Kurden im Irak: IS-Terroristen setzen Chemiewaffen ein

Erbil - Enthauptungen, Massenerschießungen, Versklavungen - und nun Giftgas? Viele trauen es der IS-Miliz zu, auch verbotene Chemiewaffen zu benutzen. Die Kurden im Irak wollen nun Beweise haben.

Die kurdischen Kämpfer im Nordirak werfen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor, international geächtete Chemiewaffen einzusetzen. Der Sicherheitsrat der kurdischen Autonomieregierung in Erbil erklärte am Samstag, ihm lägen Beweise vor, dass die sunnitischen Extremisten im Januar bei einem Selbstmordanschlag mit einem Lastwagen Chlorgas verwendet hätten. Der Lkw hatte demnach rund 20 Gasbehälter geladen.

Der Anschlag gegen kurdische Peschmerga-Einheiten trug sich am 23. Januar auf einer Straße von Mossul, das vom IS beherrscht wird, in Richtung syrischer Grenze zu, wie der Rat berichtete. Ein von der EU zertifiziertes Labor habe Proben vom Tatort untersucht und den hohen Chlorgasgehalt festgestellt, der eine Verwendung als Chemiewaffe nahelege.

Der Sicherheitsrat der Autonomieregierung verurteilte den Einsatz von Giftgas auf das Schärfste. Ein internationales UN-Übereinkommen verbietet Herstellung, Besitz und Einsatz chemischer Waffen.

Der IS beherrscht in Syrien und im Irak riesige Gebiete und hat dort ein sogenanntes „Islamisches Kalifat“ ausgerufen. In den vergangenen Wochen musste die Gruppe, der Tausende Kämpfer angehören, mehrere militärische Niederlagen hinnehmen.

Im Irak stehen die Armee und schiitische Milizen kurz vor der Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Tikrit. Auch dort seien vermutlich chemische Waffen zum Einsatz gekommen, erklärte der kurdische Sicherheitsrat. Auf Videoaufnahmen der Gefechte dort sei orangefarbener Rauch zu sehen, ein Anzeichen für Chlorgas.

Auch in Syrien haben die Dschihadisten Gebiete verloren. Seit Monaten bombardieren die USA und ihre Verbündeten den IS in beiden Ländern aus der Luft.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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