1. Startseite
  2. Politik

Krim-Rückeroberung der Ukraine? Militärexperten erklären Erfolgschancen

Erstellt:

Von: Julia Schöneseiffen

Kommentare

Innerhalb einer Woche kam es zu mehreren schweren Explosionen auf der Krim. Nun stellt sich die Frage, ob eine Rückeroberung der Halbinsel durch die Ukraine möglich ist.

Simferopol – Die schweren Kämpfe im Ukraine-Krieg dauern an. Innerhalb einer Woche war es auf der Krim zweimal zu schweren Explosionen gekommen. Am 9. August erschütterten die Explosionen den russischen Luftwaffenstützpunkt Saki, eine Woche später wurde laut der Krim-Verwaltung ein Munitionslager im Norden getroffen. Wer für die Angriffe verantwortlich ist, ist unklar.

Jedoch versprach der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky Mitte Juni 2022 seinen Landsleuten die Rückeroberung der von Russland annektierten Krim. „Die ukrainische Flagge wird wieder über Jalta und Sudak, über Dschankoj und Jepatorija wehen. Natürlich werden wir auch die Krim befreien.“

Rückeroberung der Krim: Zugang zur Halbinsel ist stark gesichert

Doch wie wahrscheinlich ist eine Rückeroberung der Krim durch die Ukraine? Viele Experten halten dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. Der Militärexperte Prof. Carlo Masala erklärte nach den ersten Krim-Explosionen vergangene Woche gegenüber der Welt: „Ich halte es unter den gegenwärtigen Bedingungen für ein unrealistisches Kriegsziel, dass die Krim befreit wird“. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass der Ukraine sowohl das Personal als auch das Material für eine Eroberung der Krim fehle.

Ukraine-Krieg - ukrainische Soldaten
Militärexperte: Für eine ukrainische Rückeroberung der Krim fehlt es an Personal. (Symbolbild) © Evgeniy Maloletka/dpa

Außerdem ist der Zugang zu der Schwarzmeer-Halbinsel hauptsächlich durch die Brücke von Kretsch gesichert. Diese ist die direkte Verbindung zwischen der Krim und dem russischen Festland und „ist leichter zu verteidigen als anzugreifen“, so Masala. Daher habe es bislang auch keinen ukrainischen Angriff auf die Brücke von Kertsch gegeben, erklärte der Militärstratege Mauro Mantovani gegenüber der Schweizer Zeitung Blick. „Ein Angriff auf dieser Brücke erschien weniger Erfolg versprechend als Angriffe auf die beiden anderen Ziele. Die Brücke ist besonders stark gegen Luftangriffe und Raketenbeschuss gesichert“.

Angriffe auf der Krim: „Rückeroberung halte ich für undenkbar“

Trotzdem kann sich Mantovani vorstellen, dass sowohl die Krim als auch andere von russischen Truppen besetzte Gebiete zurückerobert werden können. Auf kurze Sicht gesehen, sei die Rückeroberung der Oblast Cherson realistisch, so der Experte gegenüber Blick. „Langfristig aber auch die Wiederherstellung der Ukraine in den Grenzen von 2013“. Dies würde demnach auch die Rückeroberung der ukrainischen Krim mit einschließen, die 2014 von Russland annektiert worden war.

Russlandexperte Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck hingegen hält, wie Experte Masala, eine Eroberung der Krim durch die Ukraine für unwahrscheinlich. Russland habe viel Zeit gehabt, die Krim militärisch aufzurüsten und werde alles daran setzen, einen Verlust der Krim zu verhindern, so Mangott gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am 11. August. „Dass Russland eine Rückeroberung der Krim zulassen wird, halte ich für undenkbar.“ (jsch)

Auch interessant

Kommentare