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Russische Streitkräfte blockieren den Zugang zum ukrainischen Anti-Luftwaffen-Stützpunkt.

Krim-Krise

Haben Russen ukrainische Streitkräfte attackiert?

Sewastopol - Eine Gruppe von 20 bewaffneten Russen soll ukrainische Streitkräfte auf der Krim attackiert haben. Obama und Merkel fordern unterdessen den Rückzug russischer Soldaten von der Halbinsel.

Russisch sprechende Uniformierte sollen auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim einen Militärstandort der ukrainischen Streitkräfte attackiert haben. Eine Gruppe aus etwa 20 Bewaffneten habe sich mit einem Lastwagen Zugang zu dem Areal nahe der Hafenstadt Sewastopol verschafft, teilten die Behörden in Kiew am Freitagabend der Agentur Interfax zufolge mit. Von Schüssen war nicht die Rede. Ein Korrespondent der britischen Zeitung "Daily Telegraph" berichtete unter Berufung auf den stellvertretenden ukrainischen Kommandeur, dass die Uniformierten später wieder abgezogen seien.

Das Motiv der Angreifer sei unklar. Unbestätigten Berichten zufolge sollen bei Zusammenstößen am Rande Journalisten verletzt worden sein. Der moskautreue Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow widersprach im ukrainischen Fernsehen Vorwürfen, prorussische Uniformierte hätten einen Konflikt provoziert oder Journalisten angegriffen.

Russland, das in Sewastopol seine Schwarzmeerflotte stationiert hat, kontrolliert seit einer Woche die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim. Moskau bestreitet aber, Soldaten außerhalb vereinbarter Bereiche einzusetzen. Bewaffnete in Uniformen ohne Hoheitsabzeichen seien "Selbstverteidigungskräfte". Die prowestliche neue Führung in Kiew beklagt hingegen, die ukrainischen Kasernen auf der Halbinsel würden von moskautreuen Einheiten blockiert.

Obama und Merkel fordern Rückzug russischer Soldaten von der Krim

Unterdessen haben sich US-Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel in einem Telefonat abgestimmt und anschließend den Rückzug russischer Soldaten von der Krim gefordert. Zugleich verlangten sie den Zugang internationaler Beobachter und Menschenrechtsbeobachter in der Krisenregion. Sie plädierten für freie und faire Präsidentenwahlen in der Ukraine im Mai, hieß es am Freitagabend (Ortszeit) in Washington.

Russland müsse der Bildung einer internationalen Kontaktgruppe rasch zustimmen, die zu einem direkten Dialog zwischen der Ukraine und Russland führen solle, um so die Krise zu deeskalieren und die territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen.

„Die politischen Führer bekräftigten ihre schwere Besorgnis über Russlands klare Verletzung des internationalen Rechts angesichts seiner militärischen Intervention in der Ukraine“, teite das Weiße Haus nach dem Telefonat mit.

Lesen Sie auch: Russland bereit zur Aufnahme der Krim

Kulturschaffende aus Ukraine richten Brandbrief an Putin

Auch mehr als 30 aus der Ukraine und Russland stammende Kulturschaffende haben den russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgefordert, eine militärische Eskalation in der Ukraine zu verhindern. "Wir dürfen einen Brudermord nicht zulassen", schrieben die 34 zumeist in Deutschland lebenden Unterzeichner eines offenen Briefs an Putin, der am Freitag auf der Internetseite des Berliner "Tagesspiegels" veröffentlicht wurde. Zu den Unterzeichnern gehören die Schriftsteller Wladimir Kaminer und Katja Petrowskaja sowie der Philosoph Michail Ryklin.

In dem Brief wird Putin aufgerufen, "den Befehl über den Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine zurückzunehmen, die Blockade aller ukrainischen Militäreinrichtungen und Flughäfen auf der Krim aufzuheben und unverzüglich den Dialog mit der provisorischen Regierung der Ukraine über eine Stabilisierung der Lage zu beginnen". Nach Auffassung der Unterzeichner war eigentlich erwarten worden, dass Moskau Hilfe "für den brüderlichen, aber souveränen ukrainischen Staat" leistet.

Stattdessen jedoch seien "anstelle der humanitären Hilfe Spezialeinheiten des russischen Militärs in die Ukraine entsandt" worden. Die Verfasser äußerten sich mithin überrascht, "dass sich ein modernes Russland, das im 20. Jahrhundert mehrere ausländische Interventionen und Kriege erlebt hat, im Jahr 2014 wieder auf einen bewaffneten Konflikt einlässt".

Die wichtigsten Akteure der Krim-Krise

Die wichtigsten Akteure der Krim-Krise

Experte: Russisches Vorgehen auf der Krim völkerrechtswidrig

Das Vorgehen Russlands auf der Krim ist nach Ansicht des Hamburger Völkerrechtlers Prof. Markus Kotzur rechtlich gar nicht gedeckt. „Sämtliche Rechtfertigungen für eine Verletzung der Souveränität der Ukraine scheinen mir nicht durchzugreifen, sondern vornehmlich politisch motiviert zu sein“, sagte der Vize-Direktor des Instituts für Internationale Angelegenheiten der Uni Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. Mit einer militärischen Auseinandersetzung rechne er dennoch nicht. Kremlchef Wladimir Putin sei zwar ein Provokateur, aber auch ein Realpolitiker, „der es auf den ganz großen Konflikt oder gar einen Krieg in Europa nicht ankommen lassen möchte“.

USA warnen vor Reisen in die Ukraine

Die USA warnen unterdessen angesichts der Krise vor Reisen in die Ukraine. US-Bürger sollten nicht unbedingt notwendige Reisen verschieben, teilte das Außenministerium in Washington mit. Vor allem wer sich auf der Krim befinde, solle sich vorsehen. „Die Lage in der Ukraine ist unvorhersehbar und kann sich schnell ändern“, warnte das Ministerium am Freitag. US-Bürger sollten vor allem größere Menschenansammlungen meiden.

dpa

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