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Der Flüchtlingsstrom stellt kleine und große Kommunen in Oberbayern vor riesige Herausforderungen.

Kommunen und Bürger sind gefordert

Immer mehr Flüchtlinge: Angst vor dem Asyl-Kollaps

München - Die Aufnahmeeinrichtungen sind mehr als ausgelastet. Städte und Landkreise suchen Möglichkeiten, Asylbewerber unterzubringen. Bei den Bürgern wächst die Sorge, Kontroversen über die Flüchtlingspolitik nehmen zu. Die Lage in Oberbayern.

Die Flut der Meldungen, die sich um das Schicksal von Flüchtlingen, den Umgang der deutschen Behörden damit und die Reaktion der Bürger drehen, reißt nicht ab. Seit Monaten nimmt das Thema an Dramatik zu. Immer wieder lässt die Polizei Schleuser auffliegen, die Flüchtlinge unter teils unerträglichen Bedingungen ins Land bringen.

Bei den Bürgern und auch bei vielen Verantwortlichen von Städten, Gemeinden und Hilfsorganisationen nimmt die Angst zu, dass schon bald ein Asyl-Kollaps droht.

Freising hat den Asyl-Notstand ausgerufen

Am Dienstag hat die Regierung den Asylnotfallplan für Freising ausgerufen. Zusätzlich zu den 37 Asylbewerbern, die der Landkreis Freising jetzt jede Woche aufnehmen muss, kommen am Donnerstagnachmittag weitere 130 Asylbewerber, gefolgt von weiteren 70 Flüchtlingen am Montag. Geplant ist nun, dass diese Asylbewerber ab Donnerstag in der Turnhalle der Realschule Moosburg untergebracht werden.

"Wir kommen an die Kapazitätsgrenze"

Zuletzt griffen die Freien Wähler das Thema auf, wo der Bundes- und Landesvorsitzende Hubert Aiwanger Kommunalpolitiker versammelte, um die Lage zu erörtern. „Wir kommen an die Kapazitätsgrenze der vielen ehrenamtlichen Helfer und auch der Unterkünfte“, sagte dabei zum Beispiel der Rottenburger Bürgermeister Alfred Holzner. 

Andernorts kommt es gar zu Tumulten, wenn die Probleme öffentlich diskutiert werden sollen. Bei einer Veranstaltung mit der Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) am 6. Juli in Goldbach (Landkreis Aschaffenburg) kam es zu Handgreiflichkeiten, nachdem eine Gruppe mit einem Anti-Flüchtlinge-Banner aufgetreten war und die Veranstaltung gestört hatte.

„Die Ereignisse überrollen uns“

In Miesbach schlagen Landrat und Behörden in Sachen Asyl Alarm: „Die Ereignisse überrollen uns“, sagte der Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne). Der Landkreis muss weitere Sachbearbeiter für den Fachbereich Asylangelegenheiten einstellen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Die Aufgaben sind dabei so dringend, dass neuen Kräften kaum Zeit bleibt, sich normal einzuarbeiten, so der Miesbacher Landrat. Auch das Kreisjugendamt sieht sich dort vor einer riesigen Herausforderung. Im Laufe des Juli sollen 40 unbegleitete Minderjährige untergebracht werden - es mangelt jedoch an Plätzen dafür.

Aylhelfer schlagen Alarm

In München und ebenso in den oberbayerischen Landkreisen steht das Thema mittlerweile ganz oben auf der Tagesordnung. "Asylhelfer schlagen Alarm" lautete die Meldung vor wenigen Tagen aus dem Landkreis Ebersberg, wo derzeit pro Woche 21 neue Asylbewerber dazu kommen. Die Asylhelfer - die meisten von ihnen arbeiten ehrenamtlich - fühlen sich von den Behörden zu wenig unterstützt, während ihnen die Arbeit über den Kopf wächst.

10.000 junge Flüchtlinge kommen nach München

Die Landeshauptstadt dagegen sieht sich eigenen Herausforderungen gegenüber: "10.000 junge Flüchtlinge kommen nach München" war die jüngste Meldung. Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die nach München kommen, geht durch die Decke. Das zuständige Jugendamt sieht vor allem mit Sorge, dass unter den unbegleiteten Flüchtlingen auch immer mehr Kinder sind. Viele sind auf der Flucht von ihren Eltern getrennt worden.

Eines der großen Probleme ist alleine die Betreuung der Flüchtlinge. Es mangelt an Fachkräften ("Der Markt ist leergefegt") und vielerorts sucht man händeringend nach ehrenamtlichen Betreuern. Wie zum Beispiel in dem kleinen Thalbach im Landkreis Freising. Plätze für 54 Asylbewerber sind dort vorgesehen. Ehrenamtliche Helfer werden hier wie auch andernorts mit höchster Dringlichkeit benötigt, auch um die Arbeit der professionellen Asylberater zu unterstützen. „Ein Asylsozialberater betreut derzeit 150 Personen“, klagt Beate Drobniak von der Diakonie Freising.

Stimmungsmache gegen Flüchtlinge

Zu kämpfen haben Politik und Helfer gleichzeitig mit Stimmungsmache gegen Flüchtlinge. In Planegg im Landkreis München, wo seit kurzem in der Turnhalle des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums (FLG) Asylbewerber untergebracht sind, erhalten Gemeindevertreter E-Mails von Absendern mit rechtsradikalem Hintergrund. 

js

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