„Fest in jüdischer Hand“

Lagerfeld kritisiert Merkel - und RTL macht mit einem TV-Bericht alles noch schlimmer

Modezar auf Abwegen: Karl Lagerfeld hat mit Kritik an Angela Merkels Flüchtlingspolitik für Aufruhr gesorgt. RTL will das Verhalten des Stars erklären - und macht alles noch schlimmer.

Paris/Berlin - Karl Lagerfelds Verdienste in der Modewelt sind unumstritten. Meldet sich der Modezar aber öffentlich zu Wort, ruft er nicht selten Stirnrunzeln hervor - zuletzt am Wochenende, als er im französischen TV Kritik an der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übte.

Der eigentliche Aufreger an Lagerfelds Einlassung war seine Begründung für die Kanzlerinnen-Schelte. Denn der 84-Jährige bezeichnete pauschal Flüchtlinge als „schlimmste Feinde“ jüdischer Menschen. Wörtlich sagte er: "Man kann nicht, selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, Millionen Juden töten, um danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde kommen zu lassen."

Verschwörungstheorien im Vorabendprogramm?

Selbst fünf Tage nach dem Eklat beim Sender C8 will der Rummel nicht abebben. Auch, weil die Berichterstattung in Deutschland vereinzelt eher unsensibel ausfällt. Konkret war es RTL, das am Dienstagabend im Promi-Magazin „Exclusiv“ neuen Zündstoff lieferte. Wie die Webseite journalistenwatch.com berichtet, verfiel Journalist Marc Sterzenbach in seinem Beitrag zum Thema auf einen äußerst gewagten Erklärungsversuch für Lagerfelds Verhalten. 

„Wieso sagt er das?“, fragte sich Sterzenbach mit Blick auf Lagerfeld. Und führte aus: „Tatsächlich ist das Unternehmen Chanel, für das er arbeitet, fest in jüdischer Hand. Eigentümer ist die Familie Wertheimer.“

Damit schien Sterzenbach eine politische Agenda der Firma anzudeuten - und begründete diese mit Religion der Inhaber. Insgesamt scheint die Erklärung in das Schema einer bekannten und oft missbrauchten Verschwörungstheorie zu passen: In die antisemitischen Klischees der These von einer „jüdischen Weltverschwörung“.

Eigentümlich hatte auch schon die Einleitung von Moderatorin Frauke Ludowig gewirkt. Sie erklärte den Wirbel um Lagerfelds Auftritt mit dem Umstand, dass der Moderschöpfer es „gewagt“ habe, Angela Merkel anzugreifen.

Die Erklärung könnte einfacher sein

Plausibler als der Verweis auf die Besitzverhältnisse bei Chanel klingt ein anderer Deutungsansatz aus dem selben TV-Beitrag: Lagerfeld provoziere eben gerne, sagte Sterzenbach ebenfalls. Eine These, für die es Belege gibt: Etwa Lagerfelds Behauptung, wer eine Jogginghose trage, habe „die Kontrolle über sein Leben verloren“ aus dem Jahr 2012 - oder die These des Modezars, „billig“ seien nur Menschen, Mode sei „preiswert oder teuer“.

Mit der Mixtur aus Migrations-Schelte und Holocaust-Thematik hat Lagerfeld jedenfalls einige Schlagzeilen eingeheimst. Freuen könnte sich darüber womöglich der IS - schließlich ist ein wesentlicher Grund für den Erfolg der Islamisten nach Einschätzung von Experten die Stigmatisierung von Muslimen in Europa.

Beruhigen mag da wenigstens die Selbsteinschätzung des Modeschöpfers: "Es tut mir leid: Was ich sage, ist nur gültig, wenn ich es gerade sage“, erklärte er 2004 dem Stern.

mm/tz/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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