und SPD-Mann Andreass Mucke beinahe gleichauf - und das auf hohem Niveau: 44 Prozent für Schneidewind und 42 Prozent für Mucke standen zu Buche. Die restlichen Stimmen gingen in der Umfrage an FDP- und Linke-Kandidaten. Der Ausgang scheint also offen: Alles oder nichts könnte es am 13. September heißen.

In Duisburg gibt es unterdessen einen Verdacht auf Wahlbetrug - zum wiederholten Mal - und in Frechen muss die Kommunalwahl sogar abgesagt werden. Aktuelle Informationen zur NRW-Wahl finden Sie unter anderem auch im Kommunalwahl-Newsblog* von wa.de und im Live-Ticker* von ruhr24.de. (fn) *wa.de und ruhr24.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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