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Für Kunstherzen und Gewebezüchtung

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- München - Deutschlands bekanntester Herzchirurg, Professor Bruno Reichart, Chef der Herzchirurgie im Münchner Uniklinikum Großhadern, wird an diesem Samstag 60. Reichart hat sich international einen Namen gemacht, weil er immer wieder mutig neue Wege in der Chirurgie beschritten hat.

Vor gut 21 Jahren begann er im Klinikum Großhadern mit Herzverpflanzungen. München war da schon eine Pionierstadt für Transplantationen: Drei Monate zuvor war eine Verpflanzung im Herzzentrum gelungen. Begonnen hatten Münchner Herzchirurgen sogar schon 1969 mit der Organverpflanzung, doch ohne Erfolg. Man beherrschte damals die Abstoßungsreaktion des Körpers noch nicht.

Inzwischen war das anders. Und so konnte Reichart 1983 als Erster in Europa erfolgreich einem jungen Mann Herz und Lungen einpflanzen. Heute gehört er zu den weltweit führenden Transplanteuren. Sein größter Geburtstagswunsch: "Eine bessere Organspenderegelung in Deutschland." Damit keinen Kranken mehr der Tod auf der Warteliste trifft.

Ebenfalls als Erstem in Europa gelang es Reichart dann 1992, einem Patienten, der auf ein Spenderherz wartete, mit einem vorübergehend eingesetzten Kunstherz das Leben zu retten, bis ein Herz gefunden war. Die Methode wird heute mit unterschiedlichen Herzmodellen in den großen Zentren durchgeführt.

Auf das dauerhafte Kunstherz als totalen Organersatz müssen Herzkranke zwar noch warten. Doch etliche Arbeitsgruppen sind mit der Entwicklung neuer Materialien und Techniken auf dem besten Weg dazu. Das Kunstherz kommt, davon ist Reichart überzeugt, der - die intensive Zusammenarbeit mit Top-Chirurgen der USA nutzend - auch als Erster in Deutschland einen Herz-Roboter in seine Klinik stellte.

Dessen Nutzung überlässt er bewusst jüngeren Kollegen, die ihren Weg in die Zukunft suchen. "Ein Roboter wird zwar nie den Herzchirurgen ersetzen können, und das soll er auch nicht", sagt Reichart, "doch er kann ihn unterstützen." Derzeit wird der Roboter in den USA "aufpoliert". Er erhält beweglichere Hände und einen Monitor, auf dem der Chirurg das Herzinnere dreidimensional vor sich sieht (mit 3D-Brille).

Das schönste Geburtstagsgeschenk, das die Medizinerwelt Reichart zu seinem Geburtstag machen kann, ist ein Symposium über die Zukunft der Herzchirurgie, bei dem am heutigen Samstag im Bayerischen Hof 14 Experten neueste Entwicklungen darstellen. Etwa zur Züchtung von gesundem Herzgewebe, auf das auch Reichart hofft.

Oder über minimalinvasive "Schlüsselloch"-Eingriffe: Immer mehr Bypass-Operationen werden durch Endoskope (Sichtrohre) ohne Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Am Freitag waren dies allein in Großhadern drei von acht Gefäßumgehungs-Operationen.

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