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Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (2.v.l) und Innenminister Holger Stahlknecht (2.v.r) im Gespräch mit Feuerwehr und Polizei vor dem ausgebrannten Flüchtlingsheim in Tröglitz.

Prämie nach Brandanschlag

Zunächst nur zehn Flüchtlinge nach Tröglitz

Tröglitz - Nach dem Brandanschlag auf die geplante Asylbewerberunterkunft in Tröglitz sollen in dem Ort in Sachsen-Anhalt zunächst nur zehn Flüchtlinge aufgenommen werden.

In "absehbarer Zeit" sollen diese zunächst bei privaten Wohnungsanbietern untergebracht werden, wie Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) am Dienstag dem RBB-Inforadio sagte. Derweil wurden für die Ergreifung der Brandstifter 20.000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Drei Tage nach dem offenbar vorsätzlich gelegten Brand betonte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), dass sich an der Aufnahme der Flüchtlinge in Tröglitz nichts ändern werde. "Es bleibt unsere Aufgabe, ein deutliches Zeichen zu setzen, dass dieser Landkreis und dieses Land sich nicht einschüchtern lassen und nicht wackeln", sagte er dem Fernsehsender Phoenix.

In der Nacht zum Samstag war offenbar vorsätzlich ein Feuer in dem weitgehend leer stehenden Gebäude in Tröglitz gelegt worden, in dem ab Mai 40 Asylbewerber untergebracht werden sollten. Da die ursprünglich vorgesehene Flüchtlingsunterkunft durch die Brandstiftung derzeit unbewohnbar ist, haben sich die Behörden auf die Suche nach privaten Unterkünften gemacht.

"Wir haben Angebote von Vermietern, die Wohnraum zur Verfügung stellen wollen", sagte Stahlknecht dem RBB. Nun werde geprüft, ob die Wohnungen geeignet seien. "Der Plan ist, dass wir zehn Asylsuchende in absehbarer Zeit dort unterbringen werden." Ein Sprecher des Innenministeriums sagte zudem, dass es ungeachtet der zeitlichen Verzögerung bei der Gesamtzahl von 40 Flüchtlingen bleiben werde, die in Tröglitz aufgenommen werden sollen.

20.000 Euro für Hinweise auf Anschlag

Die Belohnung von 20.000 Euro für die Ergreifung der womöglich rechtsextremen Brandstifter wurde vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt ausgelobt, wie ein Sprecher bestätigte. Nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Halle an der Saale sollen am Mittwoch Tröglitzer Bürger zu möglichen Hinweisen auf die noch unbekannten Täter befragt werden.

Nach dem offenbar fremdenfeindlichen Brandanschlag riefen Politiker zu einem entschlossenen Kampf gegen Rechtsradikalismus auf. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), warnte in der Zeitung "Die Welt" vom Dienstag davor, die Tat in Tröglitz als Einzelfall abzutun: Es handle sich vielmehr um ein "bundesweites Problem". Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sagte, alle Demokraten müssten nun "geschlossen Flagge zeigen".

Die Rechtsextremismus-Expertin der Grünen, Monika Lazar, forderte die Bundesregierung auf, die gesetzlichen Möglichkeiten zum Schutz von Flüchtlingen und von engagierten Helfern konsequenter auszuschöpfen. Nach dem Brandanschlag hatten der frühere Bürgermeister von Tröglitz, Markus Nierth, und Landrat Götz Ulrich (CDU) Drohungen erhalten.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte im "Tagesspiegel" (Mittwochsausgabe), Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus als "bundesweite Phänomene" zu betrachten. Diese müsste "auch bundesweit bekämpft werden".

Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD) plädierte dafür, besser über die Zahl der Flüchtlinge im Land aufklären. "Die Zahlen müssen viel häufiger auf den Tisch", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung im ARD-"Morgenmagazin". Viele Menschen würden die Zahl völlig überschätzen, was Vorbehalte gegen Flüchtlinge schüre.

afp

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