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Nach Melnyks empörenden Aussagen über Nationalist Bandera: Ukraine distanziert sich von eigenem Botschafter

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Von: Momir Takac

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Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, steht in Zeiten des russischen Angriffskriegs im Fokus.
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, steht in Zeiten des russischen Angriffskriegs im Fokus. © Imago

Neuerlicher Eklat des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk: Nach der Verteidigung des umstrittenen Nationalistenführers Stepan Bandera hagelt es Kritik.

Kiew - In der Nacht zum Donnerstag hatte Andrij Melnyk dem deutschen Journalisten Tilo Jung ein Interview gegeben, das jetzt hohe Wellen schlägt. Der ukrainische Botschafter in Deutschland hatte bestritten, dass es Beweise für den Massenmord an Juden durch Anhänger des ukrainischen Nationalistenführers Stepan Bandera gibt.

Melnyk: „Bandera war kein Massenmörder von Juden“

„Bandera war kein Massenmörder von Juden und Polen“, hatte Melnyk in dem Videointerview gesagt. Auch hatte er deutschen, polnischen und israelischen Historikern vorgeworfen, bei der gezielten Dämonisierung Banderas durch die Sowjetunion mitgespielt zu haben. „Ich bin dagegen, dass man all die Verbrechen Bandera in die Schuhe schiebt“, hatte der Diplomat gesagt. Auch den Vorwurf, Bandera habe mit Nazis kollaboriert, hatte Melnyk geleugnet.

Für seine Äußerungen wurde der Botschafter, der während des andauernden Ukraine-Konflikts immer wieder durch abfällige Äußerungen gegenüber Mitgliedern der Bundesregierung aufgefallen war, in Polen und den sozialen Medien scharf kritisiert. Und auch die Ukraine hat sich jetzt geäußert - und zwar gegen ihren eigenen Botschafter.

Melnyks Äußerungen über Bandera: Kiew hat eine klare Meinung

„Die Meinung des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk, die er in einem Interview mit einem deutschen Journalisten ausgedrückt hat, ist seine persönliche und gibt nicht die Position des ukrainischen Außenministeriums wider“, teilte die Behörde in der Nacht zum Freitag auf ihrer offiziellen Webseite mit.

Das Außenministerium dankte in dem Statement, das in englischer Sprache verfasst wurde, zudem Warschau für die derzeitige „beispiellose Hilfe“ im Krieg der Ukraine gegen Russland. Wörtlich heißt es darin: „Wir sind überzeugt, dass die Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen derzeit auf ihrem Höhepunkt sind.“

Stepan Bandera: Nationalistenführer wird seit Regierungssturz 2014 in der Ukraine verehrt

Bandera war ideologischer Führer des radikalen Flügels der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nationalistische Partisanen aus dem Westen der Ukraine waren 1943 für ethnisch motivierte Vertreibungen 1943 verantwortlich, bei denen Zehntausende polnische Zivilisten ermordet wurden. Bandera floh nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, wo er 1959 von einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KGB ermordet wurde.

In der Ukraine wird besonders seit dem Regierungssturz von 2014 ein Kult um Stepan Bandera und OUN-Vertreter betrieben. Hunderte Straßen wurden nach Bandera und anderen OUN-Vertretern benannt. (mt/dpa)

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