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Bürger Kroatiens stimmen in einem Volksentscheid über Verbot der Homo-Ehe in der Verfassung ab.

Verfassungsänderung

Kroatien stimmt über Verbot der Homo-Ehe ab

Zagreb - Im neuen EU-Mitgliedsland Kroatien stimmen am Sonntag die Bürger darüber ab, ob ein Verbot der Homo-Ehe in der Verfassung verankert werden soll. Erste Hochrechnungen ergeben ein Nein.

Die Bürger des EU-Neumitglieds Kroatien haben in einem Referendum über ein Nein zur Homo-Ehe abgestimmt. Die Wahllokale öffneten am Sonntagmorgen um 7.00 Uhr (MEZ), erste Teilergebnisse sollen am Abend vorliegen. In den jüngsten Umfragen zeichnete sich eine klare Mehrheit für ein Nein ab. Am Samstag hatten Gegner des Vorhabens in Zagreb für die Rechte von Homosexuellen demonstriert.

Auf Betreiben einer konservativen Initiative soll in der Verfassung festgeschrieben werden, dass der Bund der Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau eingegangen werden kann. Den Umfragen zufolge wollten 68 Prozent der Stimmberechtigten dem Vorhaben zustimmen. Die katholische Kirche, der fast 90 Prozent der 4,2 Millionen Kroaten angehören, rief dazu auf, die geplante Verfassungsänderung zu unterstützen. Eine Mindestwahlbeteiligung war nicht festgeschrieben worden.

Etwa tausend Menschen demonstrierten am Samstagabend in Zagreb für die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren. Nach einem mehrstündigen Protestmarsch entrollten sie vor dem Parlamentsgebäude eine riesige Regenbogenfahne, das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. Auch die Mitte-Links-Regierung lehnt die Initiative als diskriminierend ab. Sie hatte einen Gesetzesentwurf für das Modell eingetragener Partnerschaften für homosexuelle Paare angekündigt. Das Referendum sei "traurig und sinnlos", sagte der kroatische Regierungschef Zoran Milanovic nach seiner Stimmabgabe am Sonntag. "Ich hoffe, dies ist das letzte Referendum über Themen, die den persönlichen Bereich der Familien betreffen, in den niemand eindringen sollte."

Kroatiens Homosexuelle haben in den vergangenen Jahren einige Fortschritte erzielt. Die Teilnehmer der ersten Gay Pride im Jahr 2002 waren noch von Extremisten verprügelt worden. Mittlerweile finden regelmäßig Schwulen- und Lesbenparaden in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik statt. 2003 wurden homosexuellen Paaren die gleichen Rechte gewährt wie Heterosexuellen, die unverheiratet zusammenleben. Auch in den Medien wird Homosexualität nicht mehr so stark tabuisiert. Allerdings bekennen sich laut einer Umfrage nur 37 Prozent, also gut ein Drittel der kroatischen Schwulen und Lesben, zu ihrer sexuellen Orientierung. 74 Prozent der Homosexuellen sind demnach Opfer von Diskriminierungen, 17 Prozent erlebten auch körperliche Angriffe.

afp

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