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FDP-Vize Wolfgang Kubicki ließ bei Markus Lanz kein gutes Haar an der SPD und Martin Schulz.

TV-Talk im ZDF

FDP-Mann Kubicki bei Lanz: Kiffer-Spitze gegen Grüne und Frontalangriff auf Schulz

Nach der Wahl ist vor den Verhandlungen: Wolfgang Kubicki äußert sich bei Markus Lanz zu einer möglichen Jamaika-Koalition. Der FDP-Mann schießt scharf gegen die Sozialdemokraten und deren Vorsitzenden Martin Schulz. 

Berlin - Man sollte meinen, dass sich nach der Wahl die Gemüter beruhigt hätten, doch bei Markus Lanz lieferten sich FDP-Vize Wolfgang Kubicki und Linken-Vorsitzende Katja Kipping einen mehr oder weniger humorigen Schlagabtausch. Das Thema war natürlich die mögliche Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP. Bei Wolfgang Kubicki, seit 2013 stellvertretender Bundes-Vorsitzender der Liberalen scheint die Aussicht auf dieses Bündnis nämlich keineswegs auf Uneingeschränkte Zustimmung zu stoßen. Vielmehr schießt der gebürtige Braunschweiger kräftig gegen die SPD. Deren selbsterklärter Gang in die Opposition bringe das Land in eine Situation, die so nicht vorgesehen gewesen sei und erinnere ihn eher an das Verhalten eines beleidigten Kleinkindes, das seine Förmchen einpackt und einfach den Sandkasten verlasse. Auf den Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten, Martin Schulz, hatte sich Kubicki bereits am Wahlabend eingeschossen, dessen Absage an eine Neuauflage der großen Koalition als „erbärmlich“ bezeichnet. In der Sendung von Markus Lanz legte er zwei Tage später noch einmal nach: „Ich finde es bedauerlich, dass ein Vorsitzender einer Volkspartei, der Kanzler werden wollte, und gleichzeitig erklärt, er geht in die Opposition, damit dokumentiert, dass er kein Kanzlerformat hat”. 

„Das können Splitterparteien wie die Linken machen“

Es sei weniger die Tatsache, dass die SPD keine Regierungsverantwortung unter Angela Merkel mehr übernehmen wolle, was ihn so nerve, sondern schlichtweg der für ihn unpassende Zeitpunkt: Kubicki findet, dass die Sozialdemokraten erst einmal in Verhandlungen hätten gehen sollen, um dann transparent sagen zu können, dass es nicht mehr weitergeht. Doch nicht nur die SPD dient dem Landeschef der Schleswig-Holsteinischen FDP als willkommene Ablenkung vom Dilemma seiner Partei: auch für die ebenfalls in der Runde sitzende Katja Kipping und ihre Partei die Linke hat Kubicki einen Seitenhieb parat: Demnach stünde dieses Verhalten einer Volkspartei wie der SPD nicht gut zu Gesicht, sondern passe eher zu Splitterparteien wie den Linken. Die Retourkutsche folgt auf dem Fuß, denn die „Splitterpartei“ hat lediglich 1,5% weniger auf dem Konto als die Liberalen. 

“Wir haben die coole Lässigkeit jetzt zum Programm erhoben”

Anschließend driftet die Diskussion allerdings leider ins Semi-komische ab. Denn die Feststellung, dass von den Kontrahenten nach der Wahlentscheidung vom Sonntag spürbar ein enormer Druck abgefallen sei, nimmt die Linken-Chefin zum Anlass von ihrer harten Feierei auf der Wahlfeier der Linken zu erzählen. Auch harte Verhandlungen mit dem DJ habe sie geführt, um immerhin 50% ihrer (Musik-)Wünsche durchzusetzen und an Kubicki gewandt: „Da habe ich gedacht, so wird es Ihnen dann in den Koalitionsverhandlungen gehen”. Dessen Hinweis er könne sich nicht vorstellen, dass Jürgen Trittin oder Angela Merkel zu DJs mutierten, toppt Lanz mit dem Einwurf, dass ersterer immerhin schon einmal als DJ Dosenpfand bekannt geworden sei. 

Doch ganz um eine Aussage zur Möglichkeit Jamaika kommt der FDP-Mann dann doch nicht herum: Dieser DJ Dosenpfand stünde ja schließlich bald vor seiner Tür. Doch das sieht Kubicki gelassen: „Wir haben seit einigen Monaten in Schleswig-Holstein Jamaika, wir haben die coole Lässigkeit zum Parteiprogramm erhoben“. Darauf Lanz: „Haben sie gerade coole Lässigkeit gesagt? Kiffen Sie jetzt auch?“ - „Nein das überlasse ich den Grünen“. Der Weg nach Jamaika scheint ein längerer zu werden.

MH

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