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Der ehemalige CSU-Landrat Harald Leitherer will den Kurs der CSU unter Horst Seehofer (M.) nicht länger mittragen. 

Harsche Kritik

Nach 49 Jahren: Ehemaliger Landrat tritt aus CSU aus - und geht auf Seehofer los

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Nach 49 Jahren ist der ehemalige Schweinfurter Landrat Harald Leitherer aus der CSU ausgetreten. Den Kurs der Partei möchte er nicht länger mittragen. 

Schweinfurt - 49 Jahre, mehr als ein halbes Leben, war Harald Leitherer Mitglied der Christlich-Sozialen Union in Bayern. Mit 16 Jahren ist er in die Partei eingetreten, 1994 dann wurde er in Schweinfurt zum Landrat gewählt, 18 Jahre hatte er dieses Amt inne. Ein Jahrzehnt saß er den fränkischen Landräten sogar vor. Doch jetzt ist Harald Leitherer, 65, aus der CSU ausgetreten.

„In den letzten Wochen ist der Gedanke gereift, dass ich raus muss aus der Partei“, erklärt Leitherer gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Es sei ein längerer Prozess gewesen. „Begonnen hat das 2015 mit Seehofers unsäglicher Schelte der Bundeskanzlerin auf der Bühne des CSU-Parteitags.“ Von da an habe er die CSU immer kritischer gesehen. 

Der letztendlich auslösende Moment war „das Schauspiel, das man veranstaltet hat wegen eines von 63 Punkten des sogenannten Masterplans.“ Das Vokabular, das benutzt worden sei, auch im Umgang mit Angela Merkel, könne er nicht verstehen. Zudem irritierte ihn, dass „jetzt eine solche Eile an den Tag“ gelegt werde, „um das Flüchtlingsproblem zu lösen, das im Vergleich zu 2015 heute eher nachgeordnet ist.“

Seehofer habe ein „Persönlichkeitsdefizit“

An einem Vormittag habe er dann seinen Computer angeschaltet und seinen Austritt „runtergeschrieben. Das Grundsätzliche ging relativ schnell“, so Leitherer. In dem Schreiben an CSU-Generalsekretär Markus Blume attestierte er Horst Seehofer ein „Persönlichkeitsdefizit“. Namentlich genannt wird auch Alexander Dobrindt, „der auf alles, was der Vorsitzende sagt, immer noch eins draufsetzt. Immer noch ein Krönchen, immer noch eine stärkere Provokation.“ Das sei einfach nicht anständig.

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Schon zu den Zeiten Stoibers hätte sich die Partei verändert. Vor seiner Zeit habe es noch eine Debattenkultur gegeben, später dann „hat er aus meiner Sicht alles ausgeschaltet, was ihm hätte gefährlich werden können.“ Ein reiner Machtmensch sei der ehemalige Ministerpräsident des Freistaates und Vorsitzende der CSU. „Seit Stoiber hat sich das sehr verschlechtert. Ich sage mal so: Mein Eindruck ist mittlerweile, dass die CSU-Führungsspitze relativ gleichgeschaltet ist.“ Abweichende Meinungen höre man kaum noch. 

„Werde es nicht bereuen“

Auch dem derzeitigen Ministerpräsidenten Bayerns, Markus Söder, unterstellt Leitherer, ein Machtmensch zu sein. Dies sei zwar „grundsätzlich nichts Verkehrtes“, Söder hätte aber „viel früher mäßigend eingreifen müssen.“ Die CSU arbeite sich an Nebenschauplätzen ab, nur um sich gegenüber der AfD behauten zu können. „Die wirklichen Herausforderungen vernachlässigt man.“ Es gehe um Europa, sagt Leitherer, das Verhalten der CSU sei sicher nicht europaförderlich. 

Für den Austritt aus der CSU bekäme er „bedeutend mehr Zuspruch als Kritik“, so der 65-Jährige. Weitere Partei-Mitglieder hätten ihn kontaktiert, um ihm zu erzählen, dass sie auch austreten wollen. Alles „Leute, die die Ziele der CSU früher aktiv mitgetragen haben und die jetzt traurig sind, dass man sich auf die niedrige Ebene begibt.“

Einer anderen Partei wolle Leitherer künftig aber nicht beitreten, „nach 49 Jahren tut man das nicht.“ Sein Schritt sei drastisch, die Partei sei seine geistige und politische Heimat gewesen. „Aber ich bin mir sicher, dass ich es nicht bereuen werde, ausgetreten zu sein.“

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