Krise mit der Türkei

Kommentar: In Erdogans Falle gerauscht

  • schließen

Es hilft nichts: Europas Staatschefs müssen im Umgang mit der Türkei besonnen bleiben. Wer die Spielregeln von Autokraten wie Erdogan akzeptiert, hat schon verloren. Ein Kommentar von Marcus Mäckler.

Update vom 27. März 2017: Im Vorfeld kam es zwischen Deutschland und der Türkei zu heftigen verbalen Auseinandersetzungen. Der Grund: Die Wahlkampf-Veranstaltungen für die neue Verfassung in der Türkei. Wir zeigen Ihnen, wo die 1,4 Millionen Türken in Deutschland seit heute abstimmen können.

Update vom 15. März 2017: Täglich kommen härtere Töne aus der Türkei. Es stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie weit geht Erdogan noch? Wir haben mit LMU-Türkei-Experte Christoph K. Neumann gesprochen, der den Konflikt und die Perspektiven einschätzt.

Ein, zwei Gläschen Raki wird sich Recep Tayyip Erdogan zur Feier schon gegönnt haben – denn das Drama vom Wochenende musste ihm gefallen: Erst ließ die niederländische Regierung seinen Außenminister nicht landen, dann schickte sie auch noch die Familienministerin per Polizeieskorte aus dem Land. Ein Lehrstück darüber, wie man in kurzer Zeit möglichst viel Diplomaten-Porzellan zerschlägt. Schlimmer ist aber: Die Niederlande sind damit ungebremst in Erdogans Falle gerauscht.

Nun hat der werdende Autokrat, was er wollte – und was er in Deutschland nur teilweise fand: Ein Feindbild nach außen, das es ihm erleichtert, sich vor dem wichtigen Verfassungs-Referendum als Opfer und großer Aufrechter unter den Staatschefs zu gerieren. Premier Mark Rutte wollte verhindern, dass Erdogan in seinem Land Politik macht? Er hat es ihm unendlich erleichtert.

Eine Erklärung ist sicher die Parlamentswahl am Mittwoch. Die Regierung ist nervös, weil ihr der Rechtsaußen und Islam-Gegner Geert Wilders im Nacken sitzt. Deshalb wollte Rutte wohl in der Türkei-Frage nicht zu lasch wirken. Stattdessen hat sich gezeigt, wie sehr Wilders die politische Marschrichtung der Niederlande mitbestimmt. Das Wochenend-Drama dürfte ihm Auftrieb geben.

Erdogans Provokationen auszuhalten, ist besonders hart. Aber sie à la Rutte zu kontern, ist eben besonders unklug. Es hilft nichts: Europas Staatschefs müssen im Umgang mit der Türkei besonnen bleiben. Wer die Spielregeln von Autokraten akzeptiert, hat schon verloren.

Hier erfahren Sie, wie der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic und Kanzleramtschef Peter Altmaier in der ARD-Sendung „Anne Will“ über die jüngsten Misstöne zwischen beiden Ländern diskutiert haben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Reaktionen auf Jamaika-Aus: „Schockiert über diesen Abgang“
Die FDP hat die Jamaika-Verhandlungen abgebrochen. "Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren", sagte FDP-Chef Christian Lindner am Sonntagabend. So …
Reaktionen auf Jamaika-Aus: „Schockiert über diesen Abgang“
Jamaika-Aus! Lindners FDP bricht Verhandlungen ab - Seehofer dankt Merkel
Bei den Jamaika-Sondierungen sollte es am Sonntag einen „letzten Versuch“ für eine Einigung geben. Nun traf die FDP eine Entscheidung - gegen die Viererkoalition.
Jamaika-Aus! Lindners FDP bricht Verhandlungen ab - Seehofer dankt Merkel
Verhandlungen über Jamaika-Bündnis gescheitert
Die Verhandlungen über ein Bündnis zwischen Union, FDP und Grünen sind gescheitert. Die FDP bricht die Gespräche ab. Die Kritik an den Liberalen ist groß. Wie geht es …
Verhandlungen über Jamaika-Bündnis gescheitert
Außenministerminister beraten über Rohingya-Krise
Naypyidaw (dpa) - Die Flucht Hunderttausender muslimischer Rohingya aus Myanmar dürfte zu den Hauptthemen eines Treffens europäischer und asiatischer Außenminister in …
Außenministerminister beraten über Rohingya-Krise

Kommentare