Der erste Bundeskanzler Adenauer
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1949 wurde Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler der jungen Bundesrepublik.

Leben und Karriere des Altkanzlers

Konrad Adenauer ist eine echte Legende der deutschen Politik

Er gründete die CDU, war Bürgermeister von Köln und schlussendlich der erste Bundeskanzler der neuen Bundesrepublik: Konrad Adenauer ist eine Politiklegende.

  • Konrad Adenauer kommt am 5. Januar 1876 in Köln zur Welt, wo er später auch zum Oberbürgermeister gewählt wird. Zeitlebens bleibt er der Stadt tief verbunden.
  • Von den Nationalsozialisten verfolgt, tut sich Adenauer nach Kriegsende als Vermittler zwischen Deutschen und Alliierten hervor. 1949 wird er zum ersten Bundeskanzler der jungen Bundesrepublik.
  • Seine Amtszeit ist durch eine Westanbindung und die Stärkung der sozialen Marktwirtschaft geprägt. Heute ist Adenauer eine Legende der deutschen Politik.

1876 in Köln geboren, erlebt Konrad Adenauer zwei Weltkriege mit und startet eigentlich erst danach seine Karriere in der Politik. Mit 73 Jahren wird er zum ersten Bundeskanzler der frisch gegründeten Bundesrepublik Deutschland und bestimmt danach maßgeblich die politische Richtung der jungen Nation. Sowjetkritisch und mit dem Wunsch nach Eigenständigkeit treibt Adenauer die Westanbindung Deutschlands voran und setzt sich für einen Beitritt zur NATO ein.

1952 entgeht er nur knapp einem Attentat, als im Polizeipräsidium München ein an ihn adressiertes Päckchen explodiert. Doch Adenauer lässt sich nicht einschüchtern und bleibt bis 1963 weiter im Amt. Auch nach dem Ende seiner Amtszeit kommentiert der Altkanzler weiterhin die deutsche Politik und macht dabei auch vor Kritik an CDU-Parteigenossen nicht Halt. 1967 stirbt er im Alter von 91 Jahren und hinterlässt ein legendäres politisches Vermächtnis.

Konrad Adenauer: Kindheit, politische Anfänge, Durchbruch als Kölner OB

Konrad Adenauer wird am 5. Januar 1876 in Köln geboren. Er ist das dritte von insgesamt fünf Kindern des Ehepaares Helene und Johann Konrad Adenauer. In seiner Kindheit ist Adenauer häufig krank: Er überlebt die damals oft tödlich verlaufende Tuberkulose und leidet außerdem an einer Knochenkrankheit. Seine Eltern erziehen den Jungen streng nach katholischem Vorbild - ein Einfluss, der sich später auch in seiner Politik zeigen wird.

1894 legt Adenauer das Abitur ab und beginnt ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaft, das er an den Universitäten in Freiburg im Breisgau, München und Bonn abschließt. Damit entgeht der junge Student auch dem damaligen Militärdienst.

Nachdem er zunächst als Jurist keine besonders erfolgreiche Karriere hinlegt, tritt der aufstrebende Jungpolitiker 1906 der katholischen Zentrumspartei bei und arbeitet fortan im Kölner Rathaus. Als 1914 der Erste Weltkrieg beginnt, ist Adenauer stellvertretender Bürgermeister und zeigt sich außerdem für die Versorgung der Stadt verantwortlich, die zunehmend durch die britische Seeblockade erschwert wird.

1917 wird Adenauer zum Oberbürgermeister der Stadt Köln - er ist zu diesem Zeitpunkt der jüngste Oberbürgermeister einer Großstadt im gesamten deutschen Reich. In seinem Posten führt Adenauer einige weitreichende Veränderungen ein: Beispielsweise initiiert er den Bau der Kölner Messe, sorgt für die Eröffnung der Kölner Universität und motiviert ausländische Investoren, wie zum Beispiel den amerikanischen Autobauer Henry Ford, in Köln Niederlassungen aufzubauen.

Konrad Adenauer unter dem NS-Regime

Als einige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges die Nationalsozialisten auf dem Vormarsch sind zeigt sich schnell, dass Konrad Adenauer sich nicht auf ihre Seite stellen will. Als NS-Anhänger in einer nächtlichen Aktion die Rheinbrücken mit Hakenkreuzfahnen behängen, lässt der Oberbürgermeister diese umgehend wieder entfernen. Damit rückt er schnell ins Visier der Nazis. Als Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler gewählt wird, enthebt er Adenauer unrechtmäßig seines Amtes; mit seiner Familie flüchtet sich der Kölner Politiker daraufhin in eine Abtei. Sein Verhältnis zum NS-Regime bleibt dauerhaft gespalten: Zwar verfasst Adenauer unter anderem einen Brief, in dem er seine Verdienste für die Nationalsozialisten deutlich macht, und kann sogar eine Entschädigung für die Beschlagnahmung seiner Villa bewirken, trotzdem wird er mehrfach von den Nazis festgenommen und flieht mit seiner Familie zeitweise in den Untergrund.

Konrad Adenauers Aufstieg zum Bundeskanzler

Nach Kriegsende tritt Konrad Adenauer schnell der CDP bei, einer Vorgängerpartei der heutigen CDU. Anfang 1946 übernimmt er die Führung der frisch gegründeten CDU in der britischen Zone. 1948 - Adenauer hat es bis dahin bereits bis ins Amt des CDU-Parteivorsitzenden geschafft - gewinnt er die Wahl zum Vorsitzenden des Parlamentarischen Rates. Durch diesen Posten wird Adenauer überregional bekannt und avanciert zum inoffiziellen Vertreter der Deutschen bei den Allliierten. Diese akzeptieren ihn unter anderem aufgrund seiner Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Während dieser Zeit arbeitet der passionierte Politiker fieberhaft an einer Verfassung für einen neuen deutschen Staat in Westdeutschland.

1949 wird Konrad Adenauer dann vom Bundestag zum ersten Bundeskanzler der frisch gegründeten Bundesrepublik Deutschland gewählt. Seine politischen Ziele sind klar gesteckt: Er will, dass das neue Deutschland sich an die anderen westeuropäischen Staaten angliedert, außerdem präferiert Adenauer die Wirtschaftsform der sozialen Marktwirtschaft. Schnell wünscht sich der erste Kanzler auch mehr Eigenständigkeit für die junge Bundesrepublik. Adenauer arbeitet auf einen Beitritt zur NATO hin, auch über die Anschaffung von Atomwaffen spricht er mit Großbritannien und Frankreich.

Besonderheiten in Konrad Adenauers Amtszeit

Am 27. März 1952 wird ein Polizeibeamter getötet, nachdem er zuvor ein an Konrad Adenauer adressiertes Päckchen im Polizeipräsidium München geöffnet hat. Die Ermittlungen zu den vermeintlichen Tätern werden schnell eingestellt, da sie zu ehemaligen Mitgliedern der aufgelösten jüdischen Partisanen- und Untergrundorganisation Irgun führen. Adenauer will so vermeiden, dass antisemitische Ressentiments in der deutschen Bevölkerung gestärkt werden. Die vermutlichen Verantwortlichen werden später nach Israel abgeschoben.

Eine Besonderheit in Adenauers Amtszeit ist zweifelsohne seine kritische Einstellung gegenüber der Sowjetunion. Trotzdem reist der Bundeskanzler, der zwischen 1951 und 1955 auch das Amt des Außenministers bekleidet, 1955 nach Moskau, um dort einen Vertrag über die gegenseitige diplomatische Anerkennung zu unterschreiben. Außerdem erreicht Adenauer, dass Moskau 10.000 deutsche Kriegsgefangene wieder in ihre Heimat zurückkehren lässt. Zeitlebens weigert sich der Kölner jedoch, auf Forderungen des Ostblocks einzugehen. Adenauer will damit das Vertrauen der westlichen Welt zurückgewinnen, das durch Hitler und den Zweiten Weltkrieg verloren gegangen war.

Konrad Adenauer: Ein strenger Katholik in der CDU

Bevor Konrad Adenauer Mitbegründer der CDU wurde, war er einige Jahre aktives Mitglied der katholischen Zentrumspartei. Sein katholischer Glaube war auch innerhalb seiner späteren Partei nicht unumstritten: Einige Parteigenossen waren der Meinung, dass Adenauer seine Politik zu sehr von seinen katholischen Grundsätzen leiten lasse. Manche warfen ihm sogar vor, dass er die deutsche Wiedervereinigung nicht befürworte, da die Katholiken in Deutschland daraufhin in der Minderheit sein würden.

14 Jahre lang ist Konrad Adenauer deutscher Bundeskanzler - lange Zeit weigert er sich, ein Datum für seinen endgültigen Abtritt zu nennen. Nachdem die CDU die absolute Mehrheit im Bundestag verliert, legt Adenauer das Ende seiner Amtszeit auf 1963 fest. Als sein Nachfolger Ludwig Erhard nach seinem Abtritt zum Kanzler ernannt wird, macht der Altkanzler keinen Hehl aus seiner Abneigung Erhard gegenüber. In Zeitungsartikeln und Statements betont Adenauer immer wieder, dass er den Kanzlerposten für nicht gut besetzt hält.

Trotz Auseinandersetzungen mit Parteigenossen ist Konrad Adenauer in der CDU - und letztens Endes auch in der gesamten deutschen Politiklandschaft - zu einer Legende avanciert. Als erster Bundeskanzler der jungen Republik wirkte er maßgeblich an der deutschen Verfassung mit und bestimmte die Richtung der deutschen Politik für die Nachkriegsjahre.

Ihm zu Ehren benannte die CDU die 1955 gegründete Gesellschaft für christlich-demokratische Bildungsarbeit im Jahr 1964 in Konrad-Adenauer-Stiftung um. Weltweit vergeben etwa 20 Institutionen sogenannte Konrad-Adenauer-Preise.

Konrad Adenauers Familie und sein Privatleben

1904 heiratete Konrad Adenauer seine erste Frau Emma Weyer, mit der er die drei Kinder Konrad, Max und Maria bekam. Emma, die sich nach der Geburt der Kinder gesundheitlich nie wirklich erholt hatte, starb 1916 nach langer Krankheit. 1919 heiratete Adenauer dann Auguste Zinsser, genannt Gussie, mit der er weitere fünf Kinder bekam, von denen Paul, Charlotte, Elisabeth und Georg überlebten. Gussie starb im Jahr 1948. Noch heute ist umstritten, ob die Todesursache Leukämie war, oder die Nachwirkungen eines Selbstmordversuches, den sie infolge von Gestapo-Verhören, in denen sie ihren Mann verraten hatte, beging.

Adenauer war leidenschaftlicher Gärtner und pflegte um sein Wohnhaus in Rhöndorf einen Garten mit mediterranen Pflanzen. Diese hatte er während regelmäßiger Italienreisen lieben gelernt. Insbesondere Rosen hatten es dem Politiker angetan.

Adenauer war außerdem Mitbegründer des Kölner Rotary Clubs sowie des Deutschen Werkbunds. Auch als Erfinder tat er sich hervor. Neben einem Brotpatent, das er während der Nahrungsmittelknappheit im Ersten Weltkrieg angemeldet hatte, erfand Adenauer außerdem eine von innen beleuchtete Stopfkugel sowie eine Tülle für Gartengießkannen.

Konrad Adenauer starb am 19. April 1967 nach einer Grippeerkrankung und drei Herzinfarkten in seinem Haus in Rhöndorf. Er wurde 91 Jahre alt.

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