+
Österreichs neuer Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und seine Freundin Susanne Thier.

Quote sinnlos

Kurz: Staaten sollen über Aufnahme von Migranten allein entscheiden

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hält die Verteilung von Flüchtlingen in der EU nach festgelegten Quoten für gescheitert.

Berlin - Die Verteilung von Migranten in der EU nach festen Quoten ist aus Sicht des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz ein Irrweg. „Staaten zur Aufnahme von Flüchtlingen zu zwingen, bringt Europa nicht weiter“, sagte der 31-jährige konservative Politiker der „Bild am Sonntag“. „Wenn wir diesen Weg fortsetzen, spalten wir die Europäische Union nur noch weiter. Die Mitgliedstaaten sollten selbst entscheiden, ob und wie viele Menschen sie aufnehmen.“

Die Diskussion über eine Quote sei ohnehin weitgehend sinnlos, sagte er. „Denn die Migranten, die sich auf den Weg nach Europa machen, wollen nicht nach Bulgarien oder Ungarn. Sie wollen vor allem nach Deutschland, Österreich oder Schweden.“ Neben Bulgarien und Ungarn wollen auch Tschechien und Polen keine Flüchtlinge aufnehmen.

Zurzeit beantragen laut Eurostat 60 Prozent aller Migranten, die in die EU kommen, Asyl in Deutschland.

„Die Grenzen zwischen Asyl und Wirtschaftsmigration sind derzeit vollkommen verschwommen“

Kurz sagte, die Fehlentwicklungen in der EU-Flüchtlings- und Migrationspolitik gehörten dringend korrigiert. „Die Grenzen zwischen Asyl und Wirtschaftsmigration sind derzeit vollkommen verschwommen.“ Es gehe darum, den Menschen in ihren Herkunftsländern zu helfen. Wenn das nicht möglich sei, in den Nachbarstaaten. „Wenn auch das nicht möglich ist, dann auf ihrem Kontinent in sicheren Gebieten. Diese sollte die EU unterstützen, vielleicht sogar organisieren und militärisch sichern.“

Erst in einem letzten Schritt könne vor Ort ausgewählt werden, wer nach Europa kommen dürfe, sagte er. „Aber wir können nicht länger jeden aufnehmen, der es mit Hilfe eines Schleppers illegal in die EU schafft.“ Der politische Wille, diese Linie zu unterstützen, sei vorhanden, meinte Kurz.

Lesen Sie auch: Armin Rohde: Hitler-Anspielung über Österreichs Kanzler Kurz

dpa/AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kampf um die Merkel-Nachfolge: Spahn will mit Thema Obergrenze punkten
Der Kampf um die Nachfolge von Angela Merkel tobt. In Lübeck stellten sich die drei möglichen Kandidaten Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz den Parteimitgliedern. Alle …
Kampf um die Merkel-Nachfolge: Spahn will mit Thema Obergrenze punkten
Ministerium will Geflüchtete mit Plakaten zur Rückkehr bewegen - und erntet Empörung
Es gibt sie unter anderem auf Russisch und Arabisch: Auf Plakaten verspricht das Innenministerium Flüchtlingen einen Bonus - wenn sie bis Ende des Jahres ausreisen. Das …
Ministerium will Geflüchtete mit Plakaten zur Rückkehr bewegen - und erntet Empörung
„Sehr leicht“ - trotz „böser Absichten“: Trump hat Fragen des Sonderermittlers beantwortet
Donald Trump hat nun nach eigenen Angaben die Fragen des Sonderermittlers Robert Mueller beantwortet - sein Statement fällt kurios aus. Die News aus den USA im Ticker.
„Sehr leicht“ - trotz „böser Absichten“: Trump hat Fragen des Sonderermittlers beantwortet
Nach Hessen-Wahl: Endergebnis steht fest - FDP-Chef will Landtagswahl anfechten
Nach der Hessen-Wahl sollte eigentlich längst über Koalitionen verhandelt werden. Stattdessen kommen immer weitere Pannen ans Tageslicht. Nun könnte eine Klage folgen. …
Nach Hessen-Wahl: Endergebnis steht fest - FDP-Chef will Landtagswahl anfechten

Kommentare