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Kultusminister Ludwig Spaenle wird für sein neues Konzept für das bayerische Gymnasium kritisiert.

Kultusministerium

Kritik am neuen Konzept für das Gymnasium

München - Es bleibt dabei: Eine generelle Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 soll es nicht geben. Die Landtags-Opposition ist empört, der Kultusminister beschwichtigt.

Neue Runde im Streit um die Gymnasialreform: Mit der anhaltenden Verweigerung einer generellen Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium hat die CSU-Staatsregierung einen neuen Proteststurm der Opposition ausgelöst. Die SPD erklärte am Mittwoch die komplette Reform für gescheitert, die Freien Wähler sprachen von Willkür, die Grünen von Murks. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) betonte dagegen, es gebe noch keine Obergrenze, wie viele Gymnasiasten am Ende die längere Variante wählen dürfen.

Spaenles Reformpläne hatten am Dienstag das Kabinett passiert. Demnach bleibt es dabei, dass es keine echte Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 und keinen Rechtsanspruch auf einen neunjährigen Zug geben soll. Vielmehr ist die „Mittelstufe plus“ mit einem zusätzlichen Schuljahr vor allem für Schüler mit pädagogischem Bedarf gedacht.

Wahlfreiheit nicht für alle Schüler

Die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwoch) zitierte aus einem „internen Konzept“, dass maximal 25 Prozent der Schüler die längere Variante wählen dürften. In dem Papier heißt es demnach: „Übersteigt die Nachfrage das einer Schule zur Verfügung stehende Kontingent, so trifft diese eine Auswahl unter Abwägung der pädagogischen Aspekte.“

Spaenle sagte dazu: „Wir gehen von einem Bedarf von etwa 25 Prozent aus.“ Das werde man in der geplanten Pilotphase nun „überprüfen“. „Eine fixe Grenze, die bereits beschlossen wäre, gibt es nicht“, betonte er. 25 Prozent, das sei die Prognose für die Pilotphase. An der zweijährige Pilotphase sollen etwa zehn Prozent der Gymnasien teilnehmen dürfen, nach Angaben Spaenles gegebenenfalls auch mehr.

Richtig Geld kosten soll die Gymnasialreform erst in einigen Jahren, wenn die Reform bayernweit umgesetzt wird: Unter der Annahme, dass jeder vierte Schüler in Zukunft einen neunjährigen Zug wählt, rechnet das Kultusministerium mit 600 bis 800 zusätzlich nötigen Stellen. Dabei handle es auch aber noch um eine sehr grobe Schätzung, hieß es. Nötige Gesetzesänderungen sollen ab 2016 in die Wege geleitet werden. 

Kritik an Gymnasialreform

Der SPD-Bildungsexperte Martin Güll kritisierte: „Es ist nicht vermittelbar, den Zugang zum G9 auf 25 Prozent eines Jahrgangs zu beschränken. Das führt zu Ungerechtigkeiten und Willkür.“ Die Entscheidung, wer ein Zusatzjahr im Gymnasium besuchen dürfe, liege bei der Schule. „Das ist Sitzenbleiben mit anderer Bezeichnung.“

Günther Felbinger (Freie Wähler) klagte: „Für ein solch triviales Endergebnis hätte es keines monatelangen „Dialogprozesses“ des Kultusministeriums bedurft.“ Er appellierte an die Staatsregierung, großzügig zu sein und möglichst vielen Schülern den Zugang zum G9 zu ermöglichen. Auch im ländlichen Bereich dürfe nicht von vornherein eine willkürliche Prozentzahl den Weg zum längeren Zug verstellen.

Thomas Gehring (Grüne) kritisierte: „Dialogforen, Expertengespräche, Anhörungen - das alles hätte es nicht gebraucht für diesen Murks.“ Ein „mutloser Minister“ beschränke sich nun „auf die Bildung einer Sitzenbleiberklasse zu Beginn der Mittelstufe“, erklärte er.

G9 bei besonderem pädagogischen Bedarf

Spaenle wies die Oppositionskritik scharf zurück. „Das ist eine Diskriminierung der Schülerschaft“, sagte er insbesondere mit Blick auf die Grünen. Er betonte, dass ein „pädagogischer Bedarf“ nicht nur bei schwächeren Schülern gegeben sein könnte, sondern auch bei Schülern mit besonderem sportlichem oder musikalischem Engagement - oder bei Schülern, die einen längeren Auslandsaufenthalt planen.

Noch vor gut zwei Monaten hatte die CSU den Anschein erweckt, als werde es künftig eine echte Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 für alle Gymnasiasten geben. Diese Pläne hatte das Kultusministerium aber vor einigen Wochen relativiert und erklärt, dass die neunjährigen Züge Schülern mit pädagogischem Bedarf vorbehalten bleiben sollen.

dpa

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