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Viele Flüchtlinge haben in ihrer Heimat nie gelernt zu schwimmen. 

Dringend notwendig

Kurse für Asylbewerber: Schwimmenlernen mit Händen und Füßen

Berlin - Viele Flüchtlinge haben in ihrer Heimat nie gelernt zu schwimmen. Gerade jetzt im Sommer birgt das große Gefahren, mehrere Flüchtlinge starben schon bei Badeunfällen.

Viele seien erst ab dem Herbst gekommen und erlebten nun ihren ersten Sommer in Deutschland. Peter Astashenko, Geschäftsführer der Wasserwacht Bayern, sagt, oft könnten sie die Gefahr gerade an Badeteichen und Flüssen nicht einschätzen. „Sie sehen, da sind viele Leute im Wasser, das macht Spaß. Plötzlich fällt die Uferböschung ab. Sie rutschen unter Wasser, kriegen Panik, holen einmal tief Luft und ertrinken.“ Schon 2015 ertranken 27 Flüchtlinge beim Baden.

Etwa in Bayern kamen in dieser Saison bereits mindestens zwei Flüchtlinge beim Schwimmen ums Leben. Anfang Mai war bei Bad Aibling ein 17-Jähriger Asylsuchender gestorben. Er war auf einem Surfbrett auf einen See gerudert, vom Brett gekippt und ertrunken. „Er ist zehn Meter vom Ufer entfernt ins Wasser gefallen und nicht mehr an der Oberfläche erschienen“, sagt Astashenko. Die Wasserwacht Bayern bietet deshalb auch dieses Jahr Schwimmkurse für Flüchtlinge an. Die Sprache sei dabei keine Hürde. „Schwimmen lernen ist kein Problem, das können Sie auch mit Händen und Füßen vermitteln.“

Schwimmunterricht ist Sache der Kommunen

Staatliches Geld für Kurse gibt es allerdings nicht. „Schwimmkurse sind keine Leistung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz“, sagt eine Sprecherin des bayerischen Sozialministeriums. „Es gibt kein zentrales Programm des Bundes oder des Landes für Schwimmunterricht für Flüchtlinge, das ist Sache der Kommunen“, erläutert auch ein Sprecher des Schleswig-Holsteiner Innenministeriums in Kiel.

Jürgen Steingreber leitet eine kleine Schwimmhalle in Harrislee in Schleswig-Holstein. Er bringt Flüchtlingen das Schwimmen bei. „Viele haben auf der Flucht übers Mittelmeer beschlossen, Schwimmen zu lernen. Ich habe Flüchtlinge im Unterricht, die mit ansehen mussten, wie Kinder über Bord gingen und kein erwachsener Flüchtling zum Retten hinterherspringen konnte, weil niemand schwimmen konnte“, sagt Steingreber. „Das macht mich entsetzlich traurig.“

Generelles Problem: Immer weniger ausbildungsfähige Bäder

Viele der Flüchtlinge, die nach Nordrhein-Westfalen kommen, können ebenfalls nicht schwimmen. Ein Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sagt, dass Mitglieder immer wieder erzählen: „Die Zahl der Schwimmer scheint gering zu sein.“ Im vergangenen Jahr zählte die DLRG 70 Badetote in NRW, drei davon seien Flüchtlinge gewesen. Dort setzt man auf Aufklärung, inzwischen gibt es Informationen zur Sicherheit beim Baden unter anderem auf Arabisch, Englisch, Französisch, Persisch, Urdu, Russisch, Albanisch. Außerdem gehen einige DLRG-Ortsvereine in Flüchtlingsunterkünfte. Auch Kurse gebe es.

Eine Gruppe Ehrenamtlicher bringt in Wuppertal schon seit vier Jahren Migranten das Schwimmen bei. Ein generelles Problem beim Schwimmunterricht ist laut DLRG: „Immer weniger schwimmausbildungsfähige Bäder.“

Auch in Hamburg ertranken Flüchtlinge beim Baden: Allein an dem hochsommerlichen Wochenende Anfang Juni waren es drei. Der Verein Sicheres Wasser am Baggersee in Allermöhe beobachtet, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gern in Gruppen schwimmen, aber ihre Kräfte nicht einschätzen können. Nach Ansicht von Vereinssprecherin Monika Retzlaff müssten Schwimmkurse organisiert werden: „Deutsch lernen ist wichtig, Schwimmenlernen ist lebenswichtig.“

dpa

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