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Nach Krim-Explosionen: Ex-General nennt drei mögliche Ursachen

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Von: Julia Schöneseiffen

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Innerhalb einer Woche kam es auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim zweimal zu schweren Explosionen. Die genauen Ursachen sind unklar.

Simferopol – Die schweren Kämpfe im Ukraine-Krieg dauern an. Insbesondere die Lage um das umkämpfte Atomkraftwerk Saporischschja spitzt sich zu. Aber auch die von Russland annektierte ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist nach wie vor Kriegsschauplatz im Ukraine-Konflikt. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von rund einer Woche hat es dort schwere Explosionen gegeben.

In sozialen Netzwerken teilten Menschen am Dienstag (16. August) Aufnahmen, die ein großes Feuer zeigen und auf denen Detonationsgeräusche zu hören sind. Getroffen wurde laut der Krim-Verwaltung ein Munitionslager im Norden. Das Lager sei beschädigt worden, ebenso wie zivile Infrastruktur, darunter eine Hochspannungsleitung, ein Kraftwerk, eine Bahnstrecke und mehrere Häuser.

Ukraine-Krieg: Explosionen auf der von russischen Truppen besetzten Krim

Erst am Dienstag vergangener Woche (9. August) war es zu schweren Explosionen auf einem anderen russischen Militärstützpunkt auf der Krim gekommen. Dabei wurden ein Mensch getötet und schätzungsweise acht Flugzeuge sowie eine erhebliche Menge Munition zerstört. Bisher bekannte sich niemand zu dem Vorfall, doch ranghohe Vertreter in Kiew sowie das Militär deuteten eine Beteiligung der Ukraine an. Russland hingegen behauptet, es sei wegen Verstoßes gegen den Brandschutz zu der Explosion gekommen.

Der General a.D. Klaus Wittmann äußerte gegenüber der Welt drei mögliche Szenarien, wie es zu den Explosionen auf der Krim gekommen sein könnte.

Explosionen auf der Krim: Welche Ursachen gibt es?

Nach der jüngsten Explosion auf der Krim spricht das russische Verteidigungsministerium von einem „Sabotageakt“. Dies zieht auch der Historiker und ehemalige Brigadegeneral Klaus Wittmann in Betracht.

Der Vorfall in der vergangenen Woche hatte zudem Spekulationen über eine neue ukrainische Waffe entfacht. Die ukrainische Rüstungsindustrie mache Fortschritte, hieß es damals aus Kiew. Das Augenmerk von Militärexperten richtet sich vor allem auf neue ballistische Kurzstreckenraketen des Typs Hrim-2. Sie wurden in der Ukraine entwickelt und haben angeblich eine Reichweite bis zu 500 Kilometern.

Auch Klaus Wittmann schließt ein neues ukrainisches Waffensystem nicht aus. Es könne möglich sein, dass die Ukraine Waffen besitzt, „die wir noch nicht kennen und die eine so große Reichweite haben“.

Ex-General: US-Waffensystem könnte ursächlich für Krim-Explosionen sein

Die dritte Möglichkeit wäre dem Experten zufolge das Himars Raketenwerfersystem der USA. Dieses sei eigentlich auf eine 80 Kilometer Reichweite begrenzt, um einen ukrainischen Angriff auf russischen Gebiet zu verhindern. Allerdings könne es „mittlerweile doch welche geben, die mehrere 100 Kilometer Reichweite haben“, so Wittmann. Vielleicht wisse man inzwischen, dass die Ukraine die Abmachung einhält und keinen Angriff auf russisches Gebiet startet, spekuliert der General a.D. im Welt-Interview.

Explosionen auf der Krim: „Ich denke, wir werden mehr davon sehen“

Mit weiteren Angriffen auf die Versorgungslinien der russischen Armee in besetzten Gebieten will die Ukraine laut eigenen Angaben „Chaos innerhalb russischer Truppen“ verbreiten. Dies teilte ein Berater des ukrainischen Präsidenten, Mykhailo Podolyak, gegenüber der britischen Zeitung The Guardian mit. In den nächsten zwei bis drei Monaten könne es daher mehr Angriffe ähnlich wie die zuletzt erfolgten Schläge gegen russische Truppen auf der Krim geben: „Ich denke, wir werden mehr davon sehen.“

Der Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Andrij Jermak, bezeichnete die Explosionen bereits am Vormittag im Online-Dienst Telegram als eine „Operation ‚Entmilitarisierung‘“ und lobte sie als „Meisterleistung der ukrainischen Streitkräfte“. Diese würden ihre Arbeit fortsetzen, bis alle ukrainischen Gebiete „vollständig befreit“ seien.

Ukraine-Krieg: Explosionen auf der Krim haben für beide Seiten eine symbolische Bedeutung

Die jüngsten Zwischenfälle haben für beide Seiten große symbolische Bedeutung. Bei russischen Beobachtern werfen sie inzwischen Fragen auf, wie gut die von Moskau militärisch hochgerüstete Halbinsel tatsächlich geschützt ist. Kremlchef Wladimir Putin hatte immer wieder angekündigt, dass die Sicherheit der Krim noch weiter verstärkt werden solle.

Bislang hat Russland seinen Ankündigungen, Kommandozentralen in Kiew zu bombardieren, wenn der Beschuss nicht aufhöre, keine Taten folgen lassen. Doch die Drohungen sind weiter da. Als Kiew etwa bereits im Juli Gegenoffensiven in Richtung Krim in Aussicht stellte, beschimpfte der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew die ukrainische Führung als „überschwängliche Clowns“ und drohte Medienberichten zufolge: „Wenn so etwas passiert, wird der Jüngste Tag für sie alle auf einmal kommen. Sehr schnell und hart.“ Zugleich versicherte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu einmal mehr, sein Land habe entgegen einiger Befürchtungen nicht vor, eine Atomwaffe einzusetzen.

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Vergangene Woche war es zu schweren Explosionen auf der Krim gekommen. © AP/dpa

Für viele Ukrainer wiederum haben Angriffe gegen die Krim-Machthaber eine besondere Bedeutung, weil die annektierte Halbinsel für sie bereits seit mehr als acht Jahren ein Inbegriff russischer Aggression ist. „Dieser russische Krieg gegen die Ukraine, gegen das ganze freie Europa, hat mit der Krim begonnen und muss mit der Krim enden, mit ihrer Befreiung“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kürzlich. Seit Kriegsbeginn vor knapp einem halben Jahr hat er seinen Landsleuten immer wieder eine Rückeroberung versprochen. (jsch mit dpa)

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