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An der Demarkationslinie, die beide Staaten voneinander trennt, stehen süd- und nordkoreanische Soldaten Wache. Hier sollen sich heute Kim Jong-Un und Moon Jea In treffen. Dann wird im Friedenshaus (hinten) verhandelt.

Kim Jong-Un wirkt seit Jahresbeginn wie ausgewechselt

„Korea-Treffen bietet enorme Chancen“ – doch beim zentralen Thema wird es alles andere als leicht

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Nordkoreas Diktator Kim und Südkoreas Präsident Moon treffen sich im Grenzort Panmunjom zum großen Gipfel. Es soll um atomare Abrüstung und eine langfristige Friedensperspektive gehen.

München – Es wird Rösti geben, als „Hommage an seine Kindheit“ in einem Schweizer Internat, außerdem Nudeln Pjöngjanger Art, zubereitet von einem eigens angereisten nordkoreanischen Koch. Zur Not – wenn’s allzu zäh läuft – steht auch ein 40-prozentiger Schnaps bereit, der ursprünglich aus dem Norden kommt. Die kleinen, liebevollen Gesten sind natürlich kein Zufall. Kim Jong-Un soll sich wohlfühlen, wenn er am Freitag Feindesland betritt.

Es ist das erste Mal, dass Kim und Südkoreas Präsident Moon Jae In aufeinandertreffen, ein historischer Gipfel an historischer Stelle. Im Grenzort Panmunjom wurde schon das Ende des Koreakriegs verhandelt – und auch am Freitag stehen gewichtige Fragen an. Im so genannten Friedenshaus werden Kim und Moon über die atomare Abrüstung des Nordens und eine langfristige Friedenslösung zwischen beiden Staaten sprechen.

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„Das Treffen bietet enorme Chancen“, sagt Thomas Elster, Südkoreas Honorarkonsul in München. Er sieht vor allem Kim unter Druck: Die Sanktionen gegen Nordkorea zeigten Wirkung und auch Pjöngjangs Schutzmacht China verliere die Geduld. „Der Willen, Lösungen zu finden, ist auch bei Kim zu erkennen.“

Tatsächlich scheint Nordkoreas Machthaber seit Jahresbeginn wie ausgewechselt. Statt mit Krieg zu drohen, schickte er Sportler zu den Olympischen Winterspielen nach Südkorea. Statt Raketen zu testen, reiste er im grünen Bummelzug zu Gesprächen nach China. Zuletzt kündigte er sogar an, vorläufig keine Atomtests mehr durchzuführen. Zwar zweifeln Experten inzwischen an, ob er das technisch überhaupt noch kann, aber die Geste verfehlte ihre Wirkung nicht. Selbst US-Präsident Donald Trump jubelte, natürlich via Twitter.

Experte ist guten Mutes

Der heutige Gipfel ist, nach 2000 und 2007, erst der dritte seiner Art. Er gilt nebenbei als Testlauf für ein mögliches Aufeinandertreffen zwischen Kim und Trump, das Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden könnte. „Die beiden Koreas können ja nur einen gewissen Teil des großen Konflikts anpacken“, sagt Nordkorea-Experte Bernt Berger. Zum Beispiel, indem sie ihre Beziehungen normalisieren und verschiedene Kooperationen beschließen. Die Grundlage für Gespräche mit den USA – und auch China – zu schaffen, hält er für den „schwereren Part“. Der Druck ist also groß, es braucht Fortschritte.

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Gerade beim zentralen Thema wird das, gelinde gesagt, nicht ganz leicht. Anders als von südkoreanischer Seite behauptet, hat sich Kim bislang nicht klar zur Denuklearisierung seines Landes verpflichtet. Stattdessen fordert er, dass auch die in Südkorea stationierten Truppen der Atommacht USA abziehen. Der südkoreanische Stabschef Im Jong Seok sagte am Donnerstag, es sei „schwer zu sagen, auf welcher Ebene eine Einigung erreicht werden kann“.

Aber ein klein wenig Bewegung scheint es trotzdem zu geben. Bisher hätten nordkoreanische Verhandler bei dem Thema stets empört abgeblockt, heißt es in einem Papier des südkoreanischen Generalkonsulats, das unserer Zeitung vorliegt. Beim Treffen Anfang Januar hätten sie ihren Gesprächspartnern bis zum Ende zugehört. Ein Schrittchen, immerhin. Ohne Kompromiss wird es nicht gehen – zumal das Weiße Haus unlängst verlauten ließ, man werde die Sanktionen erst lockern, wenn es „substanzielle Schritte“ hin zu einer Denuklearisierung gebe.

„Eine völlige Denuklearisierung wird es nicht geben“

Kim weiß das und viele glauben: Er wird sich bewegen. „Das Atomprogramm war schon immer verhandelbar“, sagt Berger. Nur sei der Preis nun höher als in der Vergangenheit, weil Kim es geschafft habe, dem Westen – und vor allem Trump – das Bild einer „kleinen Macht mit echtem Abschreckungspotenzial“ einzutrichtern. Auch Andrej Lankow von der südkoreanischen Kookmin-Universität hält es für möglich, dass der Diktator sein Atomprogramm zurückfährt, vielleicht das Arsenal etwas reduziert. „Aber eine völlige Denuklearisierung wird es nicht geben.“

Der Friedensprozess, so er denn anläuft, wird kleinteilig werden und lange dauern. Insofern ist das heutige Treffen nur ein kleiner Schritt, wenn auch einer mit großen Symbolen. Kim und Moon, heißt es, werden sich um 2.30 Uhr deutscher Zeit auf der Demarkationslinie in Panmunjom treffen. Kim soll dann die Grenze zum Süden überschreiten, als erster nordkoreanischer Führer seit 65 Jahren. Genau so alt ist auch die Pinie, die die beiden später pflanzen werden. Es heißt, sie sei ein Zeichen für Frieden und Wohlergehen.

Marcus Mäckler

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