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Kritische Stimmen dominieren die Kruzifix-Debatte.

Umfrage unter Hochschulgruppen

Kruzifix-Verordnung eine „antidemokratische“ Idee? Auch von Studenten hagelt es Kritik

Politik und Kommentatoren arbeiten sich seit Tagen am Markus Söders Kruzifix-Beschluss ab. Auch unter Studenten-Organisationen in Bayern stößt der Vorstoß auf harsche Kritik.

München - Die Kruzifix-Debatte ist in aller Munde: Seitdem Markus Söders Vorhaben mit dem Kreuz vorstellte, tobt eine Diskussion quer durch alle Medien. Da auch Universitäten - als öffentliche Einrichtungen - von dem Beschluss betroffen sind, sind auch die Studenten im Freistaat betroffen. Einige von ihnen wollen auf die Barrikaden gehen.

So äußerte sich der Regensburger Studentensprecher Tarek Carls kürzlich zur Thematik. Auch in München ist die Stimmungslage äußerst kritisch, wie eine Mini-Umfrage von merkur.de zeigt. 

Regensburger Studenten äußern sich gegen Söders Beschluss 

Schon bald nach Söders Ankündigung wurden Stimmen laut, die in dem Beschluss vor allem eines sahen: Eine Instrumentalisierung des Ursymbols des Christentums, zuletzt meldete sich gar Kardinal Reinhard Marx zu Wort. Auch Tarek Carls - der studentische Sprecher der Universität Regensburg - sprach sich öffentlich gegen Söders Vorstoß aus. Es handle sich um eine aufgezwungene christliche Staatssymbolik, die eine religiöse Richtung gegenüber allen anderen privilegiere.

Mit Rückendeckung seiner studentischen Mitstreiter distanzierte er sich vom „exklusiven Identitätsbegriff“ und kündigte Protest an, falls auch an der Uni Regensburg Kreuze aufgehängt würden. Für die Regensburger Studenten steht fest: „Wissenschaft war immer mit einem humanistischen und aufklärerischen Auftrag verbunden. Wissenschaftler*innen können religiös sein, die Wissenschaft kann es nicht“. So schreiben sie es in einem Statement zur Kreuzverordnung.

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Statements aus München: So sieht die Juso-Hochschulgruppe die Kruzifix-Verordnung 

Doch was meinen die Münchner Studenten zu der Kruzifix-Verordnung vom bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder? Bei der Liberalen Hochschulgruppe München stören sich viele Studenten an der Verordnung, wie die Gruppe auf Anfrage von merkur.de mitteilte.

Der Vorstand der Juso-Hochschulgruppe München, Kevin Martin, äußerte sich im Gespräch mit merkur.de ebenfalls kritisch. Ähnlich wie die Regensburger sieht auch Martin ein grundlegendes Problem darin, dass „der Staat sich mit diesem Beschluss eine Religion zueigen macht und andere Religionen dadurch nicht einbezogen werden“. Gerade in Bayern, wo es einige Atheisten gebe, sollte ein derartiger Eingriff vermieden werden, findet Martin. Damit pflichtet er jenen Kritikern bei, die monieren, dass das Kreuz durch Söders Intervention als Ausgrenzungssymbol missbraucht werde. 

Die Studenten um Carls in Regensburg starteten bereits am Mittwochabend eine Petition gegen die Anordnung des Kabinetts, die unter dem Titel „Kein #Kreuzzwang in öffentlichen Institutionen“ im Netz kursiert und bereits knappe 36.000 Unterschriften hat.

Die Juso-Hochschulgruppe in München plant hingegen vorerst keine Proteste. Martin hält es aber für sehr wahrscheinlich, dass er - ähnlich der Ankündigung Carls‘ - ein Kreuz im Seminarraum entfernen würde, falls Söder sein Vorhaben tatsächlich umsetzt. Auch eine Kooperation mit anderen Fachschaften ist für Martin eine Option. Sein harter Vorwurf: Der CSU-Beschluss zeige eine antidemokratische Sichtweise. Deshalb schließe auch er sich der Forderung der Regensburger Studenten an. “Der Beschluss muss zurückgenommen werden“, findet er.

Die Grüne Hochschulgruppe München und den Ring Christlich-Demokratischer Studenten beantworteten Anfragen zum Thema zunächst nicht.

CSU: Kritiker seien eine unheilige Allianz von Religionsfeinden

Dass die Kreuzverordnung auf viel Kritik stößt, ist aber auch der CSU nicht entgangen. So sagte Generalsekretär Markus Blume: „Bei den Kritikern haben wir es mit einer unheiligen Allianz von Religionsfeinden und Selbstverleugnern zu tun“

Diesen Vorwurf wies der Juso Martin entschieden zurück. Er betonte, er sei selbst bekennender Christ - wenn es ihn wegen seines Studiums nicht nach München gezogen hätte, wäre er höchstwahrscheinlich in den heimischen Kirchenbeirat eingetreten. Wenn man bedenke, dass selbst der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Bayern (BDKJ) und die Evangelische Jugend Bayern (EJB) nicht hinter der Verordnung stehen, könne man wohl kaum behaupten, dass es sich hierbei um eine unheilige Allianz handle, findet Martin. 

BDKJ und EJB hatten zuvor in einem offenen Brief erklärt: „Als junge Christinnen und Christen sind wir persönlich schockiert und betroffen“. Weiter sprachen die kirchlichen Jugend-Organisationen von einer „theologischen Entleerung und Missachtung religiöser Sinndeutung und Identität“.

Hintergründe zur Kruzifix-Debatte

Auf der Sitzung des bayrischen Ministerrats am 24. April hatte das Kabinett den Beschluss verkündet, dass ab dem 1. Juni in Eingangsbereichen aller Behörden des Freistaats ein Kreuz anzubringen ist. Markus Söder begründete seine Kruzifix-Offensive damit, dass es sich hierbei um ein „Bekenntnis zur Identität“ und zur „kulturellen Prägung“ Bayerns handle. Außerdem sei das Kreuz nicht als Zeichen einer Religion zu verstehen. Somit besteht nach Aussage des neuen Landesvaters kein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot.

Ob Söder seinen Beschluss doch noch zurückzieht bleibt weiterhin abzuwarten. So lange werden hitzige Kruzifix-Debatten aber sicher noch zu einigen verbalen Reibereien führen. 

Lesen Sie auch: „Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: Söder kommt der absoluten Mehrheit näher

ang

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