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Teenager (17) erschießt zwei Black Lives Matters-Demonstranten – und wird freigesprochen

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kyle Rittenhouse bei seinem Gerichtsprozess in den USA
Der Angeklagte Kyle Rittenhouse am 5. November bei seinem Gerichtsprozess. Der 17-Jährige wurde am Freitag freigesprochen (Archivbild). © picture alliance/dpa/Pool The Kenosha News | Sean Krajacic

In einem politisch aufgeladenen Prozess sprachen die Richter den Teenager Kyle Rittenhouse am Freitag frei. Er hatte zwei Black Lives Matters-Demonstranten erschossen.

Wisconsin - Als „politischsten Prozess der Black-Lives-Matter-Ära“ bezeichnet die US-amerikanischen Zeitung Washington Post das Gerichtsverfahren um Kyle Rittenhouse. Für die einen war der Freispruch ein Skandal und ein Beweis für das ungerechte amerikanische Rechtssystem. Andere sehen das Gerichtsurteil als Signal für das Recht zur Selbstverteidigung. Der Meinung ist auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump.

Kyle Rittenhouse erschießt zwei Black Lives Matters-Demonstranten

Am 25. August 2020 kam es in der Stadt Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin zu Protesten der Black Lives Matters-Bewegung. Hintergrund der Unruhen war der Vorfall um Jacob Blake, der zwei Tage zuvor von der Polizei in den Rücken geschossen wurde. Die Black Lives Matters-Bewegung setzt sich seit Jahren gegen die Gewalt und die Diskriminierung von People of Color und Schwarzen ein.

Der damals 17-jährige Kyle Rittenhouse war eigenen Angaben zufolge zu den Unruhen in Kenosha gefahren, um Geschäfte „vor Verwüstungen zu bewahren“ und „medizinische Hilfe“ zu leisten. Er war mit einem halbautomatischen Gewehr bewaffnet. Die Waffengesetze in Wisconsin erlauben das offene Tragen einer halbautomatischen Waffe. Rittenhouse erschoss bei den Unruhen zwei Männer und verletzte einen dritten Mann schwer. Daraufhin wurden in einem Gerichtsprozess fünf Anklagepunkte gegen ihn erhoben, darunter Mord. Die zwölf Geschworenen der Jury sprachen ihn am Freitag in allen Punkten frei.

So argumentieren Staatsanwaltschaft und Verteidigung

Die Schilderungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung gingen vor Gericht weit auseinander. Eigenen Angaben zufolge handelte Rittenhouse in Notwehr. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie ein Mann mit einem Skateboard auf ihn einschlug. Ein Opfer, das von Rittenhouse verletzt wurde und überlebte, gab vor Gericht an, selbst eine Waffe auf den Teenager gerichtet zu haben. Die drei Männer, auf die Rittenhouse geschossen hatte, waren weiß.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Rittenhouse habe die Gewalt als selbsternannter „Hilfspolizist“ selbst provoziert: „Er hätte nie mit einem Sturmgewehr nach Kenosha reisen dürfen.“ Da der Teenager mit einer Waffe unterwegs war, nahmen manche Demonstranten an, es handle sich um einen Amokläufer und hätten demzufolge versucht, ihn aufzuhalten, so das Argument der Anklage. Kyle Rittenhouse wird in Verbindung mit der Blue Lives Matter-Gruppierung gebracht, die als Gegenbewegung zur Black Lives Matters-Bewegung gilt. Es gibt Aufnahmen, die Rittenhouse zudem mit Mitgliedern der rechtsextremen Gruppierung „The Proud Boys“ zeigen sollen.

Kyle Rittenhouse: So reagieren Prominente und Politiker auf das Urteil

Der südafrikanische Comedian Trevor Noah bezog schon während des Gerichtsprozesses um Kyle Rittenhouse klar Stellung. „Niemand fährt mit einer Waffe in eine Stadt, weil er das Geschäft anderer so liebt. Das ist Schwachsinn. Niemand hat sich jemals gedacht: ‚Oh, es ist meine Pflicht ein Gewehr zu nehmen und diesen TJ Maxx (Anm.: US-amerikanische Kaufhaus-Kette) zu beschützen.‘ Das tut man, weil man hofft, jemanden zu erschießen.“

„Wenn ein schwarzer Junge mit einem Sturmgewehr durch Kenosha gelaufen wäre und zwei Menschen erschossen hätte (…), wäre das Urteil sicherlich anders ausgefallen“, sagte Tim O’Brien, der ehemalige Berater von Mike Bloomberg zu dem Urteil.

Aus republikanischen Reihen hingegen kam Zuspruch, viele feierten Rittenhouse als eine Art Widerstandskämpfer. „Kyle Rittenhouse war die ganze Zeit unschuldig. Dieser Prozess war eine Hexenjagd der radikalen Linken“, teilte Trump per E-Mail mit, denn auf Twitter kann sich der Ex-Präsident nicht mehr äußern. Die republikanische Abgeordnete Lauren Boebert sagte: „Heute ist ein guter Tag für das Recht, Waffen zu tragen, und für das Recht auf Selbstverteidigung. Gepriesen sei Gott.“

Auch Kyle Rittenhouse selbst meldete sich zu Wort. Er gab dem konservativen Nachrichtensender Fox ein Interview, das am Montag in voller Länge erscheinen soll: „Die Geschworenen haben das richtige Urteil gefällt - Selbstverteidigung ist nicht illegal“, sagte Rittenhouse in vorab veröffentlichten Auszügen wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Er sei erleichtert, dass seine „harte Reise“ zu einem Ende gekommen sei. „Ich bin froh, dass alles gut gegangen ist“, so Rittenhouse weiter.

Der US-Präsident Joe Biden kommentierte das Urteil mit den Worten: „Ich stehe zu dem, was die Jury beschlossen hat. Das Jurysystem funktioniert und wir müssen uns daran halten.“ Indes rief er dazu auf „die Meinung zu dem Urteil friedlich kundzutun.“ In mehreren Städten in den USA hatte der Freispruch von Kyle Rittenhouse Proteste ausgelöst.

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