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An Niedertracht kaum zu überbieten: Der Polizisten-Doppelmord ist ein schriller Alarmruf für uns alle

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Von: Georg Anastasiadis

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Fahndung nach den Tätern nach dem Polizisten-Doppelmord in Kusel in Rheinland-Pfalz. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.
Fahndung nach den Tätern nach dem Polizisten-Doppelmord in Kusel in Rheinland-Pfalz. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur. © Wolfgang STEIL/STEIL-TV AFP/Marcus Schlaf

Der Polizisten-Doppelmord von Kusel macht fassungslos und traurig. Die brutale Tat ist ein schriller Alarmruf für uns alle, kommentiert Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Einen Angriff auf uns alle nennt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer zu Recht den an Niedertracht kaum zu überbietenden Polizisten-Doppelmord von Kusel. Eine junge Streifenpolizistin und ihr Kollege, von Wilderern kaltblütig erschossen bei einer Routinekontrolle: Das macht fassungslos und traurig. Und es ist ein schriller Alarmruf für uns alle: Wie verroht ist unsere Gesellschaft, und wie groß muss die Verachtung für den Staat sein, wenn die, die ihn verkörpern, für manche Mitbürger zu so etwas wie Freiwild geworden sind?

Die beim Polizistenmord zutage getretene Brutalität kommt ja nicht aus dem Nichts

Die in Rheinland-Pfalz zutage getretene Brutalität kommt ja nicht aus dem Nichts: Seit Jahren erleben wir, wie Menschen ihrer Wut und ihrem Hass immer ungezügelter freien Lauf lassen, seien es nun rechte Mitläufer auf Corona-Demos oder linksautonome Chaoten bei Hausbesetzer-Aktionen in Berlin oder Leipzig. Und immer trifft es die Polizistinnen und Polizisten, die für ein bescheidenes Einkommen ihren Kopf für uns alle hinhalten. Und die an Leib und Seele Schaden nehmen, wenn Wutbürger aller Art sie als Prellbock für ihre Frustrationen missbrauchen.

Nach Polizisten-Doppelmord von Kusel: Dies ist ein Moment zum Innehalten

Dies ist ein Moment zum Innehalten. Man nimmt der Politik die ehrliche Bestürzung ab. Doch sind manche derjenigen, die sich jetzt empören, dieselben, die sich sonst immer nur dann für unsere Sicherheitsbeamten interessieren, wenn in einer Einheit ein schwarzes Schaf auftaucht oder wenn es gilt, nach einem Einsatz einen Sündenbock zu finden. Dann heißt es gern mal, die Polizei habe nicht genug deeskaliert. Das freilich ist in dem aufgeheizten Klima, in dem Beamte oft genug körperlich bedroht werden, leichter gesagt als getan. Unsere Polizei braucht mehr, sie braucht unsere Empathie und unseren Respekt. Das gilt ganz besonders auf der linken Seite des politischen Parteienspektrums, wo staatliche Uniformierte oft mehr als notwendiges Übel denn als verletzliche Garanten unserer Sicherheit und Freiheit betrachtet werden. Mehr Respekt bedeutet im Übrigen auch, dass Richter die zunehmend gewalttätigen Angriffe auf die Polizei mit der erforderlichen Strenge ahnden.

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