Kommentar

Kommunion für Wiederverheiratete: Höchste Zeit

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Die deutschen katholischen Bischöfe wollen in Einzelfällen wiederverheirateten Geschiedenen den Zugang zur Kommunion ermöglichen. Höchste Zeit, kommentiert Merkur-Redakteurin Claudia Möllers.

Das war eine schwere Geburt: Fast ein Jahr hat es gedauert, bis sich die katholische Deutsche Bischofskonferenz auf eine Erklärung zur Ehepastoral geeinigt hat. Jetzt liegt das Ergebnis auf dem Tisch – und wird betroffenen Paaren in zweiter Ehe Hoffnung geben. Endlich, nach jahrzehntelangen theologischen Streitigkeiten, wird das generelle Kommunion-Verbot für wiederverheiratete Geschiedene aufgeweicht. Allerdings Vorsicht: Eine generelle Zulassung ist das nicht.

Dass die Tür einen Spalt weit geöffnet wird, ist Papst Franziskus zu verdanken, der in seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ im Frühjahr 2016 in einer Fußnote den Kommunionempfang in begründeten Einzelfällen und nach ernsthafter Prüfung in Aussicht gestellt hat.

Seither machen konservative Ruhestands-Kardinäle – an vorderster Front die Deutschen Meisner und Brandmüller – Stimmung gegen Franziskus, sehen die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe in Gefahr. Franziskus hat dies mit stoischer Gelassenheit ertragen. Denn er stellt keinesfalls die Lehre der Kirche infrage, sondern betont die Gewissensentscheidung und lässt Barmherzigkeit walten. Das könnte einen Paradigmenwechsel bedeuten – weg von der Verbotskultur hin zu mehr zugewandter Seelsorge. Wie sonst will die katholische Kirche in Zukunft die Menschen noch erreichen? Endlich stellen sich jetzt die deutschen Bischöfe an seine Seite. Der Reformpapst braucht mutige Mitstreiter. Es wurde höchste Zeit.

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