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In der CSU scheint eine Erkenntnis zu reifen: Für die Ministerpräsidentenwahl 2018 hat Markus Söder derzeit Aussicht auf reichere Ernte als Kollegin Ilse Aigner.

Kronprinzen-Umfrage

Söder hat die Nase deutlich vorn

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München - Umfragen sind ein unbarmherziges Zwischenzeugnis für Politiker. Wen mag das Volk? Wen kennt es nicht mal? Zu Jahresbeginn stehen überraschend klar zwei Franken als Klassenbeste da.

Vor zehn Tagen flatterte ein sehr angenehmer Brief auf den Schreibtisch von Markus Söder. Der Ministerpräsident gratulierte seinem Finanzminister zum 48. Geburtstag. Neben den protokollarischen Höflichkeiten, formuliert von einem braven Redenschreiber, hatte Horst Seehofer handschriftlich etwas notiert: „Danke für die perfekte Arbeit.“ Weil Seehofer mit Söder beiderseits nur mäßige Zuneigung verbindet, ist das ein Riesen-Lob.

Tatsächlich läuft es gerade richtig gut für den ehrgeizigen Finanzminister. Abzulesen ist das an Seehofers Schnörkeln – und nun auch an Zahlen. Im „Bayerntrend“ des BR-Magazins Kontrovers, gestern Abend vorgestellt, macht Söder einen großen Satz nach vorne. Der Sender lässt Infratest dimap jährlich umfangreich Details der Landespolitik abfragen: Prognosen, Bekanntheit, Beliebtheit. Weil spätestens 2018 ein neuer Ministerpräsident gesucht wird, wurde heuer direkt nach Kronprinzen gefragt. Söder führt hoch: 41 zu 24 vor Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, es folgen Innenminister Joachim Herrmann mit 12 und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt mit 7 Prozent. Unter den CSU-Anhängern liegt Söder sogar mit 46:25 vor Aigner. Ihre Werte sanken, seine stiegen stark.

Das deckt sich mit der medialen Bewertung im ersten Jahr nach der Landtagswahl – begonnen beim Ressortzuschnitt, als Söder den Extra-Titel „Heimatminister“ erhielt und Aigner den Mega-Bereich Verkehr abgeben musste. Die Oberbayerin tat sich lange schwer mit ihrem Ressort, mit den landespolitischen Kämpfern und Sensibelchen. Söder glänzte mit Rekord-Haushaltszahlen und arbeitete gut das Landesbank-Desaster ab; Aigner musste sich derweil mit der knorrigen Energiewende herumschlagen. Von Seehofer, obwohl er Söder 2014 herb zusammenstauchte, heißt es, er verliere allmählich die Zuversicht bei seiner ursprünglichen Favoriten Aigner. Letzte Chance für sie: Im laufenden Energiedialog eine sehr gute Figur abzugeben.

Die Umfrage ist nur ein Zwischenstand mit Fehlertoleranz. Allerdings bekräftigt Seehofer selbst immer wieder, für den geordneten Übergang 2018 sei die Akzeptanz im Wahlvolk der zentrale Faktor. „Es wird immer die Bevölkerung entscheiden“, sagt er auch an diesem Tag. Und ein paar nette Sätze über Söder dazu: „Ich würde vermuten, dass er durch seine Arbeit gepunktet hat.“ Dazugelernt habe er. Und: „Der ist nicht beratungsresistent.“ Das Miteinander im Kabinett funktioniere im Moment „recht gut“.

Für Triumph- oder Kampfgeheul sind Söder und Aigner an diesem Abend zu klug. Söder murmelt etwas von „Momentaufnahme“, „Ansporn“ und „hart arbeiten“. Aus der Fraktion (die den Ministerpräsidenten wählt) ist zu hören, man bilde sich seine Meinung schon noch selbst, nicht nach Umfragen und Schlagzeilen; da liege derzeit keiner klar in Führung. „Das Rennen ist völlig offen“, sagt einer, der früher schon mal mitrannte.

Als SPD-Gegenkandidaten können sich die Wähler am ehesten Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly vorstellen (34 Prozent), mag er auch noch so energisch seine Ambitionen dementieren. Weit dahinter: Fraktionschef Markus Rinderspacher (17), Landeschef Florian Pronold (16) und Generalsekretärin Natascha Kohnen (5).

Bayerns beliebteste Politikerin bleibt Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU, Schulnote 2,4). Dahinter: Söder, Herrmann und Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter (je 2,7). Die CSU-Minister Marcel Huber (2,8), Aigner und Ministerpräsident Seehofer (beide 2,9) folgen. Seehofer, Söder und Aigner sind als einzige Politiker mindestens neun von zehn Bayern bekannt.

Auf 3,0 kommen die neuen Minister Melanie Huml, Ulrike Scharf und Winfried Bausback. Ihre Bekanntheit liegt aber nur bei 32 bis 44 Prozent, ein ausbaufähiger Wert. Im Block weit hinten bei Note 3,2: Die Opposition mit Rinderspacher, Pronold sowie den Grünen Ludwig Hartmann und Margarete Bause, knapp vor dem Freien Wähler Hubert Aiwanger. Dabei hält die rote Laterne ein Schwarzer: Dobrindt, Note 3,5 – wohl ein dickes Maut-Minus.

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