+
Nicht selten Fallen an Schulen Stunden aus. Der Deutsche Philologenverband geht davon aus, dass 6 bis 7 Prozent der Stunden an den Schulen de facto nicht erteilt werden. Foto: Ralf Hirschberger/Symbolbild

Verband: Beim Unterrichtsausfall wird Wahrheit verschleiert

Unterrichtsausfall ist ein Dauerärgernis an deutschen Schulen. Elternvertreter und Bildungsverbände verlangen von den Kultusbehörden, nicht nur komplett abgesagte Stunden in ihre Statistiken aufzunehmen.

Berlin (dpa) - Der Deutsche Philologenverband appelliert an die Länder, massiven Stundenausfall aufgrund von Lehrermangel nicht länger statistisch zu verschleiern. "Das Thema ist nach wie vor heiß an den Schulen", sagte der Vorsitzende der Gymnasiallehrergewerkschaft, Heinz-Peter Meidinger.

Meidingers Eindruck sei, dass viele Länder "gar nicht so genau wissen" wollen, wie viel Unterricht tatsächlich komplett ausfällt oder nur vertreten wird. Er verwies auf aktuelle Debatten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein und verlangte "glasklare Zahlen" aus den Bildungsministerien. Es gebe weiterhin erhebliche Differenzen zwischen dem Eindruck von Elternvertretern und Verbänden sowie offiziellen Statistiken, "die möglichst gut ausschauen sollen".

Der Verbandschef geht aktuell davon aus, dass 6 bis 7 Prozent der Stunden an den Schulen de facto nicht erteilt werden - dies stehe im krassen Gegensatz zu Angaben von 1,7 Prozent Unterrichtsausfall wie zuletzt in NRW.

"Als Vertretung kann ja auch gelten, dass ein Lehrer in der Aula für 150 Schüler die Hausaufgaben beaufsichtigt", sagte Meidinger, der selbst ein Gymnasium im bayerischen Deggendorf leitet. "Was sich aber zuletzt geändert hat: Die Eltern können oft online sehen, wo Stunden ausfallen, wo Unterricht vertreten wird. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass die Unzufriedenheit so zunimmt. Es ist mehr Transparenz da. Und die lässt an den Statistiken zweifeln."

Nach Meidingers Worten macht jeder Lehrer im Schnitt drei Stunden pro Woche Mehrarbeit, "nur damit die Statistik unter Kontrolle bleibt". Das produziere viele Verlierer: "Die Schüler, denen Unterricht entgeht, und die Lehrer, auf deren Rücken dies ausgetragen wird."

Der Philologenverband verlangt Abhilfe etwa durch "mobile und integrierte Reserven" von Lehrern, um Stundenausfall abfedern zu können. Eine andere große Bildungsgewerkschaft, der Verband Bildung und Erziehung (VBE), fordert bundesweit einheitliche Maßstäbe. Denn derzeit definiere jedes Bundesland für sich, was als kompletter Unterrichtsausfall und was noch als Vertretungsunterricht gewertet werde.

Verbandswebsite

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nordkorea wertet Trump-Worte als "Kriegserklärung"
Zuletzt wurde der Krieg der Worte zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un immer schärfer. Inzwischen erkennt Nordkoreas …
Nordkorea wertet Trump-Worte als "Kriegserklärung"
Jamaika-Koalition steigt über Nacht in der Gunst der Deutschen
Hat die Jamaika-Koalition eine Chance? Die CSU beißt sich an der Obergrenze fest - und die Grünen wollen einen Partei-Linken verhandeln lassen. Alle News im Ticker.
Jamaika-Koalition steigt über Nacht in der Gunst der Deutschen
AfD-Plakat aufgehängt? Polizist droht Ärger
Hat ein Bundespolizist seine Kompetenzen überschritten? Im Internet kursieren Bilder, die den Mann in Arbeitskleidung beim Aufhängen eines Wahlplakats zeigen. Das könnte …
AfD-Plakat aufgehängt? Polizist droht Ärger
Kushner nutzte Privat-Email für Regierungssachen
Im Wahlkampf haben die Republikaner Hillary Clinton vorgewurfen, eine private Email-Adresse für Regierungssachen zu verwenden. Jetzt soll Jared Kushner, der …
Kushner nutzte Privat-Email für Regierungssachen

Kommentare