Stammstrecken-Chaos am Freitag: Bis zu 40 Minuten Verspätung, Zugwenden, Teilausfälle

Stammstrecken-Chaos am Freitag: Bis zu 40 Minuten Verspätung, Zugwenden, Teilausfälle
+
Günther Platter (ÖVP) seit 2008 Landeshauptmann von Tirol.

Interview

Landeshauptmann zu Lkw-Streit: “In Tirol ist die Belastung unerträglich“

Grenzkonflikt zwischen Bayern und Tirol: Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter verteidigt im Interview mit dem Münchner Merkur die Blockabfertigung.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter verteidigt die Blockabfertigung.

Warum bremsen Sie die bayerischen Lkw aus?

Günther Platter: Es geht uns nicht um die bayerischen Lkw, es geht uns um den internationalen Transitverkehr. Wir haben auf der Unterinntalautobahn die Belastungsgrenze für Mensch und Natur überschritten. Wir werden heuer trotz diverser Fahrverbote am Wochenende oder in der Nacht deutlich mehr als zwei Millionen Lkw am Brenner zählen – das ist ein neuer Rekord. An bestimmten Tagen geht auf unseren Autobahnen nichts mehr. An diesen Tagen ist sowohl die Verkehrs- als auch die Versorgungssicherheit massiv gefährdet. Daher probeweise die Blockabfertigung. Wir lassen nur noch rund 300 Lkw pro Stunde durch – das ist immer noch sehr viel – ansonsten wären es bis zu 600 in bestimmten Stunden und das führt zu Chaos. Beim ersten Versuch am 4. Oktober hat das problemlos geklappt – mit wenig Stau in Bayern.

Was muss sich in der Verkehrspolitik ändern?

Platter: In Tirol haben wir viel Umweg-Transitverkehr. Für Lkw ist es zum Beispiel wegen einer hohen Maut und anderer Beschränkungen unattraktiv, über die Schweiz Richtung Süden zu fahren. Also fahren sie über das Inntal. Daher brauchen wir dringend eine gemeinsame Korridormaut von München bis Verona. Die Lkw-Maut muss dort durchgehend auf das Niveau von Tirol erhöht werden. In Bayern ist die Lkw-Maut um ein Fünffaches niedriger, ebenso in Südtirol und in Trentino. Daher lohnt es sich nicht, die Güter auf die Schiene zu verlagern. Alle Experten sagen, dass die gemeinsame Lkw-Maut mindestens über 300 Kilometer geführt werden muss, damit so eine Verlagerung eintritt.

Wer mauert? Bayern?

Platter: Dieses Anliegen kann nur mit Bayern und Deutschland zustande gebracht werden. Speziell in Bayern ist es aber notwendig, dass endlich die Planung der Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel durch das bayerische Inntal vorangeht. Wir müssen eine gemeinsame Verkehrspolitik zustandebringen. In Tirol ist die Belastung unerträglich.

Die Blockabfertigung wird als Pilotversuch angekündigt. Müssen wir künftig öfter damit rechnen?

Platter: Nach diesem Pilotversuch beraten wir uns mit Experten, wie wir konform mit dem EU-Recht solche und andere Maßnahmen institutionalisiert ergreifen können.

Interview: Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Albayrak: "Neue Ära" in Beziehungen zu Deutschland
Nächste Woche kommt der türkische Präsident Erdogan nach Berlin. Um seinen umstrittenen Staatsbesuch vorzubereiten, schickt er seinen Finanzminister und Schwiegersohn …
Albayrak: "Neue Ära" in Beziehungen zu Deutschland
Schlagabtausch vor der Wahl: Söder und Grünen-Chef Hartmann liefern sich Streitgespräch
Drei Wochen vor der Landtagswahl sind die Spitzenkandidaten Markus Söder (CSU) und Ludwig Hartmann (Grüne) zu einem ersten Rededuell in der Redaktion des Münchner Merkur …
Schlagabtausch vor der Wahl: Söder und Grünen-Chef Hartmann liefern sich Streitgespräch
Neuverhandlung des Maaßen-Deals
Es klingt fast schon wie ein Hilferuf: "Wir haben uns geirrt." Die Causa Maaßen müsse nochmals aufgerollt werden, sagt SPD-Chefin Nahles - und hofft auf Verständnis bei …
Neuverhandlung des Maaßen-Deals
Nahles mit bemerkenswertem Fehler-Eingeständnis im Fall Maaßen - Merkel bekräftigt Verhandlungsbereitschaft 
Die GroKo um Seehofer, Merkel und Nahles stand am Abgrund - das zeigt ein dramatischer Brief. Nichtsdestotrotz soll der Maaßen-Deal nun neu verhandelt werden. Der …
Nahles mit bemerkenswertem Fehler-Eingeständnis im Fall Maaßen - Merkel bekräftigt Verhandlungsbereitschaft 

Kommentare