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Kroatiens Einwohnerzahl schrumpft: Niedrige Geburtenraten und Auswanderung bereiten Probleme

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Von: Aleksandra Fedorska

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Blick auf die kroatische Stadt Dubrovnik vom kleinen Berg Srdj.
Blick auf die kroatische Stadt Dubrovnik vom kleinen Berg Srdj. © Grgo Jelavic/PIXSELL/Imago

Die Einwohnerzahl in Kroatien geht seit Jahrzehnten zurück - auch während Corona. Besonders belastend für die kroatischen Familien sind zwei Aspekte.

Zagreb - Eine Zählung aus dem letzten Jahr ergab, dass Kroatien* mittlerweile nur noch 3.888.529 Einwohner hat. Vor zehn Jahren waren es noch rund neun Prozent mehr. Seitdem verzeichnete das Land 400.000 weniger Einwohner, was etwa der Größenordnung von kroatischen Großstädten wie Split oder Rijeka entspricht.

Die Einwohnerzahlen verringern sich nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten, was besonders ungewöhnlich ist auch vor dem Hintergrund demografischer Probleme auf dem Westbalkan. Kroatien gehört mit Lettland*, Bulgarien* und Rumänien* zu jenen Ländern in der EU, deren Bevölkerungszahl kontinuierlich abnimmt.

Bevölkerungsrückgang in Kroatien: Ursachen und Hintergründe

Das kroatische Zentralamt für Statistik gab bereits für 2020 alarmierende Zahlen bekannt. Schon 2019 starben insgesamt 63.611 Kroaten. In keinem Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg starben innerhalb eines Jahres so viele Menschen in Kroatien. Auf der anderen Seite wurden lediglich 36.478 Kinder geboren. Daraus ergibt sich ein erhebliches negatives Wachstum. Diese Entwicklung setzte sich nach Angaben des Zentralamtes für Statistik noch weiter fort. Kroatische Medien sehen in dem unzureichenden Arbeitsplatzangebot und fehlenden Wohnungen für junge Paare die Hauptgründe für die Kinderlosigkeit. Kroatien hat eine Arbeitslosenquote von sieben Prozent.

Die hohe Sterblichkeitsrate durch die Corona-Pandemie* hat sicherlich zu den verheerenden Statistiken beigetragen, aber es gibt wahrscheinlich auch eine Zunahme der Sterblichkeit durch andere Krankheiten, die aufgrund der Belastung des Gesundheitssystems nicht rechtzeitig erkannt oder behandelt werden konnten.

Bevölkerung in Kroatien: Kein Ausgleich durch Einwanderung

Aus demographischer Perspektive ergibt sich aber die Frage, weshalb die Einwanderung nach Kroatien den Einwohnerschwund nicht ausgleicht oder zumindest beschränkt. Im Jahr 2020 wanderten 33.414 Personen aus dem Ausland in die Republik Kroatien ein und 34.046 Personen wanderten aus. Der Migrationssaldo der Bevölkerung der Republik Kroatien mit dem Ausland war negativ und betrug -632. Von der Gesamtzahl der Einwanderer in die Republik Kroatien wanderten 28,2 Prozent aus Bosnien und Herzegowina ein. Von der Gesamtzahl der Auswanderer aus der Republik Kroatien wanderten die meisten nach Deutschland aus (34,2 Prozent).

Im Gegensatz zu Polen und Litauen ist Kroatien trotz seiner Mitgliedschaft in der EU kein Einwanderungsland geworden. Zwar steigt die Zahl der Einwanderer aus Bosnien und Herzegowina in den letzten Jahren kontinuierlich an, blieb aber in den Pandemiejahren auf einem sehr überschaubaren Niveau.

Video: Urlaub in Kroatien - Die 5 schönsten Städte Kroatiens

Bevölkerung in Kroatien: Hoffnung aus Bosnien und Herzegowina

„Aber, wenn wir die Entvölkerung umkehren wollen, dann müssen wir uns noch stärker auf die Migration konzentrieren, weil sie kurzfristig effektiver ist“, sagte der Demografieprofessor Ivan Čipin von der Wirtschaftsfakultät der Universität Zagreb und Leiter des Zentrums für Bevölkerungslängsstudien kroatischen Medien. Čipin hält die Möglichkeit weitere Zuwanderer aus Bosnien-Herzigowina zu gewinnen für besonders aussichtsreich, auch wenn Kroaten im Allgemeinen nicht für ihren Hang zum Multikulturalismus bekannt sind.

„Ohne die Pandemie hätten wir 2020 und 2021 wahrscheinlich eine Rekordzahl von Einwanderern aus Bosnien und Herzegowina, aber auch aus Serbien, dem Kosovo und anderen Ländern Südosteuropas – überwiegend Arbeitsmigranten – 90 Prozent der Einwanderer waren männlich zwischen 20 und 49 Jahre alt. Sie kommen hierher, um zu arbeiten, meist allein ohne Familie, und eine solche Einwanderung wird keine großen Auswirkungen auf demographischen Prozesse, wie die Fruchtbarkeit haben“, sagte der Demograf.

Darüber hinaus kündigte die kroatische Regierung eine Maßnahme an, die Menschen mit kroatischen Wurzeln ansprechen soll. Sie würden 200.000 Kuna, umgerechnet 26.000 Euro, erhalten, wenn sie nach Kroatien zurückzukehren, um dort ein Unternehmen zu gründen. Die Regierung gab aber gleichzeitig an, dass sie etwa 4.500 Rückkehrer erwartet, die von diesen Maßnahmen Gebrauch machen würden. Allein diese Zahl macht deutlich, dass der Einwohnerschwund in Kroatien so kaum effektiv bekämpft werden kann.

Bevölkerungsrückgang in Kroatien: Es braucht bessere Lebensbedingungen

Gerade das Wohnungsproblem, das wohl viele Paare vom Kinderkriegen abhält, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Kroatien mit seinen Potenzialen umgeht. In den letzten zehn Jahren wurden 103.500 neue Wohnungen gebaut. Dies könnte den heimischen Bedarf durchaus entlasten, aber diese Wohnungen entstanden in der Regel in den touristisch begehrten Regionen und werden als Ferienwohnungen für ausländische Touristen genutzt.

„Woran der Staat arbeiten sollte, ist die Beseitigung der Barrieren, die ursprünglich zur Auswanderung geführt haben“, sagte Čipin. Er wies darauf hin, dass die Korruption und Vetternwirtschaft als Auslöser der Auswanderung genannt werden. Daher sollte in diesem Bereich etwas verändert werden, damit die Menschen das Land nicht mehr verlassen müssen. (Aleksandra Fedorska)

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