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Da schau her: BN-Chef Hubert Weiger sieht Seehofer neuerdings auf seiner Linie.

Krise einer Kampfgemeinschaft

Zwischen den Grünen und dem Bund Naturschutz kracht es

München - Eigentlich sind sie natürliche Partner im Kampf für die Umwelt. Doch nun kracht es zwischen den Grünen und dem Bund Naturschutz.

In den vergangenen Jahren marschierte man immer Seit an Seit. Gegen die Atomkraft, gegen den Donauausbau, gegen die dritte Startbahn. Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz engagieren sich bei den Grünen. Fast die gesamte Landesspitze der Partei ist Mitglied beim Verband. Doch nun versagt die politische Kampfeinheit. Scharfe Briefe gehen hin und her. Es geht um Inhalte – aber auch um politische Strategie. Und es kracht gewaltig.

Am Sonntag hatte der BN auf seiner Landesversammlung beschlossen, den Bau von Stromtrassen abzulehnen. Den Grünen stinkt das. Zur Beförderung von Ökostrom nach Bayern halten sie Leitungen für nötig. Aber damit nicht genug: Einen Tag vor der Abstimmung hatte BN-Chef Hubert Weiger auch noch bei der CSU-Vorstandsklausur im Kloster Andechs gesprochen. Mit der CSU liegt der BN meist über Kreuz. Aber: Auch Parteichef Horst Seehofer lehnt Trassen ab.

Anfang der Woche eskalierte der länger schwelende Konflikt zwischen BN und Grünen. Der Bund Naturschutz sei nun „Teil der populistischen Politik von Seehofer gegen die Energiewende“, ätzte der Bundestagsabgeordnete und Ex-Landeschef der Grünen, Dieter Janecek, in unserer Zeitung. Gleichzeitig kritisierte der Landesverband der Partei in einem Brief an alle Kreisverbände die Position des Verbands. Weiger reagierte mit einer scharfen Gegenattacke auf Janecek. Dessen Vorwürfe seien entweder von „völliger Unkenntnis“ oder von „billiger Politrhetorik“ geprägt, schreibt er in einem Brief an den Abgeordneten. Er solle „statt billiger Polemik“ wieder zur Sachauseinandersetzung zurückkehren. „Wir fordern dich auf, zu diesen Zitaten Stellung zu nehmen.“ Inzwischen hat er in einem Brief geantwortet. Allerdings ohne etwas zurückzunehmen. Es sei „strategisch falsch“, mit Seehofer zusammenzuarbeiten, weil der „wie kein anderer für die Blockade der Energiewende auf allen Ebenen“ stehe. Die Botschaft ist das, was die Partei am meisten ärgert. Der BN ist in Bayern ein echter Machtfaktor. Mehr als 200 000 Mitglieder hat der Verband nach eigenen Angaben – mehr als die CSU. Wem er seine Gunst schenkt, hat hat politisches Gewicht.

Weiger weist Janeceks Kritik zurück und spricht von einem „massiven Konflikt“. Er unterstütze Seehofers Position, weil sie der des Verbandes entspreche. Offenbar schätzt er ihn aber auch. Dafür spricht der Bericht eines Sitzungsteilnehmers in Andechs. „Mein sehr verehrter Herr Ministerpräsident“, spricht Weiger Seehofer dort an – und fügt an: „Und das meine ich wirklich so.“

Seehofer habe die CSU in mehreren Fragen auf BN-Linie gebracht, betont Weiger: Atomausstieg, sanfter Donauausbau, Ablehnung der Gentechnik. Der Ministerpräsident habe offenbar verstanden, dass der Anteil wertkonservativer, umweltbewusster Bürger in der Bevölkerung wachse, meint Weiger.

Die Grünen sehen es anders. Führende Parteivertreter legen gestern nach. „Der BN sucht den Schulterschluss mit einer Person, die in der Energiepolitik an allen Ecken und Enden mauert“, wettert Landeschef Eike Halitzky. Wer ehrlich sei, müsse zugeben, dass es ohne Trassen nicht gehe, sagt Fraktionschef Ludwig Hartmann. „Der BN verspielt gerade seine Glaubwürdigkeit.“

Til Huber

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