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Sebastian Kurz rang bei Sandra Maischberger bei einer Frage nach Worten.

Schwachstelle FPÖ?

Kurz bei „Maischberger“: Auf eine Frage findet Österreichs Kanzler keine Antwort

Sebastian Kurz ist Europas jüngster Regierungschef. Im Kreuzverhör bei „Maischberger“ zeigte sich der Polit-Shootingstar souverän - eine Frage brachte ihn aber in Nöte.

Berlin - In Deutschland steht die Politik im kleinen Nachbarland Österreich üblicherweise nicht direkt im Fokus. Zuletzt war das etwas anders. Schuld sind zwei Akteure: die rechtspopulistische FPÖ, die Ende 2016 fast das Amt des Bundespräsidenten erobert hätte. Und Sebastian Kurz (ÖVP). Österreichs frischgebackener, gerade mal 31 Jahre alter Kanzler - der die FPÖ nun als Koalitionspartner in die Regierung gehievt hat.

Am Mittwoch war Kurz auf Antrittsbesuch in Berlin. Das Erste lud den Polit-Shootingstar flugs zu einer Sonderausgabe der Talkshow „Maischberger“. Wo sich sonst fünf bis sechs Gäste tummeln, durfte sich Kurz mehr als die Hälfte der Sendezeit allein den Fragen von Moderatorin Sandra Maischberger stellen. In die Enge treiben ließ sich der junge Politiker dennoch kaum. Zumindest solange die Sprache nicht auf das augenscheinlich neuralgischste Thema seiner jungen Regierung kam: just die FPÖ nämlich.

„Ich habe den Auftritt nicht gesehen“, sagt Kurz - kurz nach einem Einspielfilm

42 Talk-Minuten waren verstrichen, als Kurz erstmals ins Schleudern geriet. Maischberger und der kurz zuvor hinzugestoßene Jürgen Trittin (Grüne) sprachen da einen Auftritt des österreichischen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache an: Begleitet von martialisch gewandeten Trommlern hatte Strache vergangene Woche den Wahlkampf im Bundesland Tirol eröffnet. Der FPÖ-Chef habe sich „inszeniert, als würde die SS noch unterwegs sein, da fehlten nur noch die roten Armbinden“, urteilte Trittin.

Kurz‘ Antwort fiel ein wenig zu ausweichend aus, um souverän zu wirken: „Ich habe den Auftritt nicht gesehen“, behauptete der ÖVP-Kanzler - obwohl zuvor in einem Einspielfilm Bilder zu sehen gewesen waren und nicht nur das österreichische Portal nachrichten.at ein Video von Straches Auftritt schon vor Tagen als „Internet-Hit“ identifizierte.

„Ja, da jetzt kurz“ habe er die Szene gesehen, verbesserte sich Kurz auf den Einspiel-Clip angesprochen. „Ich bin auch keiner, der auf die Inszenierung schaut, sondern eher auf die Inhalte“, rechtfertigte er sich schließlich. Die Trommlergruppe sei auch schon für andere Parteien, etwa die sozialdemokratische SPÖ, aufgetreten. Einen Rechtsruck verneinte er. „In der Demokratie gehen Wahlen immer anders aus, das ist legitim und wird auch so bleiben.

„Jugendsünden“ und „schau mer mal“

Auch angesprochen auf diverse heikle Aussagen oder Taten von FPÖ-Politikern - etwa von Innenminister Herbert Kickl, der forderte, Flüchtlinge zu „konzentrieren“, FPÖ-Wahlplakate die „Abendland in Christenhand“ forderten, oder die mutmaßliche Teilnahme von Strache bei „Wehrsportübungen“ in früheren Jahren - reagierte Kurz eher ausweichend.

"Natürlich haben wir über diese Themen gesprochen", erzählte Kurz mit Blick auf Strache - und sortierte mögliche Verfehlungen des FPÖ-Chefs als „Jugendsünde“ ein. "Für mich ist aber der Blick nach vorne entscheidend“, sagte Kurz. 

„Der Kurs der Regierung ist das Regierungsprogramm“ und „ich habe den Eindruck gewonnen, dass die FPÖ bereit ist, dem Regierungsprogramm zu folgen“, sagte er mit Blick auf den Wahlkampf seines Koalitionspartners. Was, wenn die FPÖ doch in Richtung ihres Wahlprogrammes ausschere, hakte Maischberger nach. „Natürlich habe ich eine rote Linie, aber nicht nur nach rechts. Auch in andere Richtungen“, lautete Kurz‘ Antwort.

Funktioniert der Zivilisationsprozess?

Weitere Klippen umschiffte Kurz mit Diplomatie und gemäßigter Wortwahl. Beim weiteren Umgang mit der FPÖ einigten sich der österreichische Kanzler und Maischberger allerdings auf ein „schau mer mal“. Trittin, der sich ansonsten selbst in Migrations-Themen sachlich mit Kurz austauschte, blieb skeptischer. Der „Zivilisationsprozess“ der FPÖ sei „noch nicht so weit gekommen, wie Sie es sich vielleicht versprechen“, sagte er mit Blick auf Straches Trommler-Auftritt. Das „Zähmen“ der FPÖ funktioniere offenbar noch nicht.

fn

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