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Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Wirbel um SPD-Politikerin

Sohn auf Privatschule: Lehrerverband schießt gegen Schwesig

In Mecklenburg-Vorpommern gehen immer mehr Kinder auf Schulen privater Träger. Nun hat sich auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig dafür entschieden, ihr Kind an eine Privatschule zu schicken. Und das löst Diskussionen aus.

Update vom 10. September 2019: Die SPD-Chefin Manuela Schwesig hat wegen einer Brustkrebserkrankung ihren Rücktritt vom Partei-Vorsitz bekannt gegeben. Allerdings wird sie nicht alle Ämter aufgeben, erklärte sie in einer Stellungnahme.

Schwerin - Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) steht wegen der Entscheidung, ihr älteres Kind zum Schuljahresbeginn auf eine Privatschule zu schicken, in der Kritik. Nach Ansicht der Links-Opposition im Landtag offenbart der Schritt die Mängel und Lücken im staatlichen Schulsystem. Über Jahre hinweg seien öffentliche Schulen in Mecklenburg-Vorpommern kaputt gespart und Schulleitungen ans Gängelband gelegt worden. Wenn Schwesig nun ihr Kind auf eine Privatschule schicke, drücke dies auch mangelndes Vertrauen in das von ihr als Regierungschefin maßgeblich verantwortete staatliche System aus, sagte am Dienstag Linksfraktionschefin Simone Oldenburg.

Schwesig hatte im NDR, der zuvor über den Fall berichtet hatte, den Schulwechsel mit der Nähe zur Wohnung der Familie und dem damit kurzen Schulweg begründet. Die Schule in freier Trägerschaft liegt am Rande der Innenstadt. Das Schulgeld dort beträgt monatlich 200 Euro, kann laut Schulleitung aber für Kinder aus sozial schwachen Familien ermäßigt werden.

„Frau Schwesig kennt aus ihrer Tätigkeit alle Schulen in Schwerin und schätzt die dort geleistete Arbeit sehr, und zwar unabhängig davon, ob sich diese in staatlicher oder in freier Trägerschaft befinden“, sagte Regierungssprecher Andreas Timm. Die Frage, auf welche Schule das eigene Kind geht, sei eine persönliche Entscheidung. Schwesigs Sohn habe bislang eine staatliche Grundschule besucht, die einzige weiterführende Schule im Wohngebiet der Familie sei aber die Schule in freier Trägerschaft.

Anderen Familien, die nicht das Schulgeld aufbringen könnten, bleibe für ihre Kinder nur die örtlich zuständige Schule mit oft deutlich längeren Wegen, entgegnete Oldenburg. Damit bestimme entgegen dem Versprechen der SPD das Einkommen der Eltern doch über die Bildungschancen und -wege der Kinder.

Schulleitungsvereinigung kritisiert Schwesig

Kritik an Schwesig kam auch von der Schulleitungsvereinigung des Landes. Deren Vorsitzende Heike Walter sagte, es stelle sich die Frage, ob die Ministerpräsidentin doch nicht das Vertrauen in die öffentlichen Schulen habe. Schwesigs Entscheidung habe einen „bitteren Beigeschmack“, zitierte der NDR Walter.

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Anteil der Schüler an Privatschulen in den zurückliegenden zehn Jahren auf etwa elf Prozent verdreifacht. Nur in Bayern liegt der Anteil noch höher.

Landesbildungsministerin Birgit Hesse (SPD) sieht in dem Trend keinen Grund zur Besorgnis. Die landesweit 75 Schulen in freier Trägerschaft seien Bestandteil des Schulsystems und eine sinnvolle Ergänzung. Doch räumte sie ein, dass die Schulstruktur in der Landeshauptstadt Schwerin Defizite aufweise. „Darüber werden wir mit dem Oberbürgermeister reden müssen“, sagte Hesse.

Auch Deutscher Lehrerverband kritisiert

Der Linken warf die Ministerin vor, das Thema für sich zu instrumentalisieren. Entgegen der Darstellung der Opposition gebe die Landesregierung von Jahr zu Jahr mehr Geld für die Schulen aus. „Die Debatte ist an den Haaren herbeigezogen und es ist geschmacklos, Kinder mit hineinzuziehen“, sagte Hesse.

Auch der Deutscher Lehrerverband kritisiert Schwesigs Schulwahl. „Die Regierungschefin hat in die öffentlichen Schulen Mecklenburg-Vorpommerns offenbar wenig Vertrauen“, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch). Das sei ein „fatales Zeichen“. Es gelte aber auch hier, dass Schwesig - wie andere auch - im Privatleben frei entscheiden könne.

dpa

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