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Kabarettist Django Asül (links) am Donnerstatg beim Maibockanstich im Hofbräuhaus mit Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU).

Maibockanstich im Hofbräuhaus

Söder übertrumpft Django Asül

München - Für politischen Spott ist beim Maibockanstich eigentlich Kabarettist Django Asül zuständig. Der tat sich am Donnerstag ungewohnt schwer, mit dem Tempo der Politik mitzuhalten – und wurde übertrumpft: ausgerechnet vom Finanzminister.

Markus Söder wirkt angespannt, als er am Eingang des großen Saals des Hofbräuhauses steht und wartet, dass es endlich losgeht. Nervös tritt er von einem Bein aufs andere. Wahrscheinlich wäre der Finanzminister jetzt gerne woanders, da, wo zeitgleich Karrieren und Ämter ausgemauschelt werden. Viele hatten kurzfristig abgesagt: der zurückgetretene Fraktionschef Georg Schmid, den Söder so gern beerben würde, Generalsekretär Alexander Dobrindt, sogar Ministerpräsident Horst Seehofer. Als Chef des staatlichen Hofbräu hat Söder keine Wahl: Er muss jetzt den Maibock anzapfen, sich derblecken lassen und hoffen, dass die politischen Pfründe nach der Veranstaltung noch nicht verteilt sind.

Söder hat beschlossen, es mit Humor zu nehmen. Gerade werde über die Besetzung eines wichtigen Posten entschieden, sagt er auf der Bühne. „Horst Seehofer hat gesagt, ich soll mir gar keine Sorgen machen, das würde alles ohne mich gut“, witzelt Söder. Auch das geplante Singspiel mit Seehofer, Schmid und ihm selbst müsse nun leider entfallen. „Wir wollten eigentlich ,Ein Freund, ein guter Freund‘ singen.“ Leider hätten sie keine Freunde. Dann begrüßt er ein paar Ehrengäste „und natürlich alle Frauen und Partner – sofern sie nicht unter Vertrag stehen“. Dass Söder über sich selbst und seine Parteifreunde lachen kann, kommt gut an im Hofbräuhaus. Doch Söder wäre nicht Söder, wenn er nicht auch ordentlich austeilen würde. Dass Christian Ude, der SPD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, nicht da sei, finde er schade. „Es ist ja sicher der letzte Maibock für ihn.“ Er macht sich über die Grünen lustig, die kritisierten, dass er ausgerechnet im Wahljahr erstmals eine ähnliche Veranstaltung in Nürnberg organisiert hatte, den sogenannten Frankenbock. „Frankenbock ist übrigens nicht der Spitzname der Staatskanzlei für den Finanzminister“, scherzt er.

Die Promis beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus

Die Promis beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus

Viele Zuhörer sind überrascht vom humorvollen, offensiven Auftritt Söders. Sein direkter Vorgänger als Finanzminister hatte bestenfalls bemüht witzige Grußworte gehalten, Söder spricht fast eine halbe Stunde – dabei ist er ja eigentlich nur der Einheizer. Für die sitzenden Pointen hat Hofbräu wieder den Kabarettisten Django Asül engagiert. Doch der tut sich schwerer als in den Vorjahren. Nur kurz streift er die Geschehnisse des Tages: „Die Frau von Georg Schmid hat schon gekündigt und will jetzt neue Managerin bei den 60ern werden.“ Danach folgen viele Themen, die, wie es Margarete Bause später treffend rügt, oft nicht mehr „taufrisch“ waren. Der unfertige Berliner Flughafen, Dobrindts übertriebene Zuschauerzahlen beim Aschermittwoch zum Beispiel. Klar, viele Pointen sitzen wie gewohnt und sind auch aktuell. Zum Beispiel, wenn er als Credo der SPD ausgibt: „Steuerhinterziehung nein, Steuerverschwendung jederzeit gerne.“ Er vergleicht die Probleme von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mit Pferdefleisch in der Lasagne mit denen von Sozialministerin Christine Haderthauer: „Was für die Ilse tote Pferde, sind für die Christine die Asylbewerber.“ Da werde Haderthauer jetzt sicher sagen: „Also, ich hab noch keinen Asylanten in der Lasagne entdeckt.“ Er witzelt wieder einmal über die angeblich geringen intellektuellen Fähigkeiten von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, „den Pepe Grillo vom Bauernhof“: „Der Aiwanger ist eher der Pragmatiker – Hubert, bleib ruhig, Pragmatiker ist kein Schimpfwort.“ Das ist nicht neu, garantiert aber Lacher.

Auch Kultusminister Ludwig Spaenle kriegt einen mit: „Heute Abend kann er nicht hier sein, er hat ein Kündigungsgespräch mit seiner Frau.“ Vielleicht ist das Asüls Problem an diesem Abend: Die meisten Protagonisten seiner Rede sind nicht da.

Am Ende bleibt das Gefühl, dass Söder seinem Kabarettistenkollegen an diesem Abend die Show gestohlen hat. Das muss selbst die Opposition im Hofbräuhaus anerkennen. Söder erzählt danach sichtlich stolz, dass er seine Rede komplett selbst geschrieben habe. Schade eigentlich, dass es vielleicht die letzte war. Schließlich hat es Söder selbst gesagt: „Wer weiß in diesen Tagen schon, ob er aus einer Veranstaltung mit dem selben Amt rausgeht, wie er reingegangen ist?“

Hier lesen Sie Politiker-Stimmen zum Derblecken.

Von Philipp Vetter

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